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Rosbergs Sprit-Problem

Vier Prozent zu wenig Benzin im Tank

Nico Rosberg Foto: Mercedes 25 Bilder

Nico Rosberg führte den GP China 14 Runden lang an. Doch dann bekam der Mercedes-Pilot das Kommando zum Spritsparen. Mercedes hatte sich selbst unterschätzt. Mit vier Prozent mehr Benzin im Tank wäre Rosberg ein Podestkandidat gewesen. Er selbst spricht sogar vom Sieg.

20.04.2011 Michael Schmidt

Vier Prozent. Das sind auf eine Tankfüllung für einen Grand Prix hochgerechnet fünf bis sechs Kilogramm Kraftstoff. Diese Menge fehlte Nico Rosberg und Michael Schumacher beim GP China zur vollen Attacke. Das hat nichts damit zu tun, dass der Tank des MercedesGP W02 zu klein wäre. Er hat genug Fassungsvermögen, um diese zusätzliche Spritmenge aufzunehmen. Das Team hat sich schlicht verrechnet. Oder war zu bescheiden.

Mercedes überrascht von eigener Steigerung

Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 10/2011, ab 21. April im Handel) berichtet, lagen die Rundenzeiten der Mercedes-Piloten im Rennen um bis zu drei Sekunden unter denen, die Nico Rosberg und Michael Schumacher am Freitag in ihrer Rennsimulation vorgelegt hatten. Obwohl da bereits eine deutliche Steigerung zu den Wochenenden davor zu sehen war, blieben die Strategen im Mercedes-Camp misstrauisch. Sie rechneten eine Verbesserung der Zeit für den Sonntag mit ein, aber nicht eine so dramatische.

Mercedes-Rennleiter Norbert Haug gibt eine entwaffnend ehrliche Antwort: "Wir haben uns nach den ersten beiden Rennen in Australien und Malaysia kritisch hinterfragt. Da ist es nicht besonders gut gelaufen für uns. Dann schätzt du dich beim dritten Rennen nicht auf einmal um so viel besser ein. Da steht unser Team zu sehr mit beiden Beinen auf dem Boden."

Rosberg eine halbe Sekunde pro Runde eingebremst

Teamchef Ross Brawn rechnete gleich nach dem Rennen hoch, dass der Befehl zum Spritsparen Rosberg rund eine halbe Sekunde pro Runde gekostet habe. "Es gab schon nach einem Renndrittel Warnungen an die Fahrer, aber so ab Runde 40 musste Nico vom Gas", verrät Haug. "Damit fuhr er 16 Runden lang mit einem Handikap."

Michael Schumacher war vom Spritsparen nicht ganz so stark betroffen, weil er zu Beginn des Rennens in einem Pulk langsamerer Fahrzeuge aufgehalten wurde, was dem Benzinverbrauch zugutekam. "Deshalb war er im letzten Turn einer der schnellsten", resümiert Haug.“

Ohne die Verbrauchsbremse wäre Rosberg auf jeden Fall auf das Podest gefahren. Vielleicht sogar ganz nach oben? Haug bremst bei der Siegertheorie: "Natürlich kann man argumentieren, dass Nico im Training auch in die erste Reihe fahren hätte können, hätte er nicht so viel Rückenwind gehabt, wodurch der Motor in den Begrenzer lief. Von dort wäre es ein anderes Rennen für ihn gewesen. Aber bei den Rennen in diesem Jahr lassen sich solche Hypothesen nicht mehr so einfach aufstellen. Vettel hätte auch ein anderes Rennen gefahren, wenn er den Start gewonnen hätte. Und Massa wäre mit einem Dreistopprennen brandgefährlich gewesen. Der Ausgang des Rennens hängt heute von so vielen Kleinigkeiten ab, dass man fast nichts planen kann."

Mercedes trotz der Probleme zufrieden

Mercedes prüft auch noch, warum sich Rosberg in der 45. Runde am Ende der Geraden bei seiner Attacke auf Massa verbremst hat. Der Rutscher erlaubte es auch noch Jenson Button durchzuschlüpfen. "Unsere endgültige Analyse wird erst morgen abgeschlossen sein, aber vielleicht hat in dem Augenblick mal wieder der Heckflügel nicht funktioniert", grübelte Haug am Mittwoch (20.4.).

Trotz der verpassten Chance blickt der Mercedes-Sportchef zufrieden auf den dritten Grand Prix des Jahres zurück: "Wir haben eine deutliche Steigerung gezeigt und waren vom Rennspeed her auf McLaren-Niveau. Jetzt geht es darum, das Auto noch besser zu verstehen und diese Leistung auf anderen Streckentypen zu reproduzieren."

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