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Rosberg vs Verstappen

War die Strafe gerecht?

Nico Rosberg - Formel 1 - GP Deutschland 2016 Foto: sutton-images.com 72 Bilder

Nico Rosberg kassierte für sein Ausbremsmanöver gegen Max Verstappen eine Fünfsekunden-Strafe. Verstappen kam eine Woche zuvor in seinem Duell gegen Kimi Räikkönen ungeschoren davon. Ist das gerecht?

02.08.2016 Michael Schmidt 9 Kommentare

Nico Rosberg war überrascht. Seiner Meinung nach war der Zweikampf zwischen ihm und Max Verstappen in der 29. Runde in der Haarnadel „ein ganz normaler Zwischenfall, wie er im Duell vorkommt.“ Max Verstappen erwartete eine Strafe für Rosberg, er hat sie mit seinem Funkspruch mehr oder weniger auch verlangt: „Er hat mich neben die Strecke gedrückt.“ Schön zu sehen, wie sich die Betrachtungsweise ändert, je nachdem ob man Täter oder Opfer ist. Verstappen ist im Rad-an-Rad-Kampf auch kein Kind von Traurigkeit.

Was war passiert? Rosberg griff den Red Bull-Piloten aus dem Hinterhalt an. Verstappen hatte mit der Attacke offensichtlich nicht gerechnet, denn er ließ die Tür innen sperrangelweit offen, was sonst nicht seine Art ist. Doch Rosberg war so spät auf der Bremse, dass er seinen Bremspunkt überschoss. „Ich musste die Lenkung aufmachen, sonst wäre er in mich reingefahren. Nico ist einfach geradeaus weitergefahren“, klagte Verstappen.

Rosberg zog einen Vorteil aus der Attacke

Der Mercedes kam bei dem Manöver fast zum Stillstand. Erst dann drehte Rosberg am Lenkrad. Er schlägt es dann über die gesamte Kurve auch voll ein. Doch der Mercedes war bereits so weit nach außen getragen worden, dass Verstappen früh in die Auslaufzone gedrängt wurde.

Da war selbst bei vollem Lenkeinschlag nicht mehr Platz für zwei Autos. „Ich musste neben die Strecke fahren. Das ist nicht sehr praktisch“, lamentierte Verstappen und schickte mit Blick auf Hamilton noch eine Spitze hinterher: „Du kennst das ja Lewis.“ Gemeint war die Kollision der Mercedes-Piloten beim GP Österreich.

Für die Sportkommissare war der Fall klar: „Forcing another driver off the track“ heißt der Tatbestand im FIA-Jargon. In einem anderen Fall entschieden die Schiedsrichter für den Angeklagten. Romain Grosjean und Kevin Magnussen hatten sich in Kurve 8 in die Haare bekommen. Dabei war Grosjean so spät auf der Bremse, dass er Magnussen abdrängte. Der HaasF1-Pilot kam ungeschoren davon. Begründung: „Er hat dadurch keinen dauerhaften Vorteil erlangt, sondern sich bei der Aktion selbst ausgebremst.“

Genau das war bei Rosberg nicht der Fall. Der Mercedes-Pilot zog einen Vorteil aus seinem Manöver. Er lag danach vor Verstappen. Vielleicht wäre es klüger gewesen, die Position gleich wieder herzuschenken. Doch Rosberg war sich keiner Schuld bewusst. Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann beide Sichtweisen verstehen. „Es ist eine 50:50 Entscheidung. Egal, wie sie ausgeht, ich hätte in Zukunft gerne eine klare Linie der Sportkommissare.“

Hockenheim wie Spielberg?

Die wird es nie geben. Weil die Sportkommissare und auch der Fahrer-Vertreter bei jedem Rennen neu besetzt werden. In Budapest urteilte Alan Jones über den Zweikampf zwischen Max Verstappen und Kimi Räikkönen. Der Australier hat auf der Strecke selber mit harten Bandagen gekämpft. Da galt im übertragenen Sinn das Faustrecht.

In Hockenheim beriet Emerson Fittipaldi die Kommissare. Der Brasilianer war in seiner aktiven Zeit das glatte Gegenteil von Jones. Fittipaldi ging Zweikämpfen aus dem Weg. Er zählte neben Jackie Stewart und Niki Lauda zu den Sicherheitsaposteln seiner Epoche.

Der Fall Räikkönen gegen Verstappen ist mit Rosberg gegen Verstappen nicht zu vergleichen. Weil Räikkönen nie auf gleiche Höhe kam, und weil bei den Aktionen Spurwechsel im Spiel waren. Manche meinen immer noch, dass Verstappen zu oft und zu spät die Linie geändert hat.

Der Vorfall in Hockenheim erinnert eher an das Mercedes-interne Duell in Spielberg. Auch wenn Rosberg da keine Parallelen sieht. Doch auch in Spielberg war Rosberg extrem spät auf der Bremse, extrem spät beim Einlenken und drückte Hamilton damit fast automatisch von der Bahn. Auch damals wurde der WM-Zweite bestraft. Es gab 10 Sekunden, also doppelt so viel wie in Hockenheim.

Bei Rosberg sieht es nach Absicht aus

Niki Lauda kann die Strafe verstehen. „Tut mir leid. Die Strafe war verdient. Ich verstehe ja, dass Nico dem Verstappen so wenig Straße wie möglich geben will. Aber er darf es halt nicht so aussehen lassen. Er muss wenigstens so tun, als ob er einlenkt.“

Genau das ist der Punkt. Rosberg hat bis zum Stillstand gebremst und erst dann eingelenkt. Das sah zu sehr nach Absicht aus. Somit ist die Szene mit Spielberg durchaus vergleichbar, auch wenn Hamilton am Bremspunkt die Nase da leicht vorne hatte.

Hamilton hat Rosberg in Suzuka und Austin 2015 neben die Strecke geschickt. Ohne Strafe. Doch wenn der Engländer diese Nummer durchzieht, dann ist das Ergebnis zwar das gleiche, aber es lässt nicht so offensichtlich einen Vorsatz erkennen.

Der Weltmeister geht früher von der Bremse, beginnt früher mit dem Einlenken, schlägt dafür aber die Lenkung nicht ganz ein. Er richtet seinen Lenkeinschlag genau darauf aus, wo der Gegner ist und treibt ihn dann sanft neben die Strecke. Fast ein wenig zufällig. Bei Rosberg ist es nicht eine Bewegung, sondern abgehackt. Und das wirkt, als stecke ein Plan dahinter.

Wie denken Sie über das Duell Rosberg gegen Verstappen und die Strafe? Schreiben Sie uns und stimmen Sie ab.

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Ich habe das Rennen im ORF gesehen und kann mich nur 100% der Meinung von Alexander Wurz anschließen.

Rosberg hat nichts falsches gemacht. That's racing.

In anderen Rennserien würde so eine Aktion niemals bestraft werden. Die Formel 1 macht sich mit den ganzen Strafen ihr eigenes Produkt kaputt. Man will doch gerade sowas als Zuschauer sehen und nicht darauf warten warten, wer am grünen Tisch gewinnt oder beim Boxenstop überholen kann.

Verstappen hätte ja auch stärker bremsen und innen an Rosberg vorbeigehen können, wenn der zu lange auf der Bremse bleibt.

Rosberg ist Verstappen nicht reingefahren und die beiden haben sich auch nicht berührt und zudem ist Rosberg auch noch keinen Milimeter über die Streckenbergenzung gefahren. Die Geschwindigkeit der beiden war an der Stelle so niedrig, das da selbst bei einem Crash wahrscheinlich absolut gar nichts passiert wäre.

Wo ist also das Problem?

JuergenD 3. August 2016, 10:47 Uhr
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