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Mercedes-Teamchef Ross Brawn exklusiv

"Das Auto benimmt sich wie erwartet"

Ross Brawn Jerez Test F1 2013 Foto: SB-Medien 48 Bilder

Der Testwinter begann für Mercedes mit zwei Defekten. Dann spulten Nico Rosberg und Lewis Hamilton zwei Marathon-Sitzungen ab. auto motor und sport sprach mit Teamchef Ross Brawn über die Defekte zu Beginn der Jerez-Woche und die Wende danach.

12.02.2013 Michael Schmidt
Die ersten beiden Testtage begannen für Mercedes mit 29 Runden. Wie viel von der verlorenen Zeit konnten Sie wieder aufholen?

Brawn: Wenn du an zwei Tagen nur so wenige Runden fährst, kannst du am Abend kaum Datenanalyse betreiben. Das ersetzt auch kein Testtag mit 150 Runden. Nach den ersten beiden Tagen haben wir anhand der Aussagen der Fahrer nur gewusst, dass wir nicht zu weit weg vom Schuss sind. Den dritten und vierten Tag haben wir dann dazu genutzt, die verschiedenen Teile am Auto auf Dauerbelastung zu testen und den Fahrern ein Gefühl für das Fahrzeug zu geben. Also man holt nie alles auf. Jeder verlorene Tag ist ein verlorener Tag.

Was ist denn so unwiederbringlich verloren?

Brawn: Wenn alle vier Testtage reibungslos verlaufen, dann probierst du am Auto schon mal verschiedene Einstellungen durch, auch solche, die zeitraubendere Umbauarbeiten erfordern. Auf die mussten wir verzichten. Es war ab dem dritten Tag wichtig, Kilometer auf das Auto zu bringen. Aber das meiste haben wir trotzdem geschafft. Zum Glück sind die Datenspeicher jetzt gut gefüllt.

Wie ist Ihr erster Eindruck vom Speed des Autos?

Brawn: Ordentlich. Wir müssen noch etwas daran arbeiten, dass die Reifen weniger stark abbauen. Das Problem ist, dass Jerez im Winter nicht sehr repräsentativ ist. Die Zahlen sind vielversprechend. Die Kühlung funktioniert, der Abtrieb ist so wie es der Windkanal vorhergesagt hat, und das Auto benimmt sich so wie wir es erwarten. Darauf lässt sich aufbauen.

Konnten Sie schon feststellen, ob die neue Auspuffposition die Hinterreifen aufheizt?

Brawn: Bis jetzt nicht, aber das will nicht viel bedeuten. Jerez bietet sehr ungewöhnliche Umstände. Es war sehr kühl, deshalb war das größte Problem in Bezug auf die Reifen das Körnen. Am Nachmittag war es besser, aber nie so warm, als dass es ein echter Test für die Reifen gewesen wäre.

Werden Sie erst in Barcelona erfahren, wie der neue Mercedes mit seinen Reifen umgeht?

Brawn: Vielleicht noch später. In Barcelona kann es auch sehr kühl werden. Wir werden wahrscheinlich erst in Australien und Malaysia sagen können, ob wir über den Berg sind. Aber nach den schlechten Erfahrungen im letzten Jahr haben wir alle unsere Sensoren ausgefahren und achten auf jede Unregelmäßigkeit in diesem Bereich.

Zurück zu den Pannen zu Beginn: Was ist passiert, und warum kann so etwas überhaupt passieren?

Brawn: Die Kabelbäume sind heute sehr kompakt und werden im Inneren der Karbonröhre über mehrere Schleusen durch das Auto geführt. An einer dieser Öffnungen war ein Stück Harz vom Produktionsprozess hängengeblieben und wir haben es übersehen. Daran hatte sich ein Kabel durchgescheuert. Nach dem Vorfall haben wir nach weiteren dieser Stellen gefahndet und alle möglichen Problemzonen beseitigt. Das Problem mit der Bremsleitung war schwer vorhersehbar. Eine Schlauchverbindung hatte sich gelöst. Wir kennen jetzt die Gründe, aber das war selbst bei der besten Qualitätskontrolle vorab schwer zu verhindern. Hin und wieder rutscht so etwas durch.

Liegt es in der Natur der modernen Autos, dass Reparaturen einen Tag lang dauern können?

Brawn: Einige ja. Nach dem Unfall von Lewis kam noch hinzu, dass es für einige der beschädigten Teile nicht genug Ersatz gab. Das ist zu einem so frühen Moment in der Saison normal. Einige Teile mussten über Nacht neu gefertigt werden. Bei Nico lag der Fall anders. Wir hatten Ersatzkabel zur Hand, aber als wir den Grund des Problems erkannt hatten, war klar, dass es wieder hätte auftreten können, wenn wir nicht alle kritischen Stellen gecheckt und modifiziert hätten. Bei den modernen Autos ist alles auf kleinstem Raum verpackt. Deshalb dauern Reparaturen heute viel länger als früher. Einen neuen Kabelbaum einzuziehen bedeutet, dass erst einmal Motor und Getriebe ausgebaut werden müssen.

Wie war Ihre erste Erfahrung mit Lewis Hamilton?

Brawn: Sehr positiv. Er kommuniziert viel mit uns, er ist richtig heiß aufs Fahren und liefert gute Informationen. Aber wir müssen uns jetzt erst einmal bei der Arbeit kennenlernen, uns sozusagen aufeinander kalibrieren. Noch kennen wir seine Referenzpunkte nicht genau, und wie er das Auto beurteilt.

Wir befinden uns im letzten Jahr des 2009er Reglements. Wir schwer war es abzuwägen, einfach eine Evolution auf die Räder zu stellen oder Risiko mit einem neuen Konzept zu gehen wie 1988 McLaren-Honda?

Brawn: Die Regeln sind heute viel zu eng, dass man daraus nach fünf Jahren mit einem Reglement noch ausbrechen könnte. Die Chance ein radikal neues Konzept zu finden, ist sehr gering. Und wenn du es tust, wird es nach einem Jahr verboten wie unser Doppeldiffusor oder das Doppel-DRS. Nächstes Jahr wird man wieder interessantere Lösungen sehen. Ich erwarte in dieser Saison nur Entwicklung im Detail.

Wenn Sie im Juni herausfinden, dass Sie mit etwas mehr Anstrengung ein oder zwei Plätze in der Konstrukteurs-WM gutmachen können, werden Sie es tun oder lieber darauf zugunsten von 2014 verzichten?

Brawn: Dieses Sezanario so vorherzusagen ist unmöglich. Da spielen so viele Faktoren mit hinein. Es spielt ja nicht nur eine Rolle, wie gut oder schlecht das 2013er Auto geht. Wichtig ist auch, wie man mit der 2014er Entwicklung vorankommt. Wir haben eine Struktur aufgebaut, die es uns erlaubt, beide Programme gut durchzuziehen. Aldo Costa leitet das 2013er Projekt, Geoff Willis das von 2014, und Bob Bell koordiniert beide. Mit dem 2014er Auto beschäftigen wir uns schon seit einiger Zeit. Wir sind sogar schon so weit, dass wir aus mehreren Konzeptvorschlägen das vielversprechendste ausgewählt haben, das wir jetzt vorantrieben. Der Übergang wird fließend sein, nicht von einem Tag auf den anderen. Die Situation in dieser Weltmeisterschaft wird bestimmen, wie das Pendel wohin ausschlägt.

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