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Mercedes GP-Teamchef Ross Brawn

"Es wird kein schlechtes Auto sein“

Ross Brawn Mercedes GP Foto: Mercedes GP 22 Bilder

Mercedes GP-Teamchef Ross Brawn sprach mit auto motor und sport.de über den bisherigen Testverlauf, die Ausbaustufe, auf die Mercedes händeringend wartet und die neuen Pirelli-Reifen.

26.02.2011 Michael Schmidt

Wie gut ist das Auto?
Brawn: Ich würde sagen, es ist vernünftig. Wenn alles mal dran ist, was dran sein sollte, dann wird es kein schlechtes Auto sein. Es tut bis jetzt das, was wir anhand der Daten von ihm erwarten können. Natürlich wissen wir nicht, wo die anderen stehen. Unsere Aufgabe kann es deshalb im Augenblick nur sein, 100 Prozent des Pakets zum Arbeiten zu bringen. Die Fahrer müssen sich an den verstrellbaren Heckflügel und die Eigenheiten von Kers gewöhnen. Das betrifft weniger das Abrufen der Extraleistung, sondern den Einfluss von Kers auf das Bremsverhalten, wenn die Batterien geladen werden. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, dass bis zum dritten Test in Barcelona alle Probleme gelöst sein müssen. Das ist bis auf Kleinigkeiten gelungen. Beim Abschlusstest in Barcelona schauen wir auf die Rundenzeit.

Es gab einige Probleme mit der Zuverlässigkeit. Welche und warum so viele?
Brawn: Es gab Probleme mit der Hydraulik, den Stellmotoren für den verstellbaren Heckflügel, mit Kers, und am letzten Tag in Jerez mussten wir den Motor wechseln. Der Motor war nicht kaputt, aber die Daten sagten uns, dass es besser wäre kein Risiko einzugehen und ihn in der Fabrik untersuchen zu lassen. Dazu kam es unter der Verkleidung zu überhöhten Temperaturen, ein Problem, das wir bis zum letzten Test abstellen werden. Das alles zusammen hat uns am Anfang viel Zeit gekostet, was etwas frustrierend war. Der Defekt mit der Hydraulik ist uns leider zwei Mal passiert. Das erste Mal haben wir nicht ganz verstanden, was der Auslöser war. Das ist aber inzwischen geklärt. Seit wir nur noch mit einem Auto testen, fallen Defekte und die damit verbundenen Standzeiten mehr ins Gewicht. Es gab aber auch zwei gute Tage in Jerez, und in Barcelona haben wir richtig Kilometer gemacht.
 
Wie kommt das Auto mit den Reifen klar?
Brawn: Das ist noch ein Fragezeichen. Sicher ist nur, dass es mehr als einen Boxenstopp geben wird.
 
Stimmt der Eindruck, dass Michael Schumacher mit dem neuen Auto besser zurechtkommt?
Brawn: Der Eindruck ist entstanden, weil Nico zu Beginn die Tage erwischt hatte, an denen die großen technischen Probleme aufgetreten sind, während Michael relativ störungsfrei fahren konnte.
 
Haben sich Schumachers Hoffnungen in Bezug auf einen besseren Vorderreifen bestätigt? Passt das neue Auto besser zu seinem Fahrstil?
Brawn: Das kann ich im Augenblick noch nicht erkennen. Da fehlen noch Vergleichswerte. Ich kann nur einen extrem motivierten Michael sehen. Er hat das erste Jahr nach seinem Comeback hinter sich, hat es genau analaysiert und kam mit voll aufgeladenen Batterien zurück.
 
Gibt es gar keine Möglichkeit, die einzelnen Autos miteinander zu vergleichen?
Brawn: Das einzige, was sich vergleichen lässt, sind die Dauerläufe und wie sich die Reifen dabei verhalten. Zum Beispiel, ob jemand mit einem bestimmten Reifensatz ein paar Runden länger fahren kann als andere. Das ist natürlich noch abhängig vom Tankinhalt. Es gibt Phasen beim Testen, bei denen du mit vollen Tanks unterwegs bist. Da weißt du, dass die anderen höchstens genauso viel im Tank haben können, bist dir aber nie sicher. Einen echten Vergleich gibt es nur am Rennwochenende. In der Qualifikation fährt jeder mit Minimalbetankung, beim Start sind alle vollgetankt. Red Bull hat in Jerez und in Barcelona versucht, ein Rennen zu simulieren. Wir müssen davon ausgehen, dass sie da voll losgefahren sind. Das ist aber auch schon unser einziger Anhaltspunkt. Beim Testen konzentrierst du dich hauptsächlich auf dich selbst. Vergleiche sind spekulativ, das lenkt dich nur ab.

Wie gut ist Red Bull dann im Vergleich zu Mercedes?
Brawn: Ich kann nur ein ungefähres Bild zeichnen. Red Bull sieht stark aus, Ferrari, Renault und wir sind ordentlich. Alle anderen Teams kann ich schwer einzuschätzen. Bei einer Bestzeit wird man sehr schnell verdächtigt, Showzeiten zu fahren. Williams ist das passiert, auch uns nach Michaels Bestzeit in Jerez. Festzuhalten ist, dass Rubens seine Jerez-Bestzeit im Rahmen eines Zehnrunden-Turns gefahren ist. Bei uns traf das gleiche zu. Wie groß der Vorteil von Red Bull ist, lässt sich schwer quantifizieren. Ich weiß auch nicht, welche Entwicklungsschritte sie vor dem Saisonstart noch bringen. Bei uns wird es ein großer Schritt sein.
 
Haben Sie nicht Angst, dass sich die anderen vor dem Saisonstart auch noch steigern werden?
Brawn: Ich gehe davon aus, dass vor dem ersten Rennen jeder ein Aerodynamikpaket bringen wird. Der Zeitgewinn dadurch betrifft alle gleich. Wir können aber noch unsere Auspufflösung nachschieben. Und ich habe bis jetzt noch keinen gesehen, der eine vergleichbare Lösung hat wie wir sie planen. Bis jetzt hatten wir den Auspuff dort, wo er im letzten Jahr war. Wir nutzen seine Vorteile zur Unterstützung der Aerodynamik praktisch nicht.
 
Besteht nicht die Gefahr, dass so kurz vor dem Saisonstart wieder Zuverlässigkeitsprobleme auftreten?
Brawn: Wir versuchen das auch dadurch zu minimieren, dass wir unsere neue Auspufflösung intensiv auf dem Prüfstand testen. Unser System ist nicht so extrem wie beim Renault oder McLaren. Deshalb erwarten wir auch einen reibungslosere Testphase.
 
Es scheint, dass bei der Entwicklung viel in den Auspuff und den Kühlauslass am Ende der Airbox investiert wird?
Brawn: Das zeigt sich an den unterschiedlichen Lösungen. Beim Thema Kühlluftauslass müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen. Wir hatten in Jerez ein paar Temperaturprobleme und mussten Löcher in die Karosserie schneiden. Bis zum letzten Barcelona-Test haben wir das im Griff. Wegen des gekappten Diffusors stellt sich die Strömung zum Heck völlig anders da als im Vorjahr. Der Bereich, wo die Kühlluft abgelassen wird ist noch sensibler als zuvor.
 
Was hat sich bei Mercedes personell geändert? Die Leute sind ja die gleichen.
Brawn: Letztes Jahr funktionierte das Technikbüro wie ein Komitee. Heute ist die Abteilung viel hierarchischer aufgebaut. Es gibt klare Verantwortlichkeiten. Das Design liegt in der Hand von John Owen. Die Zuverlässigkeit ist Russell Cooley unterstellt. Andrew Shovlin ist der Chef der Renningenieure. Er koordiniert die Abstimmungsarbeit beider Autos an der Strecke. Und er ist die Anlaufstation für beide Fahrer. Außerdem überwacht er die Aktivitäten des Rennteams in der Fabrik. Jock Clear wird das Auto von Nico Rosberg betreuen, bis Tony Ross kommt. Danach wird er von der Fabrik aus das Rennteam mit dem nötigen Support unterstützen. Das schließt Simulationen und Prüfstandsarbeit mit ein, soweit sie das Rennprogramm betrifft. Quasi das Gegenstück zu Shovlin an der Basis.  
 
Haben Sie auch Probleme mit den Reifen?
Brawn: Einige Teams hatten Probleme mit dem Reifentyp ‚medium‘, ich glaube auch Williams. Bei uns haben sie funktioniert. Generell müssen wir umdenken. Alle Reifentypen mit Ausnahme des supersoft halten ungefähr gleich lang. Mit dem harten kann man nicht viel länger fahren als mit der Mischung ‘soft‘. Der Abbau ist nicht linear. Wenn seine Zeit abgelaufen ist, dann bricht der Reifen von einer Runde auf die andere ein. Du musst dann an die Boxen fahren, weil du plötzlich vier Sekunden langsamer bist.
 
Kommt also alles darauf an, wie gut das Auto mit den Reifen umgeht?
Brawn: Das wird die entscheidende Disziplin werden. In diesem Jahr haben wir keinen verstellbaren Frontflügel mehr. Damit sind wir in den Möglichkeiten, während des Rennens die Balance zu verstellen, stark eingeschränkt. Wenn dein Auto beim Start schlecht ausbalanciert ist, dann wird sich dieser Fehler potenzieren. Viele werden beim Boxenstopp nicht nur Reifen wechseln, sondern auch Flügel und andere Dinge verstellen, um die Balance zu optimieren. Besser da ein bisschen Zeit herzuschenken, denn sonst landest du nirgendwo. Absolute Priorität hat die Abstimmung des Autos für das Rennen, auch wenn es den einen oder anderen Startplatz kostet. Das holst du im Rennen locker wieder auf, wenn du dir einen Reifenwechsel schenken kannst.

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