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Rubens Barrichello

Besiegt Rubens den Interlagos-Fluch?

Rubens Barrichello Foto: Wolfgang Wilhelm 15 Bilder

Kein Fahrer ist so oft in Interlagos gestartet wie Rubens Barrichello. Und kein Fahrer hatte bei seinem Heim-Grand Prix soviel Pech wie der Brasilianer. Bei 16 Starts schaffte Rubinho nur 14 Punkte und einen Podestplatz. Eine Bilanz.

13.10.2009 Michael Schmidt

Rubens Barrichello ist einen Steinwurf vom Autodromo Carlos Pace im Stadtteil Interlagos von Sao Paulo aufgewachsen. Die Rennstrecke war sein Sandkasten. Hier hat er als kleiner Junge seine Stars bewundert. Hier ist er schon 16 Mal selbst bei einem Grand Prix angetreten. Doch der GP Brasilien brachte dem 37-jährigen Oldie mehr Frust als Lust. Nur ein Podestplatz, 14 Punkte, dafür neun Ausfälle und zwei Crashs. Fünf Mal führte er sein Heimspiel an, insgesamt lag er 171,9 Kilometer in Interlagos an der Spitze, doch gewonnen hat er nie. Die Chronologie eines Leidensweges.

1993: Es ist Barrichellos zweiter Grand Prix. Der Jordan-Pilot startet als 14. und fällt in Runde 14 mit Hydraulikdefekt aus. Bevor der große Regen kam, in dem er, der Regenspezialist in seinem Jordan-Hart hätte glänzen können.
 
1994: Der GP Brasilien ist Saisonauftakt. Wieder geht Barrichello als 14. ins Rennen. Diesmal gibt es drei Punkte. In dem turbulenten Rennen in dem die Hälfte der 26 Starter ausfällt, wird Barrichello Vierter.
 
1995: Jordan fährt jetzt mit Peugeot-Motoren. Die Triebwerke selbst und ihr ganzes Umfeld sind ein Herd für Defekte. Schon das Training ist mit Startplatz 16 eine Enttäuschung. In der 17. Runde rollt Barrichello aus. Die Hydraulik streikt.
 
1996: Zum ersten Mal schreibt Barrichello bei seinem Heimrennen Schlagzeilen. Er startet als Zweiter neben Damon Hill. Barrichello liegt die meiste Zeit auf einem Podestplatz. In der 60. Runde rutscht er mit seinem Jordan-Peugeot am Ende der Gegengeraden ins Kiesbett.
 
1997: Das erste Jahr bei Stewart-Ford ist eine Enttäuschung. Startplatz 11, dann ein Bruch der Hinterradaufhängung in Runde 17.
 
1998: Stewart kommt nicht in die Gänge. Auch Barrichello leidet. Er holt in der gesamten Saison nur vier Punkte. Sein Heimrennen reiht sich nahtlos in die Enttäuschungen ein. Vom 13. Startplatz aus fährt Rubens ein unauffälliges Rennen und scheidet mit einem Getriebeschaden in Runde 57 aus.
 
1999: Barrichello setzt wieder ein Glanzlicht. Der dritte Startplatz beweist, dass der von Gary Anderson konstruierte Stewart SF3-Ford ein Volltreffer ist. Barrichello führt 99 Kilometer lang den Grand Prix vor der Haustür an. Das Volk ist begeistert. Bis in der 43. Runde der Motor platzt.
 
2000: Sein erster Brasilien-Start im Ferrari bringt keine Besserung. Startplatz vier lässt sich noch ganz gut an. In einer der Tankstopp-Phasen führt Rubens auch zwei Runden lang. Doch am Ende steht wieder ein Ausfall. Wieder mal streikt die Hydraulik. Runde 28 notiert der Geschichtsschreiber.
 
2001: Noch mehr Frust: Barrichello rollt auf der Fahrt zu seinem sechsten Startplatz ohne Benzindruck aus. Er sprintet 500 Meter zurück an die Boxen, wo Michael Schumachers Ersatzauto bereit gemacht wird. Da Barrichello im Gegensatz zu Schumacher noch mit dem rechten Fuß bremst, baut Ferrari die Pedale um. Die Operation dauert nur neun Minuten. Im Rennen kommt Barrichello mit dem umgebauten Auto nicht weit. In der dritten Runde rauscht er dem Williams von Ralf Schumacher ins Heck.
 
2002: Immer wieder diese Hydraulik. Sie kollabiert in der 17. Runde. Zuvor hat Barrichello, der vom achten Startplatz aus ins Rennen ging, drei Runden lang geführt.
 
2003: Barrichello macht alles richtig. Er steht auf der Pole Position, fährt die schnellste Runde im Rennen. Er hält seinen Ferrari im Regen auf der Piste. In Kurve drei crashen sechs Fahrer, darunter auch Michael Schumacher. Barrichello führt bequem, als er in Runde 47 ohne Benzin auf der Gegengeraden ausrollt. Ferrari entschuldigt sich. Man habe sich verrechnet. Verschwörungstheoretiker glauben an Absicht. Ein Sieg von Barrichello hätte dem Brasilianer gegenüber dem schlecht in die Saison gestarteten Schumacher vor Beginn der Europa-Rennen einen derart großen Punktevorsprung gegeben, dass eine Stallregie zugunsten des Deutschen nicht mehr möglich gewesen wäre.
 
2004: Brasilien ist zum ersten Mal der Saisonabschluss. Barrichello fährt auf die Pole Position. Unter dem Gesichtspunkt ist sein dritter Platz im Rennen hinter Montoya und Räikkönen eine Enttäuschung. Und trotzdem: 2004 war Barrichellos erfolgreichster Brasilien-Start.
 
2005: Ferrari ist aus dem Tritt geraten. Die Saison ohne Reifenwechsel bekommt den Roten nicht. Startplatz neun und Rang sechs im Rennen sind für Barrichello eine Schadensbegrenzung.
 
2006: Im dritten Jahr in Folge gibt es WM-Punkte. Honda-Pilot Barrichello startet als Fünfter und kommt als Siebter ins Ziel.
 
2007: Ein Jahr zum Vergessen: Startplatz 11, Motorschaden in Runde 41. Punkte waren außer Reichweite. Barrichello kam über Rang 11 nie hinaus. Es ist die einzige Saison in einer langen Karriere, die Barrichello ohne WM-Punkte abschließt.
 
2008: Honda hat sich gedanklich längst aus der Formel 1 verabschiedet. Das Team, das noch nichts vom späteren Rückzug ahnt, arbeitet bereits seit Monaten an dem Auto, das 2009 ein Brawn GP werden soll. Entsprechend schwach ist die Vorstellung der Honda RA108 auf der Buckelpiste von Interlagos. Barrichello ist 15. im Training und 15. im Ziel. Und er weiß nicht, ob der GP Brasilien das letzte Rennen seiner Karriere war.
 
Gerüchte, dass er gegen Bruno Senna ausgetauscht werden soll, werden laut. Barrichello wehrt sich: "Ich bin noch lange nicht zu alt. Man muss mir nur das richtige Auto geben, dann zeige ich es." Das hat er 2009 getan. Die 17. ist die vielleicht beste Saison in der Karriere von Rubens Barrichello. Zwei Rennen vor Schluss kann er immer noch Weltmeister werden. Und jetzt fragt sich ganz Brasilien: Besiegt er diesmal den Interlagos-Fluch?

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