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Rubens Barrichello

"Fahre vielleicht noch zwei, drei Jahre weiter"

Rubens Barrichello Foto: Wolfgang Wilhelm

Rubens Barrichello spricht im Interview über die wundersame Rettung seiner Karriere, über das neue Wunderauto Brawn GP und seine Motivation, im Winter ohne Aussicht auf Weiterbeschäftigung zu trainieren.

03.05.2009 Michael Schmidt, Tobias Grüner

Wie haben Sie den Moment erlebt, als Honda den Formel 1-Ausstieg bekannt gab?
Barrichello: Ich war gerade beim Golf spielen in Bahia, als ich den Anruf erhielt. Es war ein Schock. Auch wenn die Leistung 2008 schlecht war, so hatte es immer den Anschein, als wäre Geld unser geringstes Problem. Und dann folgte plötzlich der Rückzug. Um ehrlich zu sein: Ich stand Ross Brawn immer näher als Honda. Deshalb habe ich mit der aktuellen Lösung kein Problem.

Gab es nach dem Honda-Ausstieg den Gedanken, Ihre Karriere könnte zu Ende sein?
Barrichello: Es war ein bisschen wie Sein oder Nichtsein. An manchen Tagen gab es schlechte Neuigkeiten, dann wieder Hoffnung. Ich habe das hingenommen und weiter Golf gespielt. Und ich hielt mit Ross Kontakt, der mir nur immer wieder riet, mich fit zu halten. Das war für mich ein Indikator, dass es am Ende gut ausgehen wird.

Wie haben Sie sich zum Training motiviert? Es hätte ja auch umsonst sein können.
Barrichello: Wenn es um die Arbeit geht, darfst du nicht an Was-Wäre-Wenn denken. Ich habe einfach für irgendetwas gearbeitet. Wenn ich kein Cockpit bekommen hätte, wäre das Training ja trotzdem nichts Schlechtes. Ich hätte dann wenigstens etwas Gutes für mich selbst getan. Als ich schließlich meiner Frau sagte, dass ich weiterfahren werde, war es fast schon ein Schock - im positiven Sinne. Sie hatte nicht mehr damit gerechnet.

Was macht den BrawnGP so gut?
Barrichello: Im Vergleich zum Vorjahr ist das Gesamtpaket gut. Das Auto ist einfacher zu fahren, beim Mercedes-Motor ist die Leistung viel besser über den Drehzahlbereich verteilt. Das schafft Vertrauen. Das Heck bleibt beim Bremsen unter Kontrolle. Dadurch kann ich das Auto dorthin dirigieren, wo ich es haben will. Im letzten Jahr war das Auto am Kurveneingang zu unpräzise. Das hatte Untersteuern zur Folge. Ich musste ewig warten, bis ich Gas geben konnte. Jetzt können wir den ganzen Schwung mit in die Kurve nehmen.

Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?
Barrichello: Die Hinterräder blockieren zu stark, wenn wir mehr Benzin an Bord nehmen. Das bringt die Balance durcheinander.

Auch ohne Diffusor sind Sie in Melbourne auf Rang zwei gefahren. Liegt das Geheimnis des Autos ganz woanders?
Barrichello: Ich kann nur hoffen, dass unsere Gegner weiter glauben, dass der Diffusor das einzige Geheimnis des Autos ist. Dann finden sie nicht noch etwas anderes. Es ist ein simples Rennauto mit sehr guten Ideen.

Im vergangenen Jahr hat Ross Brawn die Saison schnell abgeschrieben, um das neue Auto zu entwickeln. Was war das für ein Gefühl, zu wissen, dass Sie das Jahr abschreiben müssen?
Barrichello: Wenn dein Arbeitgeber zu dir käme und dir nur noch die Hälfte der Seiten im Magazin gibt, dann wärst du sicher auch nicht zufrieden. Aber du kennst wenigstens die Grenzen. Und hoffst, dass irgendwann einmal wieder zehn Seiten dazukommen. Genau so habe ich mich motiviert. Statt von einem schlechten Auto Siege zu erwarten, war ich mit achten Plätzen zufrieden. Und ich war sehr froh, als ich in England auf das Podium fuhr.

Jenson Button hat etwas von seinem Gehalt abgegeben, Sie verdienen auch weniger. War das eine einfache Entscheidung?
Barrichello: Ja, allein schon wegen der Krise, von der wir alle betroffen sind. Aber es war das geringste meiner Probleme.

Ist es nicht verrückt, im 17. Jahr plötzlich noch einmal die Chance auf den Titelgewinn zu erhalten?
Barrichello: Wer weiß, vielleicht fahre ich ja noch zwei, drei Jahre weiter. Ich habe in meinem Leben immer positiv gedacht und bin überzeugt, dass mir diese Einstellung auch den momentanen Platz eingebracht hat.

Jenson Button hatte einen Traumstart in die neue Saison. Wie schwer wird es jetzt für Sie dagegenzusteuern?
Barrichello: Rennfahren ist etwas anderes als Tennisspielen. Da schwimmt man auf einer positiven Welle, wenn man zwei Sätze 6:0 gewonnen hat. Bei uns geht es jedes Rennen wieder von vorn los. Ich weiß aus den letzten drei Jahren, dass ich so schnell wie Jenson fahren kann.

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