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Rubens Barrichello erstes Interview

"Die schlimmste Szene meiner Karriere"

Barrichello und Schumacher Foto: xpb 32 Bilder

Nachdem Rubens Barrichello von Michael Schumacher beinahe in die Mauer geschickt wurde, ließ der Brasilianer seinem Frust freien Lauf. "Er hat gezeigt, dass er sich in den letzten drei Jahren nicht geändert hat", klagt Barrichello über seinen alten Ferrari-Teamkollegen.

01.08.2010 Tobias Grüner

Wie sehen Sie die Szene mit Michael Schumacher?
Barrichello: Ich habe mich schon in der Runde zuvor beschwert, dass er sich erst für eine Linie entschieden hat, wenn ich meinen Angriff gestartet habe. Wenn man seine Linie zu spät wählt, dann gibt es diese Unfälle, bei denen man sich berührt und in die Mauer fliegt.

Er hat einen Fehler in der letzten Kurve gemacht. Er wusste, dass ich angreifen werde. Wenn ich er gewesen wäre, wäre ich gleich nach innen gegangen und hätte mich es außen versuchen lassen. Am Ende ist er immer noch rübergezogen, als ich schon neben ihm war. Ich hatte einfach Glück, dass die Mauer zu Ende war. Da war ich Millimeter von entfernt.

Ich wollte bei den Stewards betonen, dass wir die zwei der erfahrensten Piloten auf der Strecke sind. Wenn Michael sowas macht, dann bedeutet es, dass die Jungen das auch dürfen. Das ist meiner Meinung nach falsch.

Haben Sie schon mit Michael gesprochen?
Barrichello: Ich will nicht mit ihm sprechen. Er hat immer das Gefühl, dass er im Recht ist. Er hat drei Jahre aufgehört und heute hat man gesehen, dass er sich nicht geändert hat. Ich weiß nicht, ob er es wegen mir gemacht hat.

Was mich besonders schockiert hat ist, dass er gesehen hat, dass ich gekommen bin. Unter den Fahrern gibt es die Regel, dass man eine Linie wählen muss.

Was wäre gefährlicher gewesen? Eine Berührung der Mauer oder ein Verhaken der Reifen?
Barrichello: Wenn wir uns berührt hätten, hätte er sich umgedreht und wäre vorwärts in die Mauer. Ich konnte ja gar nicht mehr zur Seite, weil ich ja schon direkt an der Mauer war. Wenn man ein Foto von der Szene sieht, dann passt da kein Haar mehr dazwischen. Das war unglaublich.

Wie schnell ist man an dieser Stelle?
Barrichello: Dürfte ungefähr bei 280 bis 290 km/h gewesen sein. Ich hatte leider keine Zeit, auf den Tacho zuschauen. Das war eine der schlimmsten Sachen, die ich in knapp 300 Rennen erlebt habe. Von jemandem mit zehn Rennen kann man sowas erwarten. Aber nicht von jemandem wie ihm, der schon so viel durchgemacht hat. Da hat noch irgendwas aus der Vergangenheit eine Rolle gespielt, das heute einfach unnötig war. Das war eine Situation, wo wir beide nur verlieren konnten.

Hätten Sie noch vom Gas gehen können?
Barrichello: Wenn ich vom Gas gegangen wäre, hätten sich die Reifen verhakt. Man kann im Fernsehbild gut sehen, dass er mitten auf der Straße war, als ich nach rechts gezogen bin. Ich habe somit die Auswahl, auf welcher Seite ich vorbeigehen will. Natürlich habe ich mich für die Innenseite entschieden. Und er ist immer weiter rüber gezogen. Das ist das Schlimme an der Sache.

Gab das Manöver Ihnen besondere Befriedigung?
Barrichello: Befriedigung bekommt man nur von Siegen. Aber ich hätte niemals beim Versuch ihn zu überholen zurückgezogen. Ich mag aber keine Rache. Ich liebe einfach den Rennsport. Was heute gelaufen ist, ging aber eindeutig zu weit. 

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