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Rundenzeiten zu langsam

Pirelli-Reifen in der Kritik

Toro Rosso - GP Monaco 2014 Foto: Red Bull 21 Bilder

Die Rundenzeiten der letzten beiden Rennen waren enttäuschend. In Barcelona fehlten im Vergleich zum letzten Jahr 4,5 Sekunden, in Monte Carlo waren es 2,1 Sekunden. Standen in Barcelona noch die aerodynamischen Restriktionen in der Kritik, trugen in Monte Carlo hauptsächlich die Reifen schuld. Sie sind viel zu hart.

03.06.2014 Michael Schmidt

Die neue Formel 1 sieht sich mit zwei Vorwürfen konfrontiert. Sie ist zu leise und zu langsam. Während man am Sound wegen des technischen Konzepts der Antriebsaggregate in der Falle steckt, gibt es für den massiven Anstieg der Rundenzeiten eigentlich keinen Grund. Dafür gäbe es Stellschrauben, an denen schnell gedreht werden könnte. Weichere Reifen und auf keinen Fall weitere Einschnitte bei der Aerodynamik.

Dass die neuen Motoren nichts damit zu tun haben, ist inzwischen auch den größten Kritikern klar. Die V6-Turbos haben mehr Leistung als die alten Achtzylinder, wenn die volle Elektro-Power zur Verfügung steht. Auf eine Qualifikationsrunde ist das ohne Pausen der Fall, und im Rennen nähert man sich vorsichtig dem Idealzustand an, dass die MGU-K zu jeder Zeit ihre 160 PS einspeist.
 
Außerdem sind die neuen Motoren viel fahrbarer als ihre Vorgänger. Sie hängen am Gas wie ein Serienmotor. Mercedes-Motorenchef Andy Cowell sagt: "Mit Direkteinspritzung, dem riesigen Verdichter und dem Elektromotor zum Füllen des Turbolochs ist das Ansprechverhalten kein Problem mehr."

Unter 100 km/h zählt der Grip vom Reifen

Die Speed-Killer lauern anderswo. In Barcelona war hauptsächlich die kastrierte Aerodynamik an den enttäuschenden Rundenzeit schuld. Die 2014er Autos hinkten ihren Vorgängern um 4,5 Sekunden hinterher. "Wir sind in Barcelona mit Monza-Abtrieb gefahren. Da muss man sich nicht wundern, wenn das Auto rutscht", verzweifelte Nico Hülkenberg.
 
Auch in Monte Carlo zählt die Aerodynamik, doch lange nicht so stark wie in Barcelona. Auch in der Stadt stand nur der Monza-Abtrieb von 2013 zur Verfügung. Rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Mehr geht im Augenblick nicht. Resultat: Nico Rosbergs Pole Position war um 2,1 Sekunden langsamer als sein Wert von 2013.
 
Bei neun Kurven unterhalb von 100 km/h spielt der mechanische Grip eine entscheidende Rolle. Also, alles was von den Reifen kommt. Pirelli lieferte zwar mit soft und supersoft seine beiden weichsten Mischungen, doch die sind eine Stufe härter als 2013. Nach Meinung aller Piloten viel zu hart. "Wir könnten locker mit den Mischungen wie in der zweiten Saisonhälfte 2013 fahren", meint Felipe Massa. Fernando Alonso pflichtet bei: "Es dauert viel zu lange, bis die Reifen in ihr Arbeitsfenster kommen. Eine Stufe weicher wäre besser."

Pirelli denkt über Reifen-Korrekturen nach

Pirelli hatte seine Gummimischungen aus Angst vor dem Drehmoment der Turbo-Motoren konservativer ausgelegt und stellt jetzt fest, dass man zu vorsichtig war. "Mit nur 4 Mischungen für alle 19 Strecken müssen wir Kompromisse eingehen. Wir hätten gerne mehr verschiedene Sorten", verteidigt sich Pirelli-Sportchef Paul Hembery. Der Brite schließt aber nicht aus, dass man noch in dieser Saison nachbessert.

Möglicherweise mit einer neuen Konstruktion, die es erlaubt, die Hitze auf dem Reifen besser zu verteilen und zu konservieren. Die Hitzenester an den Hinterreifen befinden sich neuerdings mitten auf der Lauffläche und nicht mehr an der Innenschulter. Das liegt daran, dass hinten mit deutlich weniger Radsturz gefahren wird. Von ehemals 1,5 Grad bis auf unter ein Grad.

Dramatischer Speed-Verlust in den Kurven

In Monte Carlo waren die Reifentemperaturen das große Problem. Deshalb verloren die Autos in allen langsamen Kurven deutlich Zeit auf ihre Vorgänger von 2013. Ein Speed-Vergleich bei Sauber dokumentiert, wo wie viel Zeit verloren geht.

In Ste.Dévote fiel die Geschwindigkeit von 96,2 auf 90,7 km/h. In Mirabeau von 76,3 auf 71,0 km/h. In der Loews-Haarnadel von 42,1 auf 37,8 km/h. In der Portier-Kurve von 73,0 auf 71,1 km/h. In der Hafenschikane von 62,9 auf 55,8 km/h. In der zweiten Schwimmbad-Schikane von 102,4 km/h auf 94,7 km/h. In Rascasse von 53,5 auf 49,4 km/h und in der Zielkurve von 79,0 auf 71,5 km/h.

Ganz schlimm war es, wo Aerodynamik und Reifen zusammenspielen. Die schnelle Links vor dem Casino (Massenet-Kurve) ging in diesem Jahr nur noch mit 129,2 km/h. Im letzten Jahr war man dort um 15,4 km/h schneller. Gleiches Spiel in der Tabak-Kurve. 135,4 statt 149,8 km/h.

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