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Säbelrasseln oder Erpressungsversuch?

"Red Bull braucht die Formel 1 nicht"

Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP Österreich 2015 Foto: Red Bull 61 Bilder

Die Rückzugs-Drohungen von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz schlagen hohe Wellen. Teamchef Christian Horner warnt davor, seinen Boss nicht ernst zu nehmen: "Red Bull braucht die Formel 1 nicht."

22.06.2015 Michael Schmidt

Trotz der Punktediät stand Red Bull beim Heimspiel im Mittelpunkt der Diskussionen. Die harsche Kritik von Firmenchef Dietrich Mateschitz an Renault und dem Reglement, verbunden mit einer erneuten Ausstiegsdrohung, haben die Szene in zwei Lager geteilt.

Die einen schimpfen Mateschitz einen schlechten Verlierer. Statt auf Renault einzuschlagen, solle er seinen Motorenpartner lieber motivieren. Statt auf die zu stark auf die Motoren zugeschnittenen Regeln zu schimpfen, solle er sich besser daran erinnern, dass bis 2013 die Aerodynamik der dominierende Faktor im Reglement war und der Motor gar keine Rolle spielte.

Der andere Teil im Fahrerlager bekam Torschlusspanik. Sie fürchten, der Softdrink-Zar könne ernst machen und mit seinen zwei Teams aus der Formel 1 verschwinden. War es nun Säbelrasseln oder ein ernst zu nehmender Weckruf?

Horner rät dazu, seinen Chef ernst zu nehmen: "Dietrich ist der größte Motorsport-Fan, den ich kenne. Er investiert seit über 20 Jahren in diesen Sport. Und er sagt, was er denkt. Wenn jemand wie er die Lust an der Formel 1 verliert, dann ist das ein Signal."

Renault-Schelte mit Kalkül?

Nur dabei sein ist Red Bull nicht mehr genug. Der Rennstall sieht sich als WM-Kandidat und nicht mehr als die lustige Party-Truppe, die 2005 frischen Wind in das angestaubte Fahrerlager brachte. "Wenn Mateschitz den Gegenwert seiner Ausgaben nicht mehr erkennen kann, stellt er sich logischerweise Fragen. Red Bull ist eine weltweit etablierte Marke mit einem Erfolgs-Image. Sie braucht die Formel 1 nicht", beteuert Horner. Soll heißen: Wenn Mateschitz nicht mehr will, sperrt er den Laden über Nacht zu. Oder geht nach Le Mans. Verträge hin oder her.

Alle Versuche, sich mit Audi zu verbünden oder Toro Rosso an Renault zu verkaufen, sind ins Leere gelaufen. Der VW-Konzern wird nicht in die Königsklasse einsteigen, solange die Drahtzieher nicht wissen, in welche Richtung sie laufen sollen. Renault baut sein Werksteam lieber mit Lotus auf. Wenn es überhaupt dazu kommt.

Die Entscheidung darüber sollte eigentlich in diesem Monat fallen. Sie wurde auf das Ende des Jahres vertagt. Daraus schließen Insider, Renault könne sich ganz aus der Formel 1 zurückziehen. Mit seiner Schelte hat Mateschitz der Sache vielleicht sogar ein bisschen nachgeholfen. Da könnte Kalkül dahinter stecken. Irgendwann ist auch die Leidensfähigkeit der Franzosen erschöpft. Immer nur Ohrfeigen einstecken, tut weh.

Renault und Red Bull hoffen auf Ilmor

Auf der Motorenseite ist Red Bull bis Ende 2016 an Renault gebunden. Wenn sich abzeichnet, dass Renault technisch weiter auf der Stelle tritt, gibt es nur eine Möglichkeit, dem Elendsviertel des Feldes zu entkommen. Ein Ausstieg oder ein Umstieg.

Die SOS-Signale aus der Zentrale in Salzburg sollen aber auch auf Bernie Ecclestone, die FIA und die anderen großen Teams den Druck erhöhen, die Regeln ausgewogener und einfacher zu gestalten. Ferrari versucht Red Bull mit dem Angebot zu besänftigen, Motoren in Maranello einzukaufen.

Trotz der Renault-Krise stehen Ferrari-Motoren im Augenblick nicht zur Debatte. Horner bedankt sich bei Fiat-Chef Sergio Marchionne zwar für die freundliche Offerte, sagt aber auch: "Man müsste in diesem Fall über die Bedingungen reden."

Red Bull kann sich nicht vorstellen, dass Ferrari sein Budget gerade um zweistellige Millionensummen für seine Attacke auf Mercedes aufstockt, und sich dann gleichzeitig einen internen Gegner ins Haus holt. Mateschitz sagt selbst: "Als Kunde kannst du vielleicht Punkte gewinnen, aber nicht die Weltmeisterschaft."

Renault muss Ende dieser Woche Ergebnisse präsentieren. Red Bull will wissen, was die Franzosen für die Zeit nach der Sommerpause planen. Wofür, wie viele Entwicklungs-Token eingesetzt werden. Und wie der V6-Turbo mit dem Ilmor-Zylinderkopf läuft. Die Prüfstandstests am Einzylinder sind in bis Ende Juni abgeschlossen. Aus internen Quellen hört man: Wenn das Ilmor-Konzept Erfolg hat, dann wird auf einen Schlag ein Großteil der Token verbraten.

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