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Safety-Car-Diskussion

Warum betrog das Safety-Car die Spitzenreiter?

Safety-Car - Formel 1 - GP Ungarn - 27. Juli 2014 Foto: xpb 44 Bilder

Das erste Safety-Car kam für Nico Rosberg, Valtteri Bottas, Sebastian Vettel und Fernando Alonso zum dümmsten Zeitpunkt. Alle 4 mussten eine Runde extra bis zum Boxenstopp drehen und fielen ins Feld zurück. FIA-Rennleiter Charlie Whiting erklärt, warum es zu dieser Wettbewerbsverzerrung kam.

29.07.2014 Michael Schmidt

Mercedes-Teammanager Ron Meadows saß nach dem GP Ungarn im Büro von FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Thema war das erste Safety-Car, das durch den Unfall von Marcus Ericsson in Kurve 3 ausgelöst wurde. Weil der Schwede bei dem Aufprall mit 20 g verzögert wurde, ging automatisch die Unfall-Warnlampe im Cockpit an. Das rief auch das Medical-Car auf den Plan.

Zu diesem Zeitpunkt lagen Nico Rosberg, Valtteri Bottas, Sebastian Vettel und Fernando Alonso in Führung. Und dummerweise genau zwischen den Kurven 13 und 14, also im Bereich der Boxeneinfahrt.

Der nächste Pulk mit Jenson Button an der Spitze folgte 5,1 Sekunden später. Ab Button gingen alle sofort zum Reifenwechsel an die Box. Die vier Spitzenreiter mussten hinter dem Safety-Car eine langsame Runde drehen und fanden sich nach ihren Boxenstopps auf den Plätzen 4, 7, 8 und 11 wieder. Das empfanden die vier Safety-Car-Opfer als ungerechte Wettbewerbsverzerrung

Geschenkter Boxenstopp dank Safety-Car

Sebastian Vettel ärgerte sich: "Schade war, dass es in dem Moment schon in der ersten Kurve stand. Die ersten vier hatten damit gar keine Chance, ihre Positionen zu halten. Warum Charlie das Safety-Car so früh rausgeschickt hat, habe ich nicht verstanden. Wir sind mit 50 km/h dahinter festgehangen. Die anderen hatten einen Boxenstopp umsonst. Sie konnten Reifen wechseln ohne Zeit zu verlieren und wieder aufschließen."

Auch bei Nico Rosberg schwang Frust mit: "Für mich war das der Mega-GAU. Das Safety-Car und das Arztauto sind uns an der Boxenausfahrt vor die Nase gefahren. Wir waren die ganze Runde dahinter eingeklemmt und sind dadurch zurückgerutscht. Ich finde, alle sollten die Runde mit der vorgeschriebenen Delta-Zeit zu Ende fahren dürfen. Sonst ist es ein Glücksspiel."

Das Safety-Car geht bei Alarm immer sofort auf die Strecke. Im Normalfall trifft nicht der Spitzenreiter als Erster auf das Schrittmacher-Fahrzeug, sondern Fahrer mitten aus dem Feld. Die dürfen dann das Safety-Car überholen, müssen aber bis zur nächsten Passage der Boxeneinfahrt die so genannte Delta-Zeit einhalten, die etwa 90 Prozent des Rennspeeds entspricht. Der Spitzenreiter ist dann der erste, das das Safety-Car nicht mehr überholen darf.

Es gibt keine gerechte Lösung für alle

Charlie Whiting kann den Ärger der betroffenen Piloten verstehen. Nicht aber die Kritik: "Das Safety-Car versucht immer so schnell wie möglich den Spitzenreiter einzufangen und geht in dem Moment auf die Strecke, in dem wir das Rennen offiziell neutralisieren. Wir können nicht schauen, wer in diesem Moment wo genau auf der Strecke liegt. Da geht einfach die Sicherheit vor."

"Es war Pech für die vier, dass sie zum Zeitpunkt der Neutralisation gerade an der Boxeneinfahrt vorbei waren. Normalerweise sind die Autos viel weiter über die Strecke verteilt. Und das erste Auto, das auf das Safety-Car trifft, ist nicht immer automatisch der Spitzenreiter. In diesem Fall war es aber so. Das war Zufall."

Bei Bottas, Vettel und Alonso ging es wirklich nur um wenige Meter. Als Williams Bottas die Nachricht "Safety-Car" ins Cockpit funkte, gab der Finne zurück. "Ich bin gerade an dem Poller an der Boxeneinfahrt vorbeigefahren."

Eine gerechte Lösung gibt es für Whiting nicht. Die Umstände werden bei einem Safety-Car immer mal wieder Fahrer je nach Streckenposition benachteiligen. Whiting erinnert an den Fall Ferrari beim GP Europa 2010 in Valencia nach dem Unfall von Mark Webber. "Damals waren die Ferrari zur falschen Zeit an der falschen Stelle. Sie haben uns danach die Hölle heiß gemacht. Das führte zu der heutigen Regelung mit der Delta-Zeit, um grobe Ungerechtigkeiten zu vermeiden."

"Wir könnten mit der Ausfahrt des Safety-Cars vielleicht zehn Sekunden nach dem SC-Signal warten, um den Spitzenreiter in so einem extremen Fall nicht zu benachteiligen, aber dann gibt es bestimmt ein anderes Szenario, bei dem es wieder nicht passt. Für uns hat die Sicherheit am Unfallort Priorität. Darauf müssen wir uns konzentrieren, nicht auf die Streckenposition der einzelnen Fahrzeuge."

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