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Duell Sainz vs. Verstappen

Zu viel Stallorder bei Toro Rosso?

Carlos Sainz & Max Verstappen - Toro Rosso - Formel 1 - 2015 Foto: xpb 49 Bilder

Das Youngster-Duell bei Toro Rosso wurde in der vergangenen Saison oft durch Stallorder entschärft. Dabei würde Carlos Sainz sein Können gerne häufiger im direkten Zweikampf mit Max Verstappen beweisen. Ex-Toro Rosso-Teamchef Gerhard Berger äußerte Verständnis für die Linie von Franz Tost.

01/05/2016 Tobias Grüner

Max Verstappen ist der Gewinner der Saison 2015. Der Holländer fuhr in 10 von 19 Rennen in die Punkte. Zwei Mal verpasste er auf Rang 4 das Podium nur knapp. Am Ende reichten die 49 WM-Punkte des 18-Jährigen immerhin zu Platz 12 in der Gesamtwertung. Seine respektlose Fahrweise und seine mutigen Überholmanöver begeisterten die Experten. Bei der FIA-Gala nach der Saison wurde der Youngster deshalb nicht nur als Rookie des Jahres, sondern auch noch als Motorsport-Persönlichkeit der Saison ausgezeichnet.

Sainz unter Wert geschlagen

Carlos Sainz stand deutlich im Schatten seines holländischen Teamkollegen. Der Unterschied zwischen den beiden Toro Rosso-Neulingen war aber nicht so groß, wie es die 31 WM-Punkte in der Endabrechnung erscheinen lassen. Sainz wurde deutlich häufiger von der Technik im Stich gelassen. 7 Ausfälle verhagelten die Punktebilanz nachhaltig. Das Qualifying-Duell entschied der Spanier dagegen mit 10:9 für sich.

Der neutrale Fan würde die beiden Super-Youngster sicher gerne häufiger gegeneinander kämpfen sehen. Doch wenn sich die beiden Piloten mal auf der Strecke begegnen, meldet sich zumeist direkt der Renningenieur. "Bei Toro Rosso ist das üblich, dass sofort der Funkspruch "Lass ihn vorbei" kommt, wenn das andere Auto nah dran ist", berichtete Sainz nach dem Rennen in Abu Dhabi.

Beim Saisonfinale wurden die Positionen gleich 2 Mal hin und her getauscht, dabei waren die Strategien gar nicht so unterschiedlich. Sainz überlegte damals kurz, die Stallregie zu verweigern, wie es Verstappen in Singapur gemacht hatte. Am Ende fügte sich der Madrilene aber in sein Schicksal: "Sie haben mich über Funk richtig unter Druck gesetzt. Deshalb habe ich ihn vorbeigelassen."

Sainz wünscht sich weniger Stallregie bei Toro Rosso

Sainz warb bei Teamchef Franz Tost für mehr freie Fahrt im Teamduell: "Ich denke es würde viel Spaß machen, wenn wir mehr gegeneinander kämpfen könnten. Wir haben gegenseitig Respekt voreinander. Und wir hätten sicher eine gute Show geboten. Unsere Pace war sehr ähnlich. Das wäre aufregend geworden."

Im Falle des Saisonfinales von Abu Dhabi zeigte der 21-Jährige aber auch Verständnis für die Entschärfung durch den Kommandostand: "Man muss die Sicht der Ingenieure und der Teamleitung verstehen. Im ersten Stint lagen wir vor unseren Hauptkonkurrenten von Lotus. Es sah nach WM-Punkten aus und wir mussten man das Maximale rausholen. Sie verstehen uns und wir verstehen sie. Deshalb befolgen wir die Teamorder auch."

Für das zweite Jahr hofft Sainz aber darauf, dass er sein Können häufiger im direkten Duell zeigen kann: "Wir liefern uns einen engen Kampf. Wir sind immer ganz nah zusammen. Das war das ganze Jahr so. Man könnte meinen, dass sich unser Verhältnis nach Singapur verschlechtert hat, aber das ist nicht so. Wir haben danach geredet und alles aus der Welt geräumt. Danach war das Verhältnis wieder so wie zu Saisonbeginn. Ich hoffe es bleibt auch nächstes Jahr so."

Gerhard Berger mit Sympathie für Stallregie-Verweigerung

Auch die Fans würden sicher gerne einen heißen Zweikampf der beiden Nachwuchskönner auf der Piste sehen. Doch unnötige Ausfälle durch Kollisionen mit dem Teamkollegen kann sich ein Team wie Toro Rosso nicht leisten. Ex-Teamchef Gerhard Berger zeigte Verständnis für die Haltung von Franz Tost: "Stallregie hat es immer schon gegeben. Es ist akzeptabel. In der DTM wird es meiner Meinung nach übertrieben, aber in einem Formel 1-Team mit 2 Autos und 2 Fahrern kommt es immer wieder zu Situationen, in denen man es vertreten kann. Manchmal ist es natürlich auch ein bisschen unfair, wie bei Schumacher und Barrichello in Zeltweg."

Der ehemalige Boss und Toro Rosso-Mitbesitzer zeigte aber auch Verständnis für die Stallregie-Verweigerung von Verstappen in Singapur: "Mir gefällt es total, wenn sich ein Fahrer widersetzt. Ich habe totale Sympathien gehabt, als ich das gehört habe. Der Fahrer wusste, dass sein Platz im Team wegen seines fahrerischen Könnens nicht in Risiko gerät. Auch wenn ich noch Teamchef gewesen wäre, hätte ich vor der Entscheidung Respekt gehabt. Das war bei Senna so und auch bei Vettel. Das sind einfach Fahrer mit Nummer-1-Kaliber. Und es ist auch gut für den Sport, wenn es solche unberechenbaren Geschichten gibt."

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