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Saison-Analyse

Deshalb wurde Vettel nicht Weltmeister

F1 Grand Prix of Brazil - Previews Foto: Mark Thompson 75 Bilder

Sebastian Vettel reiste mürrisch aus Brasilien ab. Der große Traum, Jenson Button im Titelrennen doch noch abzufangen, war endgültig geplatzt. Vettel konnte sich trösten. Auch ein Sieg hätte ihm nichts genützt. Die Weltmeisterschaft wurde vorher verloren.

28.10.2009 Michael Schmidt

Die WM-Tabelle sagt alles. Jenson Button hat sechs Siege und einen Nuller. Sebastian Vettel kommt auf drei Siege und fünf Nullrunden. Noch Fragen. Das Resultat des GP Brasilien hatte auf den Titelkampf keinen Einfluss mehr. Selbst mit einem Sieg von Vettel hätte sich Button in Sao Paulo zum 31. Weltmeister der Formel 1-Geschichte gekrönt. Dem Paket Vettel-Red Bull fehlte die Konstanz. Der Titel wurde viel früher vergeigt.

Barrichello mit lockerer Einstellung

Irgendwie hat man sich selbst auch zuviel Druck aufgelegt, vor allem zu einem Zeitpunkt, als es schon nicht mehr realistisch war, vom Titel zu träumen. Da hätte der Fatalismus von Rubens Barrichello besser funktioniert. Der Brasilianer, der aus einer ähnlich aussichtslosen Lage heraus nach dem Titel griff, sagte sich immer wieder: "Meine Saison verlief viel besser als gedacht. Ich bin so oder so ein Gewinner. Wenn es mit dem Titel klappt, dann wäre es eine Zugabe." So fuhr Barrichello in der zweiten Saisonhälfte befreit.

Für Vettel galt eigentlich das gleiche. Der 22-jährige Deutsche hatte eine Supersaison. Besser als er sich selbst erträumen durfte. Der vierfache GP-Sieger war mit einer gehörigen Portion Skepsis in diese Saison gegangen. Würde Adrian Newey endlich das Wunderauto abliefern, das man sich von ihm seit drei Jahren erwartet? Würde bei Red Bull strukturiertes Arbeiten Einzug halten, so wie das Vettel von Toro Rosso gewohnt war? Würden die Ingenieure die Technik zuverlässig bekommen? Alle drei Fragen wurden mit ja beantwortet. Mehr durfte der WM-Zweite nicht erwarten.

Red Bull will zu viel zu schnell

Dass Brawn GP den Doppeldiffusor von Beginn an einsetzte, den Red Bull wie McLaren, Ferrari, BMW und Renault verschlafen hat, ist nicht Vettels Schuld. Dass der Mercedes V8 unter dem Strich der bessere Motor als der Renault-Achtzylinder im Red Bull ist, auch nicht. Und dass den Red Bull-Strategen noch die Gelassenheit und der Überblick eines Ross Brawn fehlt, das stellte sich im Laufe des Jahres heraus. Red Bull hat viel erreicht aber zuviel gewollt. Da stand man sich ein paar Mal selbst im Weg. Red Bull-Berater Helmut Marko verteidigt sich: "Nachdem die Testfahrten im Winter so sensationell liefen, haben wir Blut geleckt. Da wollten wir alles."

Red Bull ließ sich den Titelsturm einiges kosten. Der Totalumbau des Autos von Silverstone soll drei Millionen Euro gekostet haben. Und als Brawn GP nur noch Detailverbesserungen brachte, legte Red Bull in Singapur noch einmal im großen Stil nach. Der RB5 war das schnellste Auto der Saison, sein Kontrahent der beste Allrounder. Der Titel für Vettel wurde in kleinen Portionen verloren. Während Button in 15 von 16 Rennen punktete, und auch in der großen Flaute der zweiten Saisonhälfte meistens das Maximum aus seinen Startplätzen holte, gaben seine Verfolger viele "Big Points" ab. auto motor und sport erinnert noch einmal an die Rennen, die Vettel den Titel gekostet haben.

GP Australien: Vettel crasht drei Runden vor Schluss mit Robert Kubica. Hinterher ist man immer schlauer, aber hier wäre ein dritter Platz besser als ein zweiter gewesen. Zumal die Kollision ihm auch noch den Zorn der FIA-Kommissare einbrachte. Die Versetzung um zehn Startplätze beim folgenden Rennen in Malaysia war zwar nicht logisch, aber rennentscheidend.

GP Malaysia: Vettel dreht sich im Wolkenbruch. Das kann passieren. Das Antistall-System des Motors funktioniert nicht. Das darf nicht passieren. Einziger Trost: Viele Punkte hat der Deutsche dabei nicht hergeschenkt.

GP Monaco: Der Verzweiflungscoup mit wenig Sprit im Tank war sportlich gesehen Selbstmord. Auch ohne die Probleme mit den weichen Reifen im ersten Turn wäre Vettel mit einem frühen ersten Stopp ins Mittelfeld durchgereicht worden. Der Frust über die Taktikpanne und das für den zweiten Turn ungewohnt vollgetankte Auto resultierten in einem Unfall.

GP Türkei: Wieder taktierte Red Bull zu aggressiv. Mark Webber machte es wie in Monte Carlo besser. Der Australier hatte da noch nicht den WM-Titel im Visier. Von allen Zwängen befreit wählten er und seine Ingenieure die konservative Variante und fuhren gut damit.

GP Ungarn: Beim Start war Vettel zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Immer zwickte ihm ein Kers-Auto den Weg ab. Die Kollision mit Räikkönns Ferrari gab dem vorbeschädigten Red Bull den Rest.

GP Europa: Die Motorplatzer im Training und im Rennen kosteten nicht nur WM-Zähler in Valencia, sie hatten Langzeitwirkung. In Spa und Monza musste Vettel am Freitag Kilometer sparen. Und fuhr am Samstag in der Qualifikation ein Auto, das er in der Q3-Konfiguration nicht kannte. Daraus und aus dem Plan, mit ungewöhnlich viel Sprit ins Rennen zu gehen, resultierten schlechte Starzplätze, die nicht mehr gutzumachen waren.

GP Singapur: Die Durchfahrtsstrafe wegen Überschreiten des Tempolimits in der Boxengasse kostete Platz zwei und drei WM-Punkte. Lamentieren, dass die FIA falsch gemessen hat, hilft nichts. Die FIA hat immer Recht. Auch wenn sie nicht Recht hat.

GP Brasilien: Der 16. Startplatz war eine Verquickung zwischen Pech und zu hohem Risiko. Red Bull-Ingenieure gaben später zu, dass man besser die Bodenhöhe durch Erhöhung des Luftdrucks um einen Millimeter angehoben hätte. Dann wäre die erste K.O.-Runde der Qualifikation nicht zur Zitterpartie geworden. Aber wie gesagt: Der Fehler von Interlagos spielte kein Rolle mehr. Jenson Button hat auch einen gemacht und trotzdem den rettenden fünften Platz geschafft.

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