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Sauber F1 C30 - Technik-Analyse

Der neue Sauber C30 in der Technik-Kritik

Sauber C30 Foto: Sauber 19 Bilder

auto motor und sport stellt die neuen Formel 1-Autos der Saison 2011 vor. In unserer Serie sagen wir Ihnen, was im Vergleich zum Vorjahresauto neu, was gut oder schlecht ist und wo die Technikgeheimnisse liegen. Im zweiten Teil untersuchen wir den Sauber C30.

31.01.2011 Michael Schmidt

Sauber machte den Auftakt bei den Testtagen von Valencia. Der Schweizer Rennstall mietete den Circuito Riccardo Tormo einen Tag vor dem offiziellen Testbeginn für Filmaufnahmen. Nach dem ausfallreichen Beginn der letztjährigen Saison richtete Technikchef James Key sein Augenmerk auf zwei Punkte: Zuverlässigkeit und eine weniger sensible Aerodynamik. Wir sagen ihnen, was sich am Konzept des Sauber geändert hat.

Die Typbezeichnung: Der C30 ist die logische Fortsetzung des C29. C steht für Christiane, den Vornamen von Peter Saubers Frau. Begonnen hat alles mit dem C12 im Jahr 1993. In der BMW-Zeit von 2006 bis 2009 änderte sich die Typbezeichnung. Seit Sauber wieder Sauber ist, kehrte man zum alten System zurück.

Das ist neu am Sauber C30

Hoch war die Nase schon im letzten Jahr, doch während die Linie zum Cockpit 2010 fast waagerecht verlief, hat die neue Front im Profil einen leichten Knick nach unten. Die Nase wurde noch dünner, um unten mehr Abstand zum Boden zu gewinnen. Verschwunden sind die nach vorne ragenden Frontflügelaufhängungen. Beim neuen Auto wachsen die Pylonen senkrecht aus der Nase.

Die Kühleinlässe sind rechteckig und sehen aus wie Briefkastenschlitze. Das erlaubt am vorderen Ende der Seitenkästen einen noch ausgeprägteren Einzug. Sinn der Anordnung ist es, die Luft dazu zu zwingen, eng an den Seitenteilen anzuliegen. So wird sie optimal auf die Oberseite des Diffusors geführt. Die senkrecht stehenden Leitbleche übernehmen diesen Schwung. Während beim Vorgängermodell die Seitenkästen waagerecht nach hinten verliefen, sind sie diesmal abgeschrägt. Das verringert das Volumen des Hecks deutlich. Wichtig, um Diffusor und unteren Heckflügel perfekt anzuströmen.

Die Airbox unterscheidet sich von allen anderen bislang gesehenen Varianten dadurch, dass der Einlass wie ein Schnorchel nach vorne ragt und von der Kopfstütze getrennt ist. Vier Streben dazwischen übernehmen die Aufgabe des Überrollbügels. Der Kühlluftauslass konzentriert sich beim C30 auf eine Ofenrohr ähnliche Öffnung am Ende der Motorabdeckung. In diesem Bereich fällt die Verkleidung senkrecht zum Unterboden ab und unterstreicht, wie schmal das Heck auf Höhe des Getriebes ist. Der Heckflügel wird neuerdings von einer zentralen Stütze getragen. Im letzten Jahr ruhte er noch auf zwei Streben.

Unter der Haube

Die Kühler stehen in den Seitenkästen. Ein Zugeständnis, um die Seitenkästen möglichst früh zu verjüngen. Da Motor, Getriebe und KERS von Ferrari stammen, sieht es unter der Motorabdeckung ähnlich aus wie bei dem neuen F150 aus Maranello. Die Hinterradaufhängung ist fast noch extremer als bei dem Ferrari. Sogar die hinteren Querlenker der Hinterachse sind weit nach vorne angewinkelt. Die Druckstrebe ragt dementsprechend weit nach vorn. Das verlangt die vorgerückte Position des Getriebes, an dem die Anlenkpunkte für die Hinterradaufhängung eingelassen sind. Die Auspuffgase blasen erstmals direkt auf den Diffusor. Sauber zählte 2010 zu den wenigen Teams, die darauf verzichteten, ihr Auto mit diesem Trick nachzurüsten.

Das wurde kopiert

Der zentrale Kühlluftauslass im Heck ist Marke Red Bull. Auch die schräg abfallenden Seitenkästen hat man schon gesehen. 2009 bei Brawn GP beispielweise. Das Experiment mit den charakteristischen, weit nach vorne reichenden Frontflügelstützen haben die Schweizer jedoch aufgegeben.

Eigene Ideen

Das Konzept der extrem dünnen Nase wurde perfektioniert. Die Anordnung der Kühleinlässe erinnert zwar an den letztjährigen McLaren, wurde aber bis zu Ende gedacht. So deutlich setzt sich der obere Teile der Seitenkästen bei keinem anderen Auto vom unteren Bereich ab. Völlig eigenständig ist die Airbox. Die Nackenstütze läuft gut 30 Zentimeter waagerecht weiter, bevor sich die Airbox von ihr absetzt. Da die Überrollbügel Teil des Chassis sind, tut man sich schwer mit dramatischen Änderungen. Interessant am Sauber C30 ist auch das Heck im Bereich des Getriebes. Es ist außergewöhnlich schmal und fällt senkrecht nach unten ab.

Das kommt noch:

Wie bei allen anderen neuen Autos stammt die Aerodynamik teilweise noch vom Vorgänger. Für den letzten Test in Bahrain ist ein komplett neues Aerodynamikpaket angekündigt.  

Fazit:

Der C30 unterscheidet sich vom Vorgänger mehr als der neue Ferrari vom alten F60. Was aber nicht verwundert. Saubers 2010er Modell war mit vielen Mängeln behaftet, die Technikdirektor James Key beheben musste. Die große Schwäche des alten C29 waren seine aerodynamische Instabilität und das schmale Fenster, in dem Abtrieb vorhanden war. Auf Bodenwellen und Randsteinen kam es zu Abtriebsschwankungen. In langsamen Kurven fehlte der mechanische Grip, was zu einer Neukonstruktion des Fahrwerks führte. Dazu James Key: "Wir haben das Auto berechenbarer gemacht."

Note: 8 (von 10)

Sauber hat sich etwas getraut. Der C30 bestreitet einen neuen Weg und er trägt die Handschrift von James Key. Der Vorgänger war noch von Willy Rampf konzipiert worden. Deshalb ähnelt der neue Sauber mehr einem Force India als dem alten Sauber.

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