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Sauber C31 für die F1-Saison 2012

Neuer Sauber mit Schnabeltier-Nase

Sauber C31 2012 Foto: Sauber 27 Bilder

Sauber hat in Jerez sein neues Formel 1-Auto für die Saison 2012 vorgestellt. Mit dem mutig konstruierten C31 hofft Teamchef Peter Sauber auf einen deutlichen Schritt nach vorne. Wir haben die ersten Bilder und die technischen Details.

06.02.2012 Michael Schmidt

Vorne passt sich der neue Sauber C31 dem Trend der anderen Autos an. Die Nase trägt wie erwartet eine Stufe. Ab den Seitenkästen geht das Auto aus Hinwil eigene Wege. Der Auslass der Kühlluft, die Airbox und die Heckflügelanordnung heben sich vom Rest der bislang vorgestellten Fahrzeuge ab.

Key verlässt Sauber

Der Technische Direktor ist gegangen, das neue Auto ist da. James Key hat den Schweizern ein Auto hinterlassen, das weiterhin seine Handschrift trägt, aber von einem Gremium von leitenden Ingenieuren weiterentwickelt wird. Dazu zählen auch Chefdesigner Matt Morris und Aerodynamikchef Willem Toet. Peter Sauber geht mit hohen Zielen in seine 20. Saison als Formel 1-Teamchef: „Leider ist das Podest nicht groß genug für 24 Autos. Wir wollen regelmäßig punkten und uns in der Weltmeisterschaft signifikant verbessern. Außerdem erwarte ich, dass es unsere Autos in die Top Ten der Qualifikation schaffen.“ Die schnelle Runde im Training war der Schwachpunkt des Vorgängers. Der alte Sauber C30 streichelte seine Reifen, was im Rennen den ein oder anderen Boxenstopp sparte, im Training aber zum Nachteil wurde, wenn die Reifen schnell auf Temperatur kommen mussten. Deshalb hat das Konstruktionsbüro in Hinwil der Aufhängungsgeometrie viel Zeit gewidmet. Chefdesigner Matt Morris: „Wir haben das Fahrwerk vorne und hinten stark modifiziert. Ziel war es, uns beim Setup genügend Freiheiten zu lassen, einerseits den Anforderungen des Trainings zu genügen, andererseits den schonenden Umgang mit den Reifen nicht aufzugeben.“ Von vorne sieht der Sauber C31 nicht viel anders aus als der neue Ferrari, Lotus, Caterham oder Force India. Die Nase ist messerdünn und geht beim Übergang zum Chassis in einer abrupten Stufe von 550 auf 625 Millimeter Höhe über. „Wir sind wie fast alle anderen auch der Überlegung gefolgt, unter dem Auto so hoch wie möglich zu bauen. Das Reglement zwingt uns dann zu dieser Stufe", entschuldigt sich Matt Morris. Peter Sauber winkt ab: "Ich darf nicht sagen, dass dieses Auto hässlich ist." Man weiß aber, wie der Chef des viertältesten Formel 1-Teams darüber denkt. Das propere Aussehen seiner Autos war ihm immer schon ein Anliegen.

Sauber C31 mit schlankem Heck

Wer genau auf die Stufe blickte, entdeckte am Ende einen kleinen Luftauslass. Matt Morris wollte das Rätsel nicht lösen. Ja, besagte Stufe erzeuge Turbulenzen, aber man habe lange daran gearbeitet, diese Luftwirbel nicht nur in den Griff zu bekommen, sondern sie zum Vorteil zu nutzen.

Der Einlass der Kühler mit dem weit nach vorne gezogenen Schnorchel erinnert an den Vorgänger. Doch der Rest der Seitenteile folgt dem Diktat, im Heck möglichst schmal bauen zu wollen. Die Motorverkleidung fällt schräg ab bis zu dem Punkt, an dem die vorderen Querlenker der Hinterradaufhängung in der Karosserie verschwinden. Dort befindet sich eine schmale Spalte, aus der die heiße Kühlluft austritt. Ein Teil dieser Luft wird bereits durch eine Reihe Kiemen am vorderen Cockpitrand ausgelassen. Je früher, umso besser.

Damit kann Sauber das Heck des Autos komplett schließen. Das neue Getriebe von Ferrari erlaubt eine extrem schlanke Bauweise. Peter Sauber lobt: "Ein Wahnsinn, dass auf so wenig Platz alle Gangräder unterzubringen sind." Der Preis dafür ist ein etwas längeres Getriebe und damit auch ein leicht verlängerter Radstand.

Die Airbox fällt am hinteren Ende stark nach unten ab und verzichtet auf den Kanonenrohr ähnlichen Auslass, den Red Bull im letzten Jahr salonfähig gemacht hat. Weil das Getriebe auch noch flach ist, erinnert der Sauber C31 im Heck fast ein bisschen an den Williams des Vorjahres. Die Verkleidung ist auf ihrem Weg zum unteren Heckflügelelement unglaublich niedrig. So wird das untere Flügelelement störungsfrei angeströmt. Der ganze Heckflügel wird von einem Bügel getragen, der sich über die Getriebeverkleidung wölbt. Der ist so gestaltet, dass er möglichst nicht im Luftstrom steht.

Heck von Ferrari-Vorgaben bestimmt

Das Heck ist zwangsläuig von Ferrari geprägt. Ferrari liefert den Motor und das Getriebe. Damit ist auch die Pullrod-Aufhängung Pflicht. Auch Ferrari ist über den Winter von Pushrod auf Pullrod umgeschwenkt. Sauber zog mit. Allerdings nur hinten. An der Vorderachse bestreiten die Schweizer eigene Wege. Dort arbeiten Druck- statt Zugstreben. Ferrari steht mit seinem Pullrod-Fahrwerk vorne bislang noch alleine da.

Sauber zählte 2011 zu den wenigen Teams, die mit dem Auspuff nicht in die Spalte zwischen Hinterrädern und Unterboden geblasen haben. Stattdessen zielten die Endrohre nach innen in den Diffusor. Peter Sauber glaubt, dass das mindestens zwei Sekunden gekostet hat. Demnach müsste der Sauber C31 eine Rakete sein, denn die Konkurrenz musste ja in Bezug auf den Auspuff teilweise dramatisch zurückrüsten. Matt Morris will trotzdem nicht von einem Zweisekundengeschenk sprechen: "Wir haben bei der Entwicklung bei Null begonnen und uns nicht auf diese Rechnung verlassen." Die meist diskutierte Personalie war natürlich der Abgang des Technischen Direktors. Vermutungen, James Key habe das Weite gesucht, weil Sauber sparen müsse, sind aus der Luft gegriffen. Das Budget des Rennstalls aus Hinwil liegt im Bereich des letzten Jahres. Das sind rund 100 Millionen Euro. Damit ist man im Mittelfeld gut gerüstet. Tatsächlich hat Sauber die Belegschaft leicht aufgestockt. von 280 auf 300. Key hat das Team verlassen, weil es in der Zusammenarbeit mit dem Management offenbar Reibungspunkte gab und weil seine Familie in der Schweiz nicht heimisch wurde. Die Frau und drei Kinder zieht es zurück in die Heimat England. Key wird mittelfristig nicht ersetzt. Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn erklärte: "Wir haben eine neue Struktur geschaffen. Das ist keine kurzfristige, sondern eine langfristige Lösung."

Sauber mit C31-Basisversion in Jerez

Die ersten Demofahrten für TV-Aufnahmen wird der neue Sauber C31 noch am Montag absolvieren. Am Dienstag geht es dann auf die ersten offiziellen Testkilometer in Jerez (Live-Ticker von den Testfahrten). "Wir wollen zu Beginn eine vergleichsweise einfache Version des C31 einsetzen, die bereits vor einiger Zeit definiert wurde", erklärt Chefdesigner Morris das weitere Programm. "In den kommenden Wochen werden wir zahlreiche Entwicklungskomponenten erproben und dann vor dem ersten Rennen am 18. März in Australien ein umfangreiches Update lancieren."

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