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Sauber C32 für die Formel 1-Saison 2013

Der Trick mit den Seitenkästen

Sauber C32 Präsentation 2013 Foto: Sauber 46 Bilder

Der neue Sauber C32 wurde dort vorgestellt, wo er geboren wurde. Im Gebäude des Windkanals. Von eidgenössischer Bodenständigkeit kann keine Rede sein. Dieser Sauber ist das bis jetzt ungewöhnlichste Formel 1-Auto des Jahres 2013. Wenn der Trick mit den schmalen Seitenkästen klappt, dann hat die Konkurrenz ein Problem.

04.02.2013 Michael Schmidt

Sauber ist seit 1993 in der Formel 1. 21 Jahre lang hat die Schweizer Truppe solide Arbeit abgeliefert. Ab und an waren auch pfiffige Detaillösungen dabei. Doch man kann nicht behaupten, dass die Techniker in Hinwil bisher ein technisches Risiko eingegangen wären. Bodenständigkeit war Trumpf. Dafür kommt dieser Rennstall ja auch aus der Schweiz. Das hat sich mit dem Sauber C32-Ferrari geändert. Der kleine Rennstall aus Hinwil hat den Top-Teams ein Auto vorgesetzt, das ihnen Kopfzerbrechen bereiten könnte. Wenn der Trick mit den superschmalen Seitenkästen funktioniert.

Sauber-Seitenkästen 10 bis 15 Zentimeter schmaler

Normalerweise fällt der erste Blick nach dem Fallen des Vorhangs auf die Nase. Beim Sauber bleibt er an den Seitenkästen hängen. Sie sind 10 bis 15 Zentimeter schmaler als normal. Wie viel genau, wird nicht verraten. Es gibt aber einen guten Anhaltspunkt. Die vertikalen Leitbleche am Kühleinlass geben die normale Breite eines Seitenkastens vor. Im letzten Jahr haben sie sich am oberen Ende im Abstand eines Zentimeters wie ein Bügel um die Verkleidung gelegt. Jetzt bekommt man da zwei Handbreit dazwischen.

Die schlankeren Seitenkästen erfüllen drei Ziele. Erstens: Es verringert den Luftwiderstand. Zweitens. Die Luft wird effizienter zum Diffusor und zum Heckflügel geführt. Drittens: Es entsteht mehr Platz auf der Bodenplatte, die durch zusätzliche Leitbleche zum Führen der Luft gefüllt werden kann. Chefdesigner Matt Morris verrät: "Sie werden in diesem Bereich bald schon sehen, was wir uns dabei gedacht haben."

Kompakte Bauweise unter der Haube des Sauber C32

Der schlanke Bauch des Sauber hat massive Auswirkungen auf das Gesamtdesign des Autos. "Wir haben das Konzept im Juli letzten Jahres abgezeichnet, weil es Einfluss auf das Chassis und die Crashstrukturen nimmt", erzählt Matt Morris. Das größte Problem war noch nicht einmal das Bestehen des seitlichen Crashtests. "Das kannst du heute zu 90 Prozent vorausberechnen." Viel schwieriger war es, die Kühler, Elektronikboxen, Kabelbäume und Leitungen auf dem stark geschrumpft Platz unterzubringen.

"Ein Alptraum", stöhnt Morris und formt mit seinen Händen ein Teil, das so groß ist wie eine Zigarettenschachtel. "Wenn ich das noch unterbringen müsste, es wäre nicht möglich." Der schlanke Einlass vorne bedingt, dass die Seitenkästen eine Zeitlang gerade verlaufen, bevor sie in den Flaschenhals übergehen. So haben die Ingenieure Platz für die stehenden Kühler geschafft.

Sauber-Trick nicht kopierbar

Wenn der Trick funktioniert, hat Sauber das große Los des Jahres gezogen. Dieses Konzept ist nicht kopierbar. Die anderen Teams müssten dazu neue Chassis und Seitencrash-Strukturen bauen, und das würde im Hinblick auf die Entwicklung für das 2014er Auto keiner machen. Doch kann der mutige Schritt für Sauber umgekehrt zur Falle werden?

Matt Morris verneint: "Wir könnten jederzeit zu breiteren Seitenkästen zurück. Dann kriegen wir mehr Platz für unsere Komponenten unter der Verkleidung." Dass es soweit kommt, daran glaubt Saubers Chefdesigner nicht: "Die Werkzeuge sind heute so gut, dass Entwicklungen aus dem Windkanal und dem CFD-Computer zu 90 bis 95 Prozent auch in der Realität funktionieren."

Nico Hülkenberg macht sich deshalb keine Sorgen: "Die Seitenkästen sind natürlich ein echter Hinschauer. Aber heute gibt es nicht mehr das eine Element, das ein Auto gewinnen oder scheitern lässt. Ich vertraue da voll den Ingenieuren und habe deshalb keine schlaflosen Nächte."

Sauber C32 mit Stufe im Chassis

Die Sauber-Ingenieure haben sich aber nicht nur auf die Seitenkästen konzentriert. Die Nase reckt sich im Gegensatz zum Ferrari weit über den Frontflügel, dessen zweite Ebene nun aus zwei Ebenen besteht. "Kurz oder lang macht keinen großen Unterschied", erklärt Morris. "Das hat nur Einfluss auf die Fahrzeugbalance."

Der Sauber hat noch einen Knick in der Nase, allerdings in einer neuen Form. Dazu Morris: "Wir haben so ein Zwischending. Die Stufe ist noch da, aber wir nutzen rechts und links auch die neue FIA-Blende. So haben wir zwischendrin eine Mulde." Der Luftauslass im Chassis hinter der Stufe ist übrigens immer noch da. Unter der Nase wir Luft angesaugt und oben durch einen Schlitz abgelassen. Das optimiert die Cockpitumströmung.

Neuer Auspuff nach McLaren-Vorbild

Beim Auspuff schwenkt Sauber von der eigenen Linie ab und folgt dem McLaren-Modell. Die Endrohre sitzen weit außen und sehr tief in einer Beule, die aus den Seitenkästen wächst. "Wir haben dieses Prinzip bereits am Ende der letzten Saison getestet", erzählt Morris. "Das erlaubt uns im Heck einen stärkeren Einzug. Mit unserem alten Konzept, wie es auch Red Bull hatte, hast du hinter dem Auspuff noch einen Teil des Seitenkastens und kannst deshalb die Verkleidung erst viel später einziehen. Red Bull hat sich mit Kanälen, die ins Innere des Autos führen, beholfen. Wir sehen mehr Potenzial in unserem neuen Weg."

Bei der Vorderradaufhängung blieb Sauber dem Pushrodprinzip treu. Aus Kostengründen. "Pullrod hat wahrscheinlich kleine aerodynamische Vorteile", räumt Morris ein, "aber die aerodynamischen Vorteile zu optimieren und die mechanischen Nachteile zu minimieren ist ein echt aufwendiges Programm, das über unsere Kapazitäten hinausgeht. Das ist ein Projekt für das 2014er Auto."

Im Heck folgt Sauber dem Trend. Die Querlenker sind weit nach vorne gepfeilt, der untere Achsschenkel mit der Antriebswelle als Flügel verkleidet. Zusammen mit den Bremsbelüftungsschächten eine entscheidende Zone für die Aerodynamiker. "Das ist einer der letzten Plätze, wo dir das Reglement noch Freiheiten lässt. Also stürzen wir uns alle drauf. Du kannst dort sehr viel Abtrieb generieren und die Umströmung der Hinterräder beeinflussen", lacht Morris.

Passives DRS in Arbeit

An einem passiven DRS wird in Hinwil noch gearbeitet. Sauber zählte neben Mercedes, Red Bull und Lotus zu den vier Teams, die bereits 2012 Versuche mit dem geschwindigkeitsabhängigen Strömungsabriss gefahren sind. Wann ein solches System kommt, wollte der englische Ingenieur nicht verraten. Möglicherweise wurde es genau am Tag der Präsentation getestet. Eine Stunde nach der Präsentation wurden die mächtigen Turbinen des Windkanals wieder angeworfen. Die Formel 1 kennt kein Wochenende.

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