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Sauber in der Krise

Wettlauf gegen die Zeit

Peter Sauber - Formel 1 - GP Italien - 6. September 2012 Foto: xpb 32 Bilder

Bei Sauber ist es fünf vor zwölf. Sollte die Teamleitung nicht bald einen größeren Sponsorendeal klar machen, droht ein Verkauf des Rennstalls. Lieferanten müssen bereits auf die Bezahlung von Rechnungen warten. Für Teamgründer Peter Sauber eine "peinliche" Situation.

11.07.2013 Tobias Grüner

Das Drama um den Schweizer Sauber-Rennstall geht weiter. In einem beeindruckenden Interview im Schweizer Fernsehen hat sich Teamgründer und Mitbesitzer Peter Sauber nun erstmals offen zu den finanziellen Problemen geäußert. Die Lage scheint dramatisch, aber nicht aussichtslos.

Nach Auskunft von Sauber handelt es sich um eine der schwierigsten Situationen seit der Teamgründung vor mehr als 30 Jahren. "Die Dimensionen sind größer geworden. Dadurch ist die Situation schwieriger und komplexer. Aber schwierige Situationen hat es früher schon gegeben. Übrigens auch schon vor der Formel 1".

Sauber-Mut wird nicht belohnt

Die finanziellen Schwierigkeiten bremsen nicht nur die Entwicklung des Autos, sie gefährden auch die rund 300 Arbeitsplätze am Sitz in Hinwil. Sauber gibt zu, dass die Mittel ausgegangen sind. "Zum großen Teil gibt es Verständnis bei den Lieferanten, dass man etwas länger warten muss, bis Rechnungen bezahlt werden. Das ist für uns äußerst unangenehm. Auf jeden Fall auch peinlich."

Laut Sauber sei es aber auf jeden Fall besser, die Bezahlung der Rechnungen etwas in die Länge zu ziehen, als Leute zu entlassen. Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass der immer so solide arbeitende Rennstall aus dem Züricher Umland in solch einer Schieflage landete?

"Im Prinzip war es schwierig, seitdem ich die Firma zurückgekauft habe. Aber da ist mir ja gar nichts anderes übrig geblieben. Ich hätte es höchstens akzeptieren können, dass BMW zumacht. Dann wäre der Standort Hinwil heute weg. Deshalb würde ich es heute auch wieder so machen", erinnert sich Sauber. Der Mut von damals scheint heute nicht leider belohnt zu werden.

Sauber geht Geld und Zeit aus

"Seit dem Rückkauf tun wir uns schwer auf der Sponsorenseite", so Sauber in der Sendung Sportpanorama. "Wir sind momentan dran an großen Sponsoren. Das ist auf einem guten Weg. Das Problem ist, dass sich das in die Länge zieht. Und irgendwann beginnen die Mittel auszugehen." Neben der Wirtschaftskrise habe auch die "unvernünftige Verteilung" der Einnahmen durch Bernie Ecclestone bzw. CVC zu den Problemen geführt.

Obwohl die Kasse bei Ecclestone und den F1-Investoren weiter klingeln, ist man nicht bereit Sauber aus der Klemme zu helfen. "Wir haben mit allen Teams die Vereinbarung, niemanden zu bevorteilen", begründet Ecclestone die fehlende Unterstützung. "Wenn Peter wollte, könnte er das Team verkaufen. Es ist ein gutes Team. Ich glaube, es wäre einfach einen Käufer zu finden."

Ein Verkauf des Rennstalls wäre für Peter Sauber aber nur die zweit- oder drittbeste Lösung. Trotzdem sind die Schweizer auch auf diesen Weg vorbereitet. "Wenn man keinen Ausweg mehr findet - und davon sind wir noch weit weg - dann ist Verkauf ganz sicher eine Option. Man weiß natürlich nicht, was dann aus dem Team wird. Beim Verkauf damals an BMW bin ich sicher gewesen, dass das eine super Lösung ist."

Nicolas Todt nicht interessiert

Am Nürburgring geisterte diesbezüglich eine abenteuerliche Geschichte durch das Fahrerlager. Ein russischer Milliardär und guter Ferrari-Kunde sei an Sauber interessiert und wolle Nicolas Todt als Teamchef einsetzen. Der Sohn von FIA-Präsident Jean Todt dementierte die Story aber gegenüber auto motor und sport: "Ich kenne den Herrn aus Russland nicht einmal."

Viel Zeit bleibt nicht mehr nach Auswegen zu suchen: "Eigentlich haben wir keine Luft mehr. Wir hangeln uns von Ast zu Ast. Aber immerhin hangeln wir noch." Sauber gibt zu, dass die Situation für ihn persönlich stressig und unangenehm ist. Bei seinen Mitarbeitern ist die Krise aber noch nicht angekommen. "Wir haben in 20 Jahren Formel 1 und davor noch nie einen Lohn zu spät gezahlt", erklärt der Teamgründer nicht ohne Stolz.

Die große Frage ist nun: Kommt der neue Sponsor, bevor die Lichter ausgehen? Sauber bleibt zuversichtlich. "Ich hoffe, bis Ende des Monats Entwarnung zu geben."

In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal zurück auf die bewegte Vergangenheit des Schweizer Rennstalls.

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