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Kobayashi Siebter in Valencia

Sauber-Jubel trotz De la Rosa-Strafe

Peter Sauber und Kamui Kobayashi Foto: Sauber F1 33 Bilder

Nach nur einem WM-Punkt in acht Rennen erlöste der Husarenritt von Kamui Kobayashi die Sauber-Mannschaft. Und auch Pedro de la Rosa lag auf Punktekurs. Die Kommissare raubten dem Spanier drei Stunden nach der Zieldurchfahrt noch einen Zähler.

29.06.2010 Michael Schmidt

Die Bilanz von Sauber war nach acht Rennen deprimierend. Die weißen Autos hatten bis dahin gerade mal 39,6 Prozent der möglichen Renndistanz zurückgelegt. Vier Zielankünften standen neun Defekte und drei Unfälle gegenüber. Auf dem Konto stand ein kümmerlicher WM-Punkt. Was ein Grand Prix alles ändern kann. In Valencia kamen zwei Zielankünfte, 617 Rennkilometer und sechs WM-Punkte dazu.

Die Truppe aus Hinwil reiste nicht mit den allergrößten Hoffnungen nach Spanien, auch wenn ein neuer Diffusor konstanteren Abtrieb versprach. Das Problem des Sauber C29 wird von allen Streckenbeobachtern bestätigt. Das Auto ist extrem kritisch im Grenzbereich. Und das kommt auf Strecken, wo viel gebremst und beschleunigt wird, besonders negativ zum Tragen. Der Sauber braucht flüssige Kurvenfolgen, in denen er tief fahren und dann seinen Anpressdruck, der nur in einem kleinen Fenster vorhanden ist, ausnutzen kann.

Sauber im Training noch schwach

Das Fenster ist nach dem Valencia-Update größer. Trotzdem deuteten die Trainingsergebnisse nicht gerade eine deutliche Steigerung an. Die Startplätze 16 und 18 schienen den Eindruck der ersten acht Rennen zu bestätigen. Allerdings sind 1,2 Sekunden Rückstand auf die Spitze auf einer Strecke von 5,4 Kilometern Länge kein Klassenunterschied. Hätte Pedro de la Rosa im Q2 die Rundenzeit der ersten K.O.-Runde wiederholt, wäre er sogar vor Michael Schumacher gestartet.

Doch was dann im Rennen folgte, das brachte selbst die Teamleitung in Erklärungsnot. "Für mich ist es ein Rätsel, mit welcher Regelmäßigkeit Kobayashi schnelle Runde fahren konnte. Er ist immerhin 53 Runden auf einem Reifensatz unterwegs gewesen", schüttelte Peter Sauber den Kopf. Daraus zog der Chef die Schlussfolgerung: "So schlecht kann unser Auto auch wieder nicht sein."

Sauber klagt wie Mercedes und Ferrari über Reifen

Es passiert nicht zum ersten Mal, dass die Sauber im Rennen besser laufen als im Training, wenn auch der Unterschied noch nie derart eklatant auftrat. Ein Grund dafür könnte sein, dass Sauber die Reifen in der entscheidenden Trainingsrunde nicht in das optimale Gripfenster bekommt. Dieses Problem teilen die Schweizer mit Mercedes und Ferrari. Im Rennen, wenn den Piloten mehr Aufwärmzeit zur Verfügung steht, geht es dann plötzlich, weil die Reifen den Grip haben, der ihnen im Training offenbar fehlt.

Valencia brachte der Truppe aus Hinwil viel Anerkennung von außen ein. Wieder einmal zeigte sich der Kommandostand auf Ballhöhe. Der neue Technikdirektor James Key ordnete völlig richtig getrennte Strategien an. "Dass wir Kamui mit der riskanteren Taktik losgeschickt haben, lag daran, dass er beim Start schlechter platziert war als de la Rosa. Wir brauchten ein Safety-Car, und es kam."

Sauber-Taktiker mit perfekter Strategie

Mercedes pokerte mit Michael Schumacher ähnlich. Doch als ihnen das Schicksal das Geschenk eines Safety-Cars machte, griffen die Silberpfeil-Strategen nicht zu. Sauber machte es richtig und behielt Kobayashi auf der Strecke. Aus Platz 18 wurde im Handumdrehen Rang drei. Eine Faustregel sagt: Es gibt nichts wichtigeres als die Position im Feld. "Wir haben uns schon ein bisschen gewundert, warum Mercedes Schumacher zum Reifenwechsel an die Box geholt hat", gab Sauber zu.

Natürlich wussten die Männer um Peter Sauber, James Key und Beat Zehnder, dass ihr Japaner nicht ewig auf Platz drei bleiben würde. Aber man timte den Boxenstopp so, dass Kobayashi wenigstens noch auf einem Punkterang in das Feld fallen würde, mit genügend Zeit, von den weichen Reifen im Finale zu profitieren. "Die beiden Platzgewinne am Ende gingen voll auf Kamuis Konto", applaudierte Sauber. "Toll, dass er zum Schluss des Rennens noch die Nerven hatte, zwei Angriffe auf Alonso und Buemi zu starten."

Pedro de la Rosa im Pech

James Key blieb bei Kobayashis Attacken gelassen: "Wir hatten ja mit De la Rosa eine Absicherung auf einem Punkterang." Der Spanier verlor diesen Platz allerdings noch, weil er in der Safety-Car-Phase zu schnell zu den Boxen gefahren war. Beat Zehnder nahm De la Rosa in Schutz: "Pedro war in dem schnellen Schlussabschnitt, als wir die Nachricht mit dem Safety-Car bekamen. Als Fahrer schaust du in den Vollgasecken nicht unbedingt immer auf das Display am Lenkrad, um die Countdownzeit einzuhalten. Das gleiche Problem hatte auch acht andere Fahrer."

De la Rosa war trotz des verlorenen Punktes happy. Er freute sich mit dem Team. So sehr, dass er seinem Renningenieur sein Problem der letzten zwölf Runden verschwieg. "Ich hatte mir einen Bremsplatten eingefahren, dem Team aber nichts über Funk von den Vibrationen erzählt. Ich wollte ihnen nicht schon wieder während des Rennens eine schlechte Nachricht zumuten."

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