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Sauber mit Übergangsjahr 2017

Es müssen Punkte her in der ersten Saisonhälfte

Marcus Ericsson - Sauber - GP Brasilien 2016 - Interlagos - Qualifying Foto: sutton-images.com 32 Bilder

Sauber steht finanziell wieder auf zwei gesunden Beinen. Das erleichtert die Entwicklung. Mit dem Konzept für das 2017er Auto startete das Team spät. Trotzdem sieht man die besten Chancen auf Punkte vor allem in der ersten Saisonhälfte.

18.02.2017 Andreas Haupt

Sauber startete im Juli 2016 mit der Entwicklung des neuen C36. Zu diesem Zeitpunkt hatten andere Teams schon Monate Vorsprung. „Die anderen konnten da schon deutliche Erfahrungen machen. Zeit geht in der Aerodynamikentwicklung einher mit Performance. Das läuft wie an der Maschine: Jeden Monat kommen zwei Zehntel“, bedauert Saubers neuer Technikchef Jörg Zander, der zum Projektstart selbst noch nicht das Technikruder schwang.

Zander seit 2017 Technikchef von Sauber

Zander arbeitete bereits als Chefdesigner von 2006 bis 2007 für BMW-Sauber. Der Rheinländer begann sein zweites Sauber-Abenteuer im Januar. „Als ich hier aufgeschlagen bin, war das Konzept und die Konstruktion für das 2017er Auto weitesgehend abgeschlossen. Da konnte ich keine großen Veränderungen mehr vornehmen. Das Auto ist erst einmal das Baby der Ingenieure, die hier im vergangenen halben Jahr daran gearbeitet haben.“

Einfluss hat der neue Technische Direktor aber schon genommen: Zander hat in den ersten Wochen die Entwicklungsziele für die Saison korrigiert und angepasst. Mit der Absicht, das Arbeitsfenster für die Aerodynamik zu vergrößern. Sprich: Der 53-Jährige legt mehr Wert auf gleichmäßigeren Anpressdruck, denn auf eine zu spitze Aerodynamik.

Der Grund liegt in den unterschiedlichen Fahrzuständen, die das Auto auf der Rennstrecke einnimmt: beim Beschleunigen, beim Abremsen, am Kurveneingang und Kurvenausgang sowie am Scheitelpunkt. Es rollt je nach Fahrsituation um die Längsachse, nickt auf der Bremse oder hebt die Front leicht beim Beschleunigen.

„Wir haben vereinbart, dass wir genau auf diese Situationen einen größeren Schwerpunkt legen. Das heißt, dass wir vielleicht beim Maximalabtrieb einbüßen, dafür die Abtriebswerte aber konstanter anliegen. Wir denken, dass wir mit der angepassten Philosophie ab Melbourne ein paar Schritte machen werden.“

Im Gegensatz zu 2016 fährt Sauber gleich den ersten Vorsaison-Test (ab 27. Februar) in Barcelona mit dem neuen Auto. Seit die schwedischen Investoren das Team mit Geld füttern, steht der Rennstall aus Hinwil wieder auf zwei gesunden Beinen. Erste Upgrades für den neuen C36 sind bereits bei den Testfahrten geplant.

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„Wir gehen mit der Basis-Konfiguration in die erste Woche. Beim zweiten Test gibt es das ein oder andere Update, wenn auch nichts Größeres. In den letzten zwei Tagen prüfen wir die Melbourne-Variante gegen.“ Für den Saisonauftakt in Australien könnte die Entwicklungsabteilung weitere Neuteile ausspucken. „Vielleicht ein kleiner Abweiser oder ein Flügelchen mehr auf der Karosserie. Das hängt davon ab, wie wir von der Produktion hinterher kommen.“

Sauber plant vier bis fünf größere Updates

Unter der Saison peilt Zander eine aggressive Entwicklung an. Die Referenz zum Vorjahr taugt nicht. Damals brachte Sauber aufgrund von Geldmangel seine Update-Pakete verspätet an die Strecke. Die Entwicklung lief auf Schmalspur. „Wir haben vier bis fünf umfangreichere Updates für diese Saison geplant“, berichtet Zander. „Zwischendurch gibt es kleinere. Wir müssen uns aber speziell an den Streckencharakteristiken orientieren. Wir wollen für Strecken wie Baku und Spa spezielle Pakete bringen. Nach Monza und Monaco sowieso.“

Der Technikchef glaubt wie seine Kollegen in den anderen Teams an eine steile Entwicklungskurve 2017. Dafür sorgen die neuen Aerodynamikregeln. „Normalerweise sind es um die 2 Sekunden pro Saison, die man findet. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir 2017 von einem Sprung von 3 Sekunden vom ersten bis zum letzten Rennen sprechen.“

Eine bekannte Größe erleichterte Sauber die Konstruktion des neuen Autos. Wie der C35 wird der C36 den 2016er Ferrari-V6 tragen. Und die dazugehörigen Hybridsysteme und Kühlaggregate. „Das Packaging haben die Burschen schon ordentlich gemacht. Ich sehe an unserem Grundkonzept kein Problem. Es wurde kein Schritt gegangen, der mich stutzig macht.“

Zander glaubt, dass der alte Ferrari-Motor vor allem zu Saisonbeginn kein Nachteil sein muss. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Leistungsunterschiede nicht zu groß ausfallen. Vielleicht gibt es noch Probleme mit der Zuverlässigkeit beim neuen Triebwerk. Für den 2016er Motor kennen wir alle Anforderungen.“

Liegt die große Chance auf Punkte für Sauber also in der ersten Saisonhälfte? „Das muss man so sagen“, gibt der Rheinländer zu. Später könnte der Motorennachteil zu stark wiegen. Vor allem, weil der Vollgasanteil mit den neuen breiteren Autos höher sein wird als zuvor. Grund ist der größere Abtrieb, der schnellere Kurvengeschwindigkeiten, früheres Beschleunigen und spätere Bremspunkte erlaubt.

Kaltenborn strebt Platz im Mittelfeld an

30 bis 40 PS mehr vom Motor bringen 3 bis 4 Zehntel auf der Stoppuhr. Und weniger Motorleistung fordert Kompromisse auf der Fahrzeugseite. Der Powermangel muss durch kleinere Flügel ausgeglichen werden. Kleinere Flügel bedeuteten weniger Anpressdruck. „Dieses kleine Übel müssen wir akzeptieren. Die Entscheidung für den alten Motor wurde noch vor meiner Zeit getroffen. Sie ist nicht schwarz und auch nicht weiß, sondern ein für mich akzeptabler Mittelweg.“

Die Marschroute: „Wir müssen versuchen, weitesgehend mit dem Fahrzeugsetup zu reagieren, um die Effizienz unseres Aerodynamikpakets zu verbessern.“ Zander gibt aber auch zu: „Wenn dir 20, 30 PS fehlen, dann fehlen die nun mal. Das kann man in anderen Bereichen nicht einfach gutmachen.“

Ohnehin spricht der neue Technikdirektor von einem Übergangsjahr. Weil Sauber 2017 auch an seiner Organisation arbeiten muss und neue Ingenieure womöglich das Team weiter verstärken. „Das braucht alles Zeit“, sagt Zander, der möglichst das Ziel von Teamchefin Monisha Kaltenborn erfüllen will: ein Platz im Mittelfeld. Wenn man bedenkt, dass Sauber die Saison 2016 mit 2 Pünktchen auf Platz 10 der Team-WM abschloss, wäre das ein guter Schritt.

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