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Schlechte Luft in der Formel 1

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Nach einer alten Motorsport-Weisheit ist das Heranfahren an langsamere Konkurrenten eine Sache, das Überholen dagegen eine ganz andere. Mittlerweile ist schon das Annähern an den Vordermann häufig ein Ding der Unmöglichkeit.

03.07.2007

In sieben der ersten acht Saisonrennen stand jeweils der Fahrer, der als Führender in die erste Kurve ging, auch am Schluss ganz oben auf dem Treppchen. Eine Ausnahme bildete nur der Frankreich-Grand Prix, als Felipa Massa während des Rennens die Spitzenposition an seinen Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen abgeben musste. Aber auch in Magny-Cours konnten die Fans kein spektakuläres Überholmanöver bestaunen: Eine gute Strategie Räikkönens sowie Pech mit Verkehr auf der Strecke für Massa sorgten letztendlich für einen Platztausch an der Box.

Die Unmöglichkeit zu Überholen sorgt bei den Fahrern oft schon frühzeitig für Resignation. Spätestens nach dem zweiten Boxenstopp schrauben die Verfolger die Drehzahl herunter, um ihre Motoren zu schonen. Die Folge: Spannung gegen Rennende meist Fehlanzeige.

Auswirkungen über 300 Meter

Überholvorgänge auf der Strecke sind in dieser Saison noch seltener geworden und wie beim Manöver Alonso gegen Heidfeld allenfalls nur bei großen Geschwindigkeitsunterschieden oder mit viel Risiko möglich. Das Problem der langweiligen Rennen ist allerdings technisch bedingt: Die hocheffiziente Aerodynamik der Rennwagen sorgt dafür, dass die Boliden noch sensibler auf die Luftverwirbelungen der Vorausfahrenden reagieren. Diese schlechte Luft (englisch: "bad air") sorgt vor allem in schnellen Kurven für einen rapiden Gripverlust.

Kaum erkennt die Boxencrew anhand von Telemetrie-Daten die Luftverwirbelungen, hört man auch schon die Fahrer im Boxenfunk über verminderten Abtrieb zu klagen. "Bereits 300 Meter hinter einem Auto bekommstdu die Auswirkungen zu spüren", sagt Felipe Massa. Der Brasilianer weiß, wovon er spricht. In Monaco hing er fünf Runden lang hinter dem Super Aguri von Anthony Davidson fest, obwohl er pro Runde bis zu 1,5 Sekunden fahren konnte.

Ferrari besonders betroffen

Aber auch für die Überrundeten ist die Situation nicht einfach: Besagter Davidson ließ Massa in Monaco trotz blauer Flaggen rundenlang nicht passieren, weil er den Ferrari hinter sich nur entfernt im Rückspiegel sah. Massa kam kaum näher als eineinhalb Sekunden an den Engländer heran. In den Häuserschluchten von Monte Carlo fängt sich die schlechte Luft noch länger als auf anderen Pisten. Ferrari-Chefdesigner Aldo Costa klagt: "Die schlechte Luft kann bis zu drei Sekunden lang hinter einem Auto stehen bleiben".

Der aerodynamisch hochsensible Ferrari ist durch das Phänomen besonders gehandicapt. Kurzfristige Lösungen sind nicht in Sicht. Nur durch Reglement-Änderungen könnte die FIA Abhilfe schaffen. Diese müssen jedoch mindestens anderthalb Jahre vorher angekündigt werden. Die Fans müssen also im schlimmsten Fall noch bis 2009 mit Überholflaute in der Formel 1 leben.

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