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Schlechte Nachricht für Ferrari

Neuer Mercedes-Motor im Schongang

Lewis Hamilton - GP Italien 2015 Foto: ams 54 Bilder

Nach dem Qualifying von Monza strahlte das Ferrari-Lager. Der neue Motor brachte die Roten in die Nähe der Silberpfeile. Im Rennen war der alte Abstand aber wieder hergestellt. Die Analyse der Sektor-Zeiten und der Top-Speeds liefert die Erklärung für das Rätsel.

10.09.2015 Michael Schmidt

Mercedes hatte für das Highspeed-Spektakel in Monza 7 Token eingelöst. Ferrari zündete nur 3 Entwicklungs-Token. Nach dem Trainingsergebnis hatten alle den Eindruck, dass Ferrari mehr PS gefunden hat als Mercedes. Ferrari fehlten nicht einmal 3 Zehntel auf den Trainingsschnellste Lewis Hamilton. Gleiches Bild bei den Sektorzeiten, die im Vergleich Vettel gegen Hamilton nur zwischen 0,007 und 0,150 Sekunden auseinanderlagen. Der Abstand schien gegenüber den Rennen davor halbiert.

Auch bei den Top-Speeds lag Ferrari näher an den Silberpfeilen dran als sonst. Im Top-Speed am Ende der Zielgerade fehlten Sebastian Vettel nur 2,6 km/h. An der Messstelle vor der Ascari-Kurve war er sogar um 3,4 km/h schneller als Hamilton. Und auf dem Zielstrich fehlten 2,8 km/h. Mercedes-Teamchef Toto Wolff schloss daraus: "Ferrari hat mit dem Motor einen großen Schritt gemacht."

Ferrari verlor im Rennen mehr als im Training

Der eigene Fortschritt wurde im Lager der Silberhemden klein geredet. "Die Modifikationen sind die Plattform für eine völlig neue Entwicklungsrichtung, die uns einmal deutlich mehr Leistung bringen soll", erklärte Wolff. Brennraum und Ventiltrieb wurden für neue Benzin- und Ölentwicklungen von Petronas angepasst. Außerdem war es ein taktischer Eingriff. Viele der Bereiche, an denen die Ingenieure aus Brixworth Verbesserungen anbrachten, sind 2016 vom Reglement her geschlossen.

Niki Lauda bezifferte den Vorteil des neuen Motors bescheiden auf ein Zehntel. Das Rennen erzählte jedoch eine andere Geschichte. Und es verriet die Wahrheit. Während Hamilton bei den Geschwindigkeiten relativ nah an seine Qualifikationswerte herankam, fiel Vettel im Vergleich zum Training deutlich ab. Beim Top-Speed betrug die Differenz 9,2 statt 2,6 km/h, vor der Roggia-Schikane 7,7 statt 4,4 km/h und im Anflug auf die Ascari-Kurven drehte der Mercedes-Pilot die Reihenfolge um. Von minus 3,4 auf plus 3,1 km/h (siehe Tabelle unten).

Die Runden- und Sektorzeiten verfestigten die Tatsache, dass Mercedes im Rennen den alten Abstand zu Ferrari wieder herstellte. Hamilton schnellste Rennrunde lag 0,704 km/h unter der von Vettel. In den Sektoren verdoppelte sich der Unterschied teilweise. Hamilton und Vettel hatten dabei vergleichbare Rennen. Beide fuhren relativ einsam ohne DRS-Hilfe. Und beide mussten Gas geben. Vettel, weil Nico Rosberg näher kam. Hamilton, weil er wegen der Reifendruck-Affäre ein Polster brauchte.

Neuer Mercedes V6 hat noch Reserven

Der Vergleich von Training und Rennen in Monza lässt zwei Schlüsse zu. Erstens: Ferrari ist jetzt in der Lage, die Leistung im Quali-Modus ähnlich zu steigern wie die Mercedes-Piloten. Und zweitens: Lewis Hamilton durfte in der Qualifikation nicht am Boost-Knopf drehen. Beweis sind die Top-Speed-Werte im Vergleich zu Vettel und Felipe Massa im Williams-Mercedes. Massa verlor unter Rennbedingungen ähnlich stark wie Vettel.

Das sind keine guten Nachrichten für die Konkurrenz. Der neue Mercedes-Motor kann im Renn-Modus offenbar das, was die Kunden-Triebwerke und Ferrari in der Qualifikation entfesseln. Da stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Ausbaustufe einmal ausgereift ist und der Qualifying-Modus aktiviert wird.

Über die Gründe, warum Hamilton im Training an die Kette genommen wurde, lässt sich nur spekulieren. Die Ausbaustufe des Mercedes V6-Turbo ist so neu, dass die Ingenieure erst einmal lernen wollten. Sie erhielt ihre Rennfreigabe erst am Donnerstagmittag vor dem Grand Prix. Dazu kam, dass bei Rosbergs Motor nach dem dritten Training Wasser im Öl entdeckt wurde. Da man zum Zeitpunkt der Qualifikation den Grund noch nicht kannte, wäre es zu viel Risiko gewesen, Hamilton mit Extra-Power zu verwöhnen. Es reichte auch so für die Pole Position.

HamiltonVettelDifferenzMassa
Beste Runde Q1.23,397 min1.23,685 min0,288 s1.23,940 min
Topspeed Q351,3 km/h348,7 km/h2,6 km/h351,7 km/h
Speed Roggia Q332,8 km/h328,4 km/h4,4 km/h335,7 km/h
Speed Ascari Q341,5 km/h344,9 km/h-3,4 km/h344,0 km/h
Speed Zielstrich Q318,9 km/h316,1 km/h2,8 km/h321,2 km/h
Sektor 1 Q26,973 s27,087 s0,114 s26,922 s
Sektor 2 Q28,467 s28,474 s0,007 s28,768 s
Sektor 3 Q27,816 s27,966 s0,150 s28,191 s
Beste Runde R1.26,672 min1.27,376 min0,704 s1.27,874 min
Topspeed R351,9 km/h342,7 km/h9,2 km/h346,9 km/h
Speed Roggia R330,8 km/h323,1 km/h7,7 km/h334,6 km/h
Speed Ascari R336,0 km/h332,9 km/h3,1 km/h336,8 km/h
Speed Zielstrich R318,4 km/h315,3 km/h3,1 km/h320,1 km/h
Sektor 1 R27,571 s27,776 s0,205 s27,740 s
Sektor 2 R29,957 s30,028 s0,071 s30,410 s
Sektor 3 R29,000 s29,116 s0,116 s29,581 s
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