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Scherz am Funk

Wie Perez seinem Team Angst einjagte

Sergio Perez GP Japan 2011 Foto: Daniel Reinhard 60 Bilder

Sergio Perez holte in Suzuka für Sauber wichtige Punkte. Mit einem schlechten Scherz am Funk sorgte der Mexikaner allerdings für zwischenzeitliche Schweißausbrüche bei der Teamleitung. Kamui Kobayashi vermasselte sein Heimrennen mit einem schlechten Start.

11.10.2011 Bianca Leppert

Bei Sauber wusste man nach dem Rennen in Suzuka nicht, ob man sich freuen oder ärgern soll. Was wäre passiert, wenn Kamui Kobayashi beim GP Japan einen guten Start erwischt hätte? Die Frage wollte man sich am liebsten gar nicht stellen. Doch es gibt zu denken, wenn Teamkollege Sergio Perez von Startplatz 17 in die Punkte fährt. Ausgerechnet vor all seinen Fans in seinem Heimatland erwischte Kobayashi einen schlechten Start. Nach nur einer Runde wurde der Japaner nur noch auf Platz zwölf gelistet.

"Als ich beim Start die Kupplung losließ, war das Auto plötzlich im ‚Anti-Stall-Modus‘ und die Drehzahl im Keller", erklärt Kobayashi den Vorfall aus seiner Sicht. Technikchef James Key sieht die Ursache für das Missgeschick zum einen im hohen Grip-Level auf der Strecke, zum anderen weil Kobayashi beim Losfahren leicht vom Pedal ging.

Kobayashi nach Startproblem chancenlos

Weil Michael Schumacher vor Kobayashi ebenfalls auf weichen Reifen startete, setzte Sauber auch seinen Schützling auf die Option-Gummis. Doch mit dem Problem am Start ging die Strategie nicht mehr auf. Statt sich an die Spitzengruppe dranzuhängen und Zeit herauszufahren, steckte Kobayashi im Verkehr. "Er hing hinter Fahrern mit den harten Reifen fest, die viel langsamer damit waren. So hat unsere Strategie nicht funktioniert", bedauert Key.

Das Safety-Car kam in Runde 24 auch nicht gerade zur rechten Zeit für Kobayashi. Der Sauber-Pilot kam zum zweiten Reifenwechsel an die Box, musste aber noch 29 Runden mit dem Medium-Reifen ausharren. So viele Runden auf dem Medium-Reifen absolvierte kein anderer Fahrer im Feld. Der Mittelwert lag bei rund 20 Runden.

"Am Ende waren sie so hinüber, dass ich meine Position nicht mehr verteidigen konnte", meint Kobayashi. Zunächst lag er nach den Boxenstopps auf Rang neun, doch ab Runde 45 ging es nur noch bergab. Kobayashi wurde von der Konkurrenz mit weichen Reifen nach und nach aufgeschnupft.

Perez' Husarenritt mit Grippe

Sein Teamkollege Sergio Perez verfolgte nach einem Hydraulikproblem im Qualifying vom 17. Startplatz eine andere Strategie. "Wir wollten mit dem Prime-Reifen anfangen und lange fahren", erklärt Key. "Nach dem Problem im Qualifying gestern hatten wir noch zwei neue Sätze weiche Reifen." Insgesamt war es aber nicht einfach, den Königsweg zu finden. "Der Soft-Reifen war der schnellere Reifen. Die Abnutzung war nicht so groß, aber wir mussten damit haushalten. Beim Medium-Reifen war die Abnutzung in Ordnung, aber er war viel langsamer. Es war ein Mix aus kurz oder lange draußen bleiben. Ein Boxenstopp dauert 20 Sekunden. Die Frage war, kannst du 20 Sekunden auf der weicheren Mischung rausholen, um die 20 Sekunden zurückzubekommen?"

Bei Perez ging die Taktik jedenfalls auf. Für Platz acht erntete der Mexikaner weitere vier Punkte im Kampf um Platz sechs in der Konstrukteurswertung. Sein Team ließ er kurz vor Ende des Rennens aber nochmal zittern. Über Funk gab er durch "Lost power, lost power". Peter Sauber rutschte das Herz in die Hosen. Dabei machte Perez nur einen Scherz, um alle wach zu halten.

Nebenbei drehte er die zweitschnellste Rennrunde mit nur einem Tausendstel Rückstand auf Button - und das obwohl er von einer schweren Grippe geplagt wurde. Force India liegt nun nur noch acht Punkte vor Sauber. Die Schweizer können in den nächsten Rennen auf mehr hoffen. Das neue Aero-Paket scheint zu funktionieren. "Wir müssen aber noch mehr mit dem Auto arbeiten. Es macht ein paar Zehntel aus. Ich will es aber nicht genau sagen, sonst reagieren unsere Konkurrenten vielleicht", sagt Key und schmunzelt.

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