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Schlupfloch in den F1-Regeln

So funktioniert der neue S-Schacht Trick

Mercedes - S-Schacht - F1-Test - Barcelona 2016 Foto: Stefan Baldauf 15 Bilder

Mercedes und Toro Rosso haben neue S-Schacht Lösungen gezeigt. In beiden Fällen tritt die Luft durch die Nase ein. Das ist eigentlich verboten, weil die Nase keine Löcher aufweisen darf. Doch es gibt ein Schlupfloch für den Trick. Man muss Artikel 3.7.8. nur richtig lesen.

01.03.2016 Michael Schmidt

Der S-Schacht ist eine alte Erfindung. Ferrari hatte 2008 als erstes Team eine Schleuse durch die Nase, um die Luft zu beschleunigen, die über das Cockpit strömt. Doch 2014 schob die FIA dem S-Schacht einen Riegel vor. Löcher in der Nase wurden verboten. Natürlich nicht einfach so. Ingenieure und Juristen haben das in einen komplizierten Text in Artikel 3.7.8. gefasst.

Entscheidend ist der erste Absatz, den wir Ihnen hier erst einmal in der englischen Originalfassung gönnen: "Only a single section, which must be open, may be contained with any longitudinal vertical cross section taken parallel to the car center line to the car forward of a point 150 mm ahead of the front wheel centre line, less than 250 mm from the car centre line and more than 125 mm above the reference plane"

Erste S-Schacht Versionen hielten sich an Verbot

Alles klar? Wir übersetzen mal, was aufgrund der komplizierten Satzstellung nicht ganz einfach ist: "Nur ein einziger offener Abschnitt darf innerhalb eines vertikalen Längsquerschnitts parallel zur Auto-Mittellinie vor einem Punkt 150 mm vor der Vorderrad-Mittellinie, weniger als 250 mm von Auto-Mittellinie entfernt und 125 mm über der Referenz-Ebene enthalten sein."

Die ersten S-Schacht Versionen in der Neuzeit hielten sich an das vermeintliche Verbot von Löchern in der Nase. Der Lufteintritt unterhalb des Chassis wurde an den frühest möglichen Punkt gelegt, dort wo die Nase in das Chassis übergeht. Damit fiel der Kanal nach oben ziemlich steil aus, weil die Luft ein gutes Stück vor dem Cockpit austreten muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Toro Rosso und Mercedes mit zwei separaten Schächten

Doch dann begannen die Ingenieure die Regeln genauer zu lesen. Die Initialzündung gab Force India mit seinen Nasenlöchern. Egal, von welcher Seite man mit geradem Blick auf die Löcher schaut, man kann nie durch sie hindurchsehen. Sie sind so trickreich verdreht, dass es keine offene Sektion in der Nase gibt. Den gleichen Denkansatz machen jetzt Toro Rosso und Mercedes mit ihren S-Schächten zunutze.

Sie haben den Lufteintritt weit nach vorne, also in die verbotene Zone gelegt. Toro Rosso an die seitlichen unteren Kanten. Mercedes hat die Nase mit einer Unterlippe versehen, die von der Seite wie ein geöffnetes Haimaul aussieht. Beide haben nach dem Force India-Vorbild zwei getrennte Schächte, die sich später in der "grünen Zone" zu einem vereinen.

Diese beiden Schächte im Inneren der Nase sind in der kritischen Sektion 150 Millimeter vor der Mittelachse Vorderrad so kunstvoll verdreht, das man nirgendwo 2 Öffnungen sehen würde, würde man die Nase in Längsrichtung in Scheiben schneiden und dann gerade von vorne draufschauen. Mit einem Schacht ist das nicht möglich. Man braucht zwei, die diagonal von vorne nach hinten führen. Und was bringt der frühe Lufteintritt? Es ist einfacher und effizienter, die Luft in die Nase zu leiten.

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