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Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Bahrain ist ein Spiel mit dem Feuer

GP Bahrain Schild Formel 1 F1 Foto: xpb 30 Bilder

Ist es klug, dass der Grand Prix-Zirkus in diesem Jahr in Bahrain Station macht? Formel 1-Experte Michael Schmidt warnt in seinem aktuellen Blog vor dem unnötigen Risiko. Er befürchtet, dass das Rennen zum Eigentor wird.

11.04.2012 Michael Schmidt

Am 22. April fährt die Formel 1 in Bahrain. So steht es im Kalender. Der Grand Prix könnte theoretisch noch bis zum Sonntag davor abgesagt werden, doch das kann sich zwei Wochen vor dem Ereignis fast keiner mehr vorstellen. Ist es klug nach Bahrain zu gehen? Wahrscheinlich nicht.

Lassen wir mal den politischen Aspekt beiseite, der die Austragung von Sportveranstaltung auch in einigen anderen Ländern in Frage stellen würde. Die Frage bei diesem Grand Prix ist doch: Wer profitiert von der Austragung? Wahrscheinlich am allerwenigsten diejenigen, die sich davon einen Profit erhoffen.

Bahrain rückt in den Fokus

Nehmen wir die Regierung von Bahrain. Sie glaubt, dass der Grand Prix zu Recht oder zu Unrecht wieder ein bisschen Normalität in ihr von Unruhen gebeuteltes Land bringt. Von den Bildern ablenkt, die vielen noch im Kopf sind. Demonstrationen, Schüsse, Verhaftungen. Doch wie groß ist die Chance, dass sie ihr Ziel erreicht? Vermutlich ziemlich gering.

Bis jetzt segelt Bahrain ganz kommod im Windschatten der Gewalttätigkeiten in Syrien. Die Untaten des Regimes Assad sind das Thema, das die Medien beherrscht. Das kleine Bahrain schafft es da höchstens in die Rubrik "kurz notiert".

Das wird in dem Augenblick anders, an dem der GP-Zirkus auf der Halbinsel im Arabischen Golf aufschlägt. Dann sind die Augen der Welt auf das Land gerichtet, das einmal die Schweiz des Nahen Ostens genannt wurde. Das ist eine Einladung für alle Demonstranten, auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Viel wird davon abhängen, wie die Regierung mit dem Thema umgeht.

Sicherheit um jeden Preis

Und da lauert schon das nächste Falle. Bahrain wird alles tun, damit der Formel 1-Tross sicher seinen Grand Prix abhalten kann. Ich würde darauf wetten, dass wir nirgendwo sicherer sein werden als zwischen der Hauptstadt Manama und der Rennstrecke in Sakhir. Die Frage ist zu welchem Preis?

Wenn die Polizei oder das Militär Proteste oder Übergriffe der Demonstranten mit aller Härte niederschlägt, dann wird aus der vermeintlichen Werbung für das Land schnell ein Eigentor. Weil die Kameras und Mikrophone der Weltpresse überall sein werden, nicht nur auf der Rennstrecke.

Auch Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt gehen ein Risiko ein. Ein Scheitern der Mission Bahrain wird ihnen persönlich angelastet werden. Man wird Ecclestone der Geldgier bezichtigen und Todt dem Stimmenfang für die nächste Präsidentenwahl. Und man wird erwähnen, dass der ART-Rennstall von Nicolas Todt genauso mit Geld aus Bahrain finanziert ist wie der von McLaren.

Man wird auch ins Feld führen, dass Ferrari, Mercedes und Toro Rosso Sponsoren aus dem Arabischen Raum haben. Im Tennis würde man von einem "unforced error" sprechen.

Formel 1 in der Zwickmühle

Es gibt zwei Beispiele in der Geschichte der Formel 1, in der der Schuss zum Teil nach hinten losgegangen ist. Der Grand Prix-Zirkus gastierte von 1977 bis 1981 in Argentinien, obwohl alle Welt wusste, dass das Land unter einer Militärdiktatur litt. Er fuhr trotz eines Boykotts von Renault und Ligier 1985 noch einmal nach Südafrika, obwohl weltweit um die Absage des Rennens gebeten worden war, um ein Zeichen gegen die Apartheid-Politik des Landes zu setzen.

Bernie Ecclestones wird sagen, dass es die Formel 1 immer noch gibt. Und dass ein Fernbleiben auch nichts an der politischen Lage geändert hätte. Mag sein. Die Formel 1 ist damals mit einem blauen Auge davon gekommen. Doch dafür gibt es keinen Garantieschein.

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