Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Schumi liegt mit Reifenkritik falsch

Michael Schumacher GP Bahrain 2012 Pirelli Reifen Foto: Wolfgang Wilhelm 29 Bilder

Michael Schumacher schiebt Reifenfrust. Der Altmeister vermisst den Fahrspaß mit den aktuellen Pirelli-Gummis. Doch die Fans jubeln über spannende Rennen und überraschende Ergebnisse. Schumi hat keine Wahl. Er muss sich an die Reifen gewöhnen, meint F1-Experte Michael Schmidt.

23.04.2012 Michael Schmidt

Auf dem Papier liest es sich gut. Michael Schumacher machte beim GP Bahrain zwölf Plätze gut. Andererseits hatte er mehr frische Reifen als jeder andere Fahrer im Feld. Trotzdem holte er sich jedes Mal zwei Runden früher neue Reifen an den Boxen ab als Sieger Sebastian Vettel, der mit Ausnahme des letzten Turns immer mit angefahrenen Sohlen haushalten musste. Vettel hatte den Vorteil, dass er immer freie Fahrt hatte, während sich Schumacher durch den Verkehr kämpfen musste. Das stresst naturgemäß die Reifen. Und der Fahrer kann nicht so fahren wie er will.

Pirelli Formel 1 Reifen 2012 1:58 Min.

Schumacher kritisiert Pirelli-Reifen

Nach dem Rennen ließ Schumacher Frust ab. "Wir sind gezwungen, immer unter unserem eigenen Limit zu fahren oder dem des Autos. Da stellt sich die Frage, ob Pirelli nicht seine Strategie überdenken sollte. Lieber Reifen die länger halten, und dafür können wir dann mit dem Speed eines Rennautos fahren statt herumzurollen, als wären wir hinter dem Safety Car."

Der siebenfache Weltmeister fügte hinzu, dass der Großteil der Fahrer so denkt. Mit dieser Einschätzung hat er Recht. Auch Sebastian Vettel ist manchmal frustriert, wenn ihm der Reifen die Fahrweise diktiert. Und trotzdem liegen er und seine Kollegen falsch. Weil es kurzsichtig gedacht ist.

Reifenverschleiß garantiert spannende Rennen

Wenn sich Schumacher die alten Bridgestone-Zeiten und die Ära der Tankstopps zurückwünscht, dann erleben wir Prozessionen und eintönige Rennen wie zwischen den Jahren 2000 und 2004. Da war jede Rennrunde eine Qualifikationsrunde, weil der Reifen kaum abbaute und die Spritmenge sich zwischen den einzelnen Tankstopps in einem begrenzten Rahmen hielt.

Das Fahrverhalten änderte sich in den kurzen Segmenten deutlich weniger als heute, wo man mit 150 Kilogramm Sprit losfährt und fast leerem Tank aufhört. Das Ergebnis des Trainings wiederholt sich logischerweise im Rennen, weil sich die beiden Disziplinen zu ähnlich sind.

Nur verbohrte Schumi-Fans behaupten heute noch, dass die Formel 1 in dieser Zeit spannender war. Ein Blick auf die ersten vier Rennen dieses Jahres zeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. 2002 hatten wir in der gesamten Saison drei unterschiedliche Gewinner und sieben Fahrer auf dem Podest. Überholmanöver Fehlanzeige. In diesem Jahr gab es bereits vier verschiedene Sieger, acht Fahrer auf dem Podest und 18 in den Punkterängen.

Pirelli sorgt für Überraschungen

In China und Bahrain wurde überholt wie zu Zeiten der seligen Formel Ford. Keiner kann heute vorhersagen, wer das Rennen gewinnt. Mit Sauber-Pilot Sergio Perez auf Platz zwei in Malaysia, dem ersten Mercedes-Sieg in China und der Lotus-Sternstunde in Bahrain gab es bereits drei faustdicke Überraschungen. Und selbst ein Spitzenteam wie McLaren kann einmal voll danebengreifen.

Der Fahrspaß im Cockpit mag auf eine Runde bezogen leiden. Doch das ist dem Zuschauer egal. Er kann weder an der Strecke noch am TV-Schirm erkennen, ob die Runde drei Sekunden langsamer oder schneller war. Da müssen die Fahrer über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken. Ein Autokonvoi ohne Überholmanöver lockt heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Die Piloten bekommen ja auch etwas zurück. Sie kämpfen wieder Rad an Rad. Am Ende wird eben der belohnt, der am schnellsten langsam fährt. Auch das ist eine Kunst.

Pirelli-Reifenchef Paul Hembery gab Michael Schumacher die passende Antwort auf die Kritik: "Einige Fahrer lösen die gestellte Aufgabe besser als die anderen. Und weil es jedes Mal ein anderer Fahrer ist, fühlen wir uns in unserer Strategie bestätigt. Es zeigt, dass man sich bei jedem Rennen neu auf die Verhältnisse einstellen muss. Zurzeit macht mehr der Fahrer den Unterschied als das Auto. Und das ist doch, was alle wollen."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden