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Schmidts F1-Blog

Am Formel 1-Format wird nicht gerüttelt!

Montezemolo & Ecclestone - GP Italien 2012 Monza Foto: xpb

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat wieder einmal Vorschläge gemacht, wie man die Formel 1 zuschauerfreundlicher machen kann. Formel 1-Experte und Traditionalist Michael Schmidt will keine Änderungen am Format. Warum, das erklärt er in seinem aktuellen Blog.

13.09.2012 Michael Schmidt

Luca di Montezemolo hat mal wieder gesprochen. Der Ferrari-Präsident taucht jedes Jahr in Monza auf und hält dann eine Rede zur Lage der Nation. Meistens trägt er dabei seine Ideen vor, wie man die Formel 1 verbessern könnte. Auch dieses Jahr waren wieder zwei Vorschläge dabei, die dem Hardcore-Fan den Schweiß auf die Stirn treiben. Die Beiträge sind nicht neu, sie werden jedes Jahr nur neu aufgewärmt, was sie aber nicht unbedingt besser macht.

Montezemolo fordert neues Formel 1-Format

Lassen wir Luca di Montezemolo zu Wort kommen. Er fordert ein anderes Rennformat. "Eineinhalb Stunden Grand Prix sind eine lange Zeit für junge Leute. Vielleicht sollten wir das Rennen in zwei Teilen austragen." Lieber Luca, was soll der Quatsch? Ein Grand Prix ist eine Prüfung für die besten Piloten der Welt. Sie sollen nicht zwei Mal 45 Minuten am Limit kämpfen und dazwischen auf die Massagebank rennen, sondern mindestens die doppelte Zeit am Stück. Das macht sie zu Formel 1-Fahrern.

Ein Sprintrennen entwertet den Begriff Grand Prix. Und was dann? Wollen wir die Zeiten addieren und die Zuschauer noch mehr verwirren? Oder wollen wir 40 statt 20 Einzelwertungen? Wie soll im zweiten Lauf gestartet werden? Vielleicht so wie bei dem unseligen GP-System, das für die ersten Acht die Startreihenfolge umdreht? Das ist dann wirklich Zirkus und nicht mehr Sport.

Formel 1-Show aktuell richtig gut

Was soll eine Pause dazwischen bringen? Dass sich die Leute ein Bier aus dem Kühlschrank holen können? Das geht auch so. Zum Beispiel bei den Werbepausen in RTL. Zwei Rennen mit Unterbrechung stehlen den Zuschauern noch mehr Zeit am Sonntag. Ein Fußballspiel hat zwar eine Pause, aber die ist nicht dazu da, dass sich die Zuschauer erholen können. Da geht es um die Spieler. In Summe dauert ein Fußballspiel eindreiviertel Stunden. Hat sich darüber jemals einer beschwert? Fußball ist so erfolgreich, weil an den Grundfesten dieses Sports nie etwas geändert wurde.

Die Formel 1 versucht immer dem Mainstream hinterherzuhecheln und gräbt sich damit eine Grube nach der anderen. Wenn Luca di Montezemolo meint, dass sich die jungen Leute nicht mehr eineinhalb Stunden am Stück konzentrieren können oder wollen, dann liegt das nicht daran, dass die Show schlecht ist. Die ist nämlich verdammt gut, wie die beiden letzten Grand Prix in Spa und Monza gezeigt haben. Eineinhalb Stunden werden nur zu lang, wenn die TV-Berichterstattung nicht in der Lage ist, das Rennen interessant und spannend zu erklären.

RTL reduziert einen Grand Prix auf zwei Personen: Sebastian Vettel und Michael Schumacher. Dass einem da mit der Zeit langweilig wird, muss keinen wundern. Die RAI in Italien soll noch schlimmer sein. Die Boxenreporterin soll schon drei Mal Felipe Massa Fragen gestellt haben, die eigentlich an Fernando Alonso gerichtet waren. Schöne, niveaulose Fernsehwelt. Dass dem Ferrari-Chef da die Lust am Zuschauen vergeht, kann man fast verstehen. Er sollte sich mal bei der BBC einen Grand Prix anschauen. Da hält er auch eineinhalb Stunden durch.

Verlegung der Startzeiten auf den Abend?

Di Montezemolo fordert auch eine Verlegung der Startzeiten. "Es macht keinen Sinn, in den Sommermonaten einen Grand Prix um 14 Uhr zu starten, wenn die Leute lieber am Strand liegen oder Urlaub machen. Warum machen wir es nicht so wie der Fußball? Die spielen am Abend." Damit hat Montezemolo zum Teil Recht. Die Startzeit um 14 Uhr ist nicht familienfreundlich. Die Formel 1 verliert an Sonntagen mit schönem Wetter bestimmt etliche Zuschauer, weil die sich in der Zeit lieber anderweitig beschäftigen.

Die Frage ist nur, ob die Startzeit in den Abend gelegt werden muss. Die traditionellen Rennstrecken in Europa haben kein Flutlicht. Es würde immense Kosten verursachen, sie nachzurüsten. Außerdem ginge dann der Reiz des bislang einzigen Nachtrennens in Singapur verloren.

Man könnte aber einen Grand Prix durchaus zwei oder drei Stunden früher starten. In den 70er Jahren begann der spanische Grand Prix durchweg um 12 Uhr mittags, weil die Leute um 16 Uhr zum Stierkampf wollten. Es hat den Einschaltquoten bestimmt nicht geschadet.

Am Mittag sind die Leute vielleicht noch eher zu Hause. Selbst ein Start am Vormittag wäre eine Überlegung wert. Das Indy 500 wird seit Jahr und Tag um elf Uhr morgens gestartet. Um 14 Uhr ist der Zauber vorbei. Das größte Autorennen der Welt ist damit seit 100 Jahren gut gefahren.

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