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Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Auch Vettel hätte nicht fürs Team gebremst

Sebastian Vettel GP Europa Valencia 2011 Foto: xpb 54 Bilder

F1-Experte Michael Schmidt verteidigt in seinem aktuellen Blog die Entscheidung von Mark Webber, die Red Bull-Stallregie in Silverstone zu verweigern. Sebastian Vettel hätte wohl nicht anders gehandelt, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

15.07.2011 Michael Schmidt

Wir haben mal wieder einen Fall von Stallregie. Diesmal ganz legal. Seit diesem Jahr darf der Kommandostand eingreifen, wenn er glaubt, dass es dem Wohl des Teams dient. Und wenn man es nicht so dämlich anstellt wie Ferrari 2002 am A1-Ring.

Diesmal machte sich Red Bull bei den Fairplay-Wächtern unbeliebt. Fünf Runden vor Schluss ging der erste Befehl über Funk an Mark Webber, seinen Teamkollegen Sebastian Vettel nicht mehr anzugreifen. Sofort wurden Vergleiche zur Stallregie von Ferrari vor einem Jahr in Hockenheim laut. Dabei lassen sich beide Dinge gar nicht vergleichen. Felipa Massa wurde aufgefordert, Fernando Alonso überholen zu lassen. Von Webber forderte das Team "nur" einen Nichtangriffspakt. Massa fügte sich nach langem Zögern in sein Schicksal. Webber hörte einfach weg. Alonso brauchte damals jeden Punkt. Vettel hat aktuell ein Polster von 80 Zählern auf seinen Teamkollegen.

Soweit die Fakten. War es richtig von Red Bull, seinen Fahrer einzubremsen? In der speziellen Situation ja. Red Bull hatte weniger Angst, dass Vettel etwas von seinem riesigen Vorsprung einbüßt, sondern man fürchtete eher eine Kollision im Eifer des Gefechts. Man kennt seinen Pappenheimer ja seit dem GP Türkei vom letzten Jahr.

Stallregie-Entscheidung nachvollziehbar

Vettel und Webber waren mit einer ähnlichen Strategie unterwegs. Der Deutsche hatte seinen letzten Reifenwechsel zwei Runden früher als der Australier. Das waren genau die beiden Runden Unterschied, die bei Vettel zum Einbrechen der Reifen führten. Webber bekam in der letzten Runde die gleichen Probleme. Somit wäre es aus Sicht des Teams dumm gewesen, etwas zu riskieren.

Die Geschichte wäre eine andere gewesen, hätte Webber eine völlig konträre Strategie zu Vettel gefahren, zum Beispiel zwei statt drei Boxenstopps. Wenn er dann in den letzten Runden zu seinem Stallrivalen aufgeschlossen hätte, eben weil er geschickter taktiert hat, dann wäre eine Stallregie eine Strafe für Webber gewesen. Und sein ganzes Team, angefangen vom Renningenieur bis hin zu den Mechanikern.

Vettel lehnte es 2010 ab, für Webber zu fahren

War es verständlich, dass Webber den Befehl von der Boxenmauer ignoriert hat? Auf jeden Fall. Rennfahrer lassen sich nicht gerne zurückpfeifen. Spitzenpiloten schon gar nicht. Auch Vettel hätte in einer vergleichbaren Situation weggehört. Man weiß heute, dass Red Bull im Finale 2010 alle Karten auf Webber setzen wollten, vor allem als Vettels WM-Chancen nach dem Motorplatzer in Korea nur noch in der Theorie bestanden. Vettel hat sein Team damals wissen lassen, dass er für niemanden Platz macht, solange er selbst noch irgendeine Chance hat. Man stelle sich vor, der Heppenheimer hätte damals eingelenkt, hätte Webber in Brasilien den Sieg geschenkt. Dann wäre er heute nicht Weltmeister. Und würde sich ein Leben lang ärgern.

Und wer glaubt ernsthaft, dass Fernando Alonso, Lewis Hamilton oder Michael Schumacher sofort den Fuß vom Gas genommen hätten? Rennfahrer sind Egoisten. Sie müssen es sein, sonst setzen sie sich im Pulverdampf der Formel 1 nicht durch. Ich bin überzeugt, dass Webber austesten wollte, wie weit sein Team geht. Der Australier steht an der Schwelle zwischen Aufhören und Weitermachen. Er weiß, dass Red Bull zur Zeit in seinem eigenen Kader keinen geeigneten Ersatz für ihn hat.

Webber kann Forderungen stellen

Gefühlsmäßig würde er vielleicht lieber Schluss machen. Webber merkt, dass Vettel meistens den kleinen, entscheidenden Tick schneller ist. So wie Webber letztes Jahr von den Bridgestone-Einheitsreifen profitierte, so hat er an den unberechenbaren Pirellis zu knabbern. Reifenflüsterer Vettel kommt mit dem italienischen Gummi besser zurecht.

Warum soll das 2012 anders werden. Warum soll sich das Webber noch einmal antun. Wenn ihn Red Bull bittet, würde er sich vielleicht überreden lassen. Aber nur unter der Bedingung, dass er bei den Gelegenheiten, bei denen der Vettel schlagen kann, dann auch freie Fahrt hat. Nach dem Grand Prix von England werden da seine Zweifel vielleicht etwas größer geworden sein.

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