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Schmidts F1-Blog

Bernies politischer Selbstmord

Bernie Ecclestone - Formel 1 - 2013 Foto: xpb 41 Bilder

Bernie Ecclestone schimpft auf die neue Formel 1. Das hat er schon getan, als die Reformen noch zu verhindern gewesen wäre. Jetzt sind sie Realität. Und es gibt kein Zurück mehr. Doch wenn der Chef sein eigenes Produkt schlechtredet, dann ist das Selbstmord, meint F1-Experte Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

31.01.2014 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone war nicht in Jerez. Er hat die neuen Motoren nicht gehört und die neuen Autos nicht gesehen. Ihm lagen nur die Rundenzeiten vor. Und erste Frontberichte von denen, die jetzt unzufrieden sind. Die Bestzeit liegt 5,39 Sekunden über dem Vorjahreswert. An vier Tagen in Jerez wurden ein Drittel weniger Runden gedreht als im Vorjahr. Die neuen Motoren klingen anders. Ob man den Sound gut oder schlecht findet, ist Geschmackssache. Ich sage: Er wird keinen Fan vertreiben.

Ecclestone kritisiert Formel 1-Entwicklung

Trotzdem holte der Formel 1-Chef in einem Bericht der Daily Mail zum Rundumschlag aus. "Ich habe immer gesagt, dass es eine totale Farce wird. Sie wollten diese neuen Motoren, aber wenn sie so fahren wollen, sollten sie lieber nach Le Mans gehen. Sie reden vom Spritsparen. Dazu braucht man diese Motoren nicht. Besser wären kleinere Motorhomes und damit weniger Lastwagen. Mercedes fährt mit 23 Trucks an die Strecke. Die Leute wollen Lärm, etwas Besonderes. Das hat die Formel 1 ausgemacht. Jetzt haben wir leise Motoren und keiner fährt. Das Ganze ist total absurd."
 
Zur Ehrenrettung von Ecclestone sei gesagt, dass er von Anfang an vor diesem neuen Format gewarnt hat. Bereits zu einem Zeitpunkt, als man die Regeln noch hätte verhindern können. Und wenn es einen gibt, der das tun hätte können, dann Bernie. Er hat ja auch die völlig unsinnigen doppelten Punkte zum Saisonende gegen alle Widerstände durchgedrückt. Die Situation ist nun aber wie sie ist. Und sie ist nicht mehr zu ändern. Wenn der Formel 1-Chef jetzt sein eigenes Produkt schlecht redet, dann ist das Selbstmord. Das ist ungefähr so, als würde der Vorstand eines Automobilkonzerns sagen: "Unsere Autos sind Mist."

Top-Teams verhindern F1-Sparplan

Ecclestone spricht von den horrenden Kosten, die diese Übung gekostet hat. Da hat er völlig Recht. Doch sein Ansatz ist ein falscher. Es hat nichts mit der Anzahl der Trucks zu tun, die an eine Rennstrecke kommen. In den meisten werden Rennautos, Ersatzteile und Computer transportiert und nicht Motoren.
 
Nein, der große Fehler der FIA war, dass man den Motorenbauern bei der Aufgabenstellung keine Budgetdeckelung vorgeschrieben hat. Man hätte sagen müssen: In den ersten fünf Jahren dürft ihr nicht mehr als 30 Millionen Dollar pro Saison in die Entwicklung stecken. Dann wäre man halt erst in drei Jahren auf dem technischen Stand gewesen, auf dem man heute bereits ist. Nur zum Vergleich: Die Entwicklung von Mario Illiens IndyCar V6-Turbo mit Direkteinspritzung kostete vom weißen Blatt Papier bis zur ersten Auslieferung 15 Millionen Euro. Es geht auch billiger.
 
Red Bull schlägt jetzt wild um sich und prangert die hohen Kosten an. Wäre es Williams, Sauber oder Toro Rosso gewesen, hätte ich das verstanden. Aber wenn einer kein Recht hat, darauf zu schimpfen, dann ist es Red Bull. Die haben in den letzten Jahren erfolgreich jede Budgetdeckelung verhindert. 2012 betrug der Etat der Weltmeister-Truppe rund 280 Millionen Euro. Dass die kleinen Teams jetzt leiden, ist Red Bull so egal wie Mercedes und Ferrari. Die Top-Teams haben immer nur an sich gedacht.

Formel 1-Autos wie aus einem Comic-Film

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich finde die neue Formel 1 auch nicht gut. Der Sound der Motoren ist dabei noch das geringste Übel. Wer mehr als 30 Jahre in diesem Sport verbracht hat, ist dankbar, wenn die Ohren mal weniger leiden müssen. Schlecht am neuen Reglement ist, dass man es wesentlich billiger haben hätte können, dass Batterien als Speichermedium überhaupt nicht grün sind, und dass die neuen Autos aussehen, als kämen sie aus einem Comic-Film. Das ist das größte Verbrechen an der Formel 1.
 
Die Autos müssen wieder spektakulär und aggressiv sein. Wie so oft, haben sich die Regelhüter wieder mal zu viel von den Ingenieuren der Teams bequatschen lassen. Wäre der ganze Vorderbau des Autos tief, hätte man an der Nase auch nicht solche Notlösungen gebraucht.

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