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Schmidts F1-Blog

Bitte übernehmen Sie, Herr Todt!

Jean Todt - GP Italien 2013 Foto: xpb 23 Bilder

Die Formel 1 versucht sich selbst zu retten und reitet dabei den Sport in einen immer tieferen Sumpf. Weil Eigeninteressen Vorrang haben. Nur eine Partei hält sich bei den Diskussionen um eine Lösung vornehm zurück. Die FIA. Es wäre die Rolle von Jean Todt jetzt endlich einmal Flagge zu zeigen, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

13.11.2014 Michael Schmidt

Die Formel 1 zerstört sich gerade selbst. Mit ihrer Unfähigkeit eine Krise zu managen. Sie merkt es nicht einmal, was sie gerade anrichtet. Ich habe auf meiner Rückreise vom GP Brasilien am Flughafen in München zufällig Walter Röhrl getroffen. Die Rallye-Legende schaut jedes Formel 1-Rennen. Doch der lange Regensburger gibt zu: "Es fällt mir immer schwerer den Fernseher einzuschalten. Meinen Freunden geht es genauso. Die Formel 1 macht sich gerade selbst kaputt."

Eigeninteressen blockieren jede Lösung. Die großen Teams sind entweder für dritte Autos oder Kundenteams, weil sie so am besten überschüssige Kapazitäten abbauen können. Das kommt sie billiger, als kränkelnde Mitbewerber dadurch zu subventionieren, dass sie weniger vom großen Kuchen nehmen.

Bernie Ecclestone favorisiert eine Zweiklassengesellschaft mit einer aufgewerteten Super-GP2 als Feldfüller. Wahrscheinlich noch mit einem eigenen Punktemodus, um das Chaos komplett zu machen. Dazu muss man wissen: Auch die GP2 gehört seinen Auftraggebern von CVC. Bei Ecclestone selbst ist die Agenda völlig unklar. Manche meinen, er wolle verbrannte Erde hinterlassen, für den Fall, dass ihn die Rechte-Inhaber demnächst durch einen Jüngeren ersetzen. Der würde dann gleich mit einer Pleite einsteigen.

Gerechtere Geld-Verteilung ist der einfachste Weg

Dass keine der drei Lösungen Besserung bringt und dass sie das sichere Ticket in den Untergang sind, haben wir lange und breit diskutiert. Dabei wäre die Lösung so einfach. Eine gerechtere Verteilung des Kuchens. 75 Prozent der Ausschüttung zu gleichen Teilen an alle. 15 Prozent für Historie, 10 Prozent für Erfolg.

Um zu verhindern, dass einige Teamchefs nur das Geld aus dem Sport ziehen und mit einem Minimalprogramm über die Runden kommen, könnte man die Qualifikationshürde auf 105 Prozent setzen und verlangen, dass nur der Geld bekommt, der diese Hürde bei 95 Prozent aller Rennen auch schafft.

Und Ecclestone könnte vor Auszahlung der Beträge zuerst einmal alle Lieferanten bezahlen. Die Hersteller von Motoren, Getriebe, Reifen, Bremsen oder Elektronikbausteinen hätten so die Sicherheit, an ihr Geld zu kommen.

Was hat Ferrari davon, dass Marussia tot ist? Sie verlieren die 20 Millionen Dollar Motorleasing, die nie bezahlt wurden. Da hätte man Marussia vorher lieber gleich 20 Millionen mehr zukommen lassen. Der alte Zyniker Bernie Ecclestone meinte zu diesem Vorschlag: "Du kannst so etwas nur mit vernünftigen Menschen besprechen. Es gibt hier leider nur keine."

FIA hält sich aus der F1-Krise heraus

Eine Partei hat sich seit der Pleite von Marussia und Caterham versteckt. Von der FIA kommt zur Rettung der Formel 1 herzlich wenig. Dabei hätte sie den Hebel. In den Statuten steht an erster Stelle: "Die Aufgabe der FIA ist es, für einen sicheren und sportlich fairen Motorsport zu sorgen"

Teil 1 der Aufgabe ist erfüllt. Teil 2 nicht. Der frühere Präsident Max Mosley hätte Ecclestone und den Teams, die sich jetzt querstellen, diesen Artikel sofort unter die Nase gehalten und für Änderung gesorgt. Das erwarte ich jetzt auch von seinem Nachfolger Jean Todt.

Er kann sich diesmal nicht darauf verlassen, dass sich die Angelegenheit von alleine löst. Klagen der kleinen Teams vor einem EU-Gericht wegen Verletzung des Wettbewerbsgesetzes hätten vermutlich Erfolg, doch wann? Die Mühlen in Brüssel mahlen langsam.

Todt könnte sich jetzt ein Denkmal setzen, wenn er aus der Reserve kommt. Und er könnte dem Vorwurf entgegentreten, die FIA habe sich für die neue Apanage über 40 Millionen Dollar von den Rechte-Inhabern kaufen und mundtot machen lassen. Herr Todt, bitte übernehmen Sie!

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