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Schmidts F1-Blog

Das unlösbare Red Bull-Problem

Daniil Kvyat - Red Bull - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 26. September 2015 Foto: xpb 61 Bilder

Red Bull sucht Motoren, aber keiner wünscht sich Red Bull als Gegner im eigenen Haus. Dietrich Mateschitz ist zu stolz, um betteln zu gehen oder die zweitbeste Lösung zu akzeptieren. Eigentlich bleibt ihm nur der Rückzug, meint Michael Schmidt in seinem Blog.

29.09.2015 Michael Schmidt

Es ist ein unlösbares Problem. Red Bull sucht Motoren, doch keiner hebt den Finger. Mercedes und Ferrari wollen den potenziell stärksten Feind nicht technisch aufrüsten. Bei Honda interveniert Exklusivpartner McLaren. Weil Red Bull besser wäre. Renault will seinem Ex-Partner nicht aus der Not helfen. Warum auch? Red Bull hatte für Renault nur Ohrfeigen übrig.

Red Bull lehnt 2015er Ferrari-Motor ab

Ferrari wäre immerhin bereit, 2015er Motoren zu liefern. So hält man das Risiko der Blamage gering, dass ein Red Bull-Ferrari vor einem Ferrari ins Ziel kommt. Doch Red Bull lehnt Motoren zweiter Klasse ab. Dietrich Mateschitz ist zu stolz bei der Konkurrenz betteln zu gehen und sich dann mit veralteter Technik abspeisen zu lassen. Der Milliardär ist es gewohnt, sich alles kaufen zu können was er will. Jetzt stellt er erstaunt fest, dass er für sein Geld zum ersten Mal nicht das bekommt, was er sich wünscht.

Mateschitz ist das eigentliche Problem in dem Motorenpoker. Christian Horner und Helmut Marko würden zur Not in den sauren Apfel beißen, und Ferraris Offerte zur Überbrückung akzeptieren. Mateschitz nicht. Ihm geht es ums Prinzip. Ein Vorjahresmotor ist eine Provokation für ein Team, das 4 Mal Weltmeister wurde. Ein runder Tisch zur Lösung des gordischen Knotens ist nicht in Sicht. Der Red Bull-Chef igelt sich ein und weigert sich Kontakt zu denen aufzunehmen, die sein Spiel nicht mitspielen wollen.

Kein Mitleid von Red Bull-Gegnern

Die andere Seite wird sich nicht erpressen lassen. Sie hat kein Mitleid mit einem, der sich selbst in diese Situation gebracht hat und nur dann mitfahren will, wenn er gewinnen kann. Viele sehen in einem Ausstieg von Red Bull und Toro Rosso bereits den eigenen Vorteil. Das gibt mehr Geld in die eigene Kasse.

Es kann sich aber als Bumerang erweisen, falls beim Wegfall der beiden Red Bull-Teams plötzlich 3 Autos einsetzt werden müssen, um das Feld aufzufüllen. Auch für Ferrari. Man hat dann schlimmstenfalls 3 Mercedes vor der Nase. Doch so weit denkt in diesem Geschäft keiner. Die Formel 1 strauchelt lieber von Problem zu Problem und korrigiert schlechte Lösungen durch noch schlechtere.

Bernie Ecclestone will Mercedes und Ferrari jetzt zur Räson bringen, indem er ihre Autos vom Fernsehschirm verbannt. Die FIA korrigiert hektisch ihr Motorenformat nach, das längst gescheitert ist. Red Bull steht für dieses Scheitern. Die Komplexität der Technik verhindert, dass ein unabhängiger Hersteller konkurrenzfähige Motoren zu bezahlbaren Preisen anbieten kann.

Und die nächste Bombe wird bereits scharf gemacht. Ferrari, Honda und Renault fordern mehr Freiheiten bei der Entwicklung. Mercedes akzeptiert zähneknirschend. Alle 4 aber lehnen ein Preislimit ab. Die Kunden stehen bald vor der Wahl: Aktuelle Motoren, die sie sich nicht mehr leisten können, oder Alteisen, das nicht konkurrenzfähig ist.

Ältere Formel 1-Fans werfen ein, dass sich die Red Bull-Episode in der GP Geschichte bereits ein Mal abgespielt hat. 1992 war das, als Honda aufhörte und McLaren verzweifelt Ersatz suchte. Renault lehnte ab, Ferrari kam nicht in Frage, Lamborghini war McLaren nicht gut genug. Schließlich musste sich der stolze Ron Dennis mit Ford-Kundenmotoren zweiter Klasse zufrieden geben. Ayrton Senna gewann 1993 damit immerhin 5 Grands Prix, Michael Schumacher im Ford-Werksrennstall Benetton nur einen.

Geht doch, werden sie sagen. Das wäre die Lösung für Red Bull. Ferrari mit dem alten Motor vorführen. Der Vergleich hinkt allerdings in einem Punkt. McLaren musste damals die Kröte schlucken. Weil sonst dem Rennstall die Lebensgrundlage entzogen worden wäre. Red Bull braucht die Formel 1 nicht. Dietrich Mateschitz wird seine Dosen auch ohne seinen Auftritt auf der Rennstrecke verkaufen.

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