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Schmidts F1 Blog

Die Allianz der Totengräber

Lauda, Wolff, Ecclestone & Horner - Formel 1 Foto: xpb 23 Bilder

Die Formel 1 tut sich schwer mit dem Sparen. Die kleinen Teams brauchen eine Budgetdeckelung zum Überleben, die großen wollen Sie nicht. Sie versuchen ihre eigenen Probleme auf dem Rücken des Sports zu lösen, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

06.05.2014 Michael Schmidt

Die Strategiegruppe hat es im stillen Kämmerlein so entschieden. Über die Köpfe der FIA und der kleinen Teams hinweg. Die Budgetdeckelung kommt nicht. Man wolle eigene Sparpläne vorstellen, hieß es. Wie die aussehen, kennt man. Kundenautos, komplizierte Beschränkungen von Ressourcen, die schwer zu prüfen und leicht zu unterlaufen sind.

Bis jetzt hat jede Entscheidung der Stategiegruppe mehr Geld gekostet. Das liegt daran, dass vier von sechs Teams genug Geld in der Kasse haben, um damit um sich zu werfen. Und zwischen 600 und 800 Angestellte. Williams hängt am Tropf von Mercedes und ist abhängig. Bleibt Lotus als letztes unabhängiges Team in diesem Club.

F1-Kostengipfel bringt keine Lösung

Die kleinen Teams haben sich das nicht gefallen lassen, hinter vorgehaltener Hand mit dem Gang vor das EU-Wettbewerbsgericht gedroht und immerhin ein Treffen mit der Strategiegruppe, der FIA und den Rechteinhabern erstritten.

Trotzdem sind sie keinen Schritt weiter. Weil die großen Teams nicht sparen wollen. Sie wissen genau, was sie verlieren, wenn sie von heute auf morgen dramatisch abspecken müssten. Den Wettbewerbsvorteil gibt keiner auf. Deshalb wird gegen eine Budgetdeckelung Politik gemacht, als wäre sie der Teufel persönlich.

Die FIA hat als Kompromiss angeboten, die Kosten über technische Restriktionen zu senken. Doch das ist auch der falsche Weg. Der technische Wettbewerb gehört zum Motorsport. Das hebt ihn von anderen Sportarten ab. Warum das Alleinstellungsmerkmal aufgeben? Bei den Motoren hat die FIA einen Entwicklungswettlauf zugelassen. Dann darf sie ihn den Fahrzeug-Ingenieuren und Aerodynamikern nicht verwehren.

Mehr Restriktionen bedeuten immer kompliziertere und weniger durchschaubare Reglements. Das vertreibt die Fans. Dabei wäre es so einfach. Das Auto muss in eine Kiste passen, und es gilt ein Mindestgewicht. Der Motor bekommt eine bestimmte Benzinmenge und ebenfalls ein Gewichtslimit.

Viel Freiheit, keine Paragrafenwüste, freier Wettbewerb, unter Garantie jede Menge Innovation. Doch das hat seinen Preis. Sonst investiert irgendein Spinner eine Milliarde und fährt die Konkurrenz tot. Der Preis ist ein Budgetlimit. Eines fürs Auto, eines für den Antrieb.

Keine vernünftigen Argumente gegen Budgetdeckel

Doch das ist für die großen Teams das Schreckgespenst schlechthin. Sie stemmen sich mit Händen und Füßen und vor allem schlechten Argumenten dagegen. Welche? Hier eine kleine Auswahl.

Ferrari sagt, die Formel 1-Fabrik sei Teil des Unternehmens, deshalb Einnahmen und Ausgaben schwer trennbar. Unsinn. Ferrari könnte die "Gestione sportiva" ganz einfach als eigenständige Firma deklarieren. In Deutschland kostet der Eintrag ins Handelsregister 120 Euro und das anfallende Honorar für den Notar 50 Euro. Das sollte Ferrari noch auf der hohen Kante haben.

Ein beliebter Einwand: Die Budgets sind nicht zu überwachen. Es gibt zu viele Schlupflöcher. Gegenfrage: Was macht das Finanzamt? Ist das genauso einfach zu bescheißen? Die augenblickliche Ressourcenbeschränkung bietet noch viel mehr Grauzonen. Der beste Schutz gegen Tricksereien ist die hohe Personalfluktuation unter den Teams. Wer den Stall wechselt, bringt sein Wissen mit. Keiner würde sich trauen, eine Kostengrenze im großen Stil zu unterlaufen. Weil das in keiner Firma geheim bliebe.

Red Bull schimpft auf die hohen Motorenkosten. Sie wirft der FIA vor, Wasser zu predigen, aber Wein zu trinken. Man könne die Teams nicht zum Sparen verdonnern, wenn man die Motorenkosten verdoppele. Stimmt. Aber man darf sich darüber auch nicht aufregen, wenn man in der V8-Ära 280 Millionen Euro pro Jahr allein für die Entwicklung des Autos ausgegeben hat.

Personal-Abbau bei großen oder kleinen Teams

Die großen Teams warnen vor einer Entlassungswelle, wenn ein Budgetlimit käme. Auch das ist richtig. Einige müssten 200 bis 300 Leute Personal abbauen. Doch was passiert, wenn sechs Teams Kundenautos aufs Auge gedrückt würde? Sie würden sofort ihre Belegschaft halbieren, weil man keine Leute für Entwicklung und Produktion mehr braucht.

Sind die Angestellten von Sauber und Force India weniger schützenswert als die von Red Bull, Mercedes oder Ferrari? Ferrari, Red Bull, Mercedes und McLaren versuchen ihr eigenes Problem, nämlich dass sie zu viel Personal angesammelt haben, auf dem Rücken des Sports zu lösen. Es ist ihnen egal, dass sie damit zum Totengräber der Formel 1 werden könnten.

Tatsache ist, dass die großen Teams bei einer Zweiklassengesellschaft in Hersteller und Kunden noch mehr Geld investieren müssten. Weil das Gewinnen noch wichtiger wird. Wer in einer solchen Formel nur das viert- oder fünftbeste Auto baut, geht wenn es dumm läuft, ohne WM-Punkte nach Hause. Und zwar über die gesamte Saison. Kein Sponsor gibt dafür Geld aus. Da werden aus Herstellern schnell Kunden. Mit dem Ergebnis, dass am Ende zwei oder drei Hersteller übrig bleiben. Wollen wir das? Ich nicht!

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