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Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Die Fehler des Motorsports

Domenicali Horner Whitmarsh Formel 1 Teamchefs 2011 Foto: xpb 25 Bilder

Die Formel 1-Teams streiten wieder einmal ums Thema Geld. Dabei gibt es nach Ansicht von Michael Schmidt bei Thema Kostensenkung nur eine Lösung: den globalen Budgetdeckel. In seinem aktuellen Blog erklärt der F1-Experte, wie es funktioniert.

24.03.2012 Michael Schmidt

Sie ist wieder da, diese ermüdende Diskussion um Kostenbremse, Kundenautos, Börsengang, legale und nicht legale Technik. Wenn man den Verantwortlichen der Teams zuhört, was sie zu diesen Themen in Australien und Malaysia zu sagen hatten, dann kommt einem fast alles bekannt vor. Die Formel 1 hat nichts gelernt.

Acht der zwölf Teams sind in ihrem finanziellen Überleben von einem Parameter abhängig. Bricht der weg, ist Feierabend. Trotzdem wollen einige Teams den Abgrund nicht sehen, vor dem sie stehen. Das trifft auch auf reiche Teams wie Red Bull, Ferrari, McLaren und Mercedes zu. Sie vergessen, dass sie ohne Gegner nicht fahren können. Dass sie wie jeder Sport den Mittelstand und die Hinterbänkler brauchen.

Teams verfolgen nur eigene Interessen

Stattdessen wird mit immer den gleichen schlechten Argumenten versucht, einen Dampfer auf Kurs zu halten, der schon halb leck geschlagen ist. Und jedes Mal steckt Eigeninteresse dahinter. Red Bull will keine Budgetdeckelung, weil der eigene Erfolg mit einer Summe erkauft wird, die weit oberhalb jedes vernünftigen Budgetlimits liegt.

Ferrari will Kundenautos, weil man so die vielen Leute im eigenen Team irgendwie weiterbeschäftigen kann. Und man will die Aerodynamik abschaffen, weil man auf diesem Gebiet zur Zeit ein Defizit hat. Die Motive sind wie so oft in diesem Sport einfach durchschaubar.

Beim Thema Kostenbremse spielt Red Bull geschickt auf Zeit. Zuletzt haben die Teams die FIA gebeten, die Ressourcenbeschränkungen zu überwachen. Zwei Unterschriften fehlten. Die von Red Bull und Toro Rosso. Red Bull-Teamchef Christian Horner behauptet, er habe den Brief nicht erhalten. Dafür wusste er aber recht gut Bescheid, was drin stand.

Horner hat auch gesagt, dass Red Bull sehr wohl darauf bedacht ist, die Kosten zu senken, aber nicht so, wie es die anderen zehn Teams wollen. Das System sei ihm zu kompliziert und zu schwer zu überprüfen. Da hat er Recht. Warum 20 unterschiedliche Budgetlimits, wenn es eines auch tut?

Mehr Spannung durch globalen Budgetdeckel

Jeder darf 100 Millionen Euro ausgeben und Schluss. Fahrergehälter ausgenommen. Für den Motor gilt das gleiche Prinzip. Es wird ein Maximalpreis für Kundentriebwerke festgeschrieben und eine Summe, die pro Jahr in die Entwicklung der Motoren investiert werden darf.

Was die Teams und Motorenhersteller mit dem Geld machen, bleibt ihnen überlassen. Ferrari testet sich in Fiorano zu Tode, Red Bull baut den Super-Supersimulator, McLaren stellt 400 Ingenieure an, und Mercedes testet in fünf Windkanälen. Die kleinen Teams hätten bei einer 100 Millionen-Euro-Grenze die Chance, eine Überraschung zu setzen. Mittelfristig würde das Feld zusammen rücken.

Die Schwachsinnsidee mit den Kundenautos wäre auch ein für allemal vom Tisch. Sie funktioniert nicht, weil sie nicht funktionieren kann. Die Kundenriege wird früher oder später eines der drei besten Autos kaufen wollen und am Ende nur noch das beste. Dann landen wir bei einem Monopol, und das hat dem Sport noch nie gut getan. Siehe Formel 2, GP2, IndyCar. Alles Rennserien auf dem absteigenden Ast.

Red Bull behauptet, man könne eine Budgetgrenze nicht überprüfen. Man kann sie deshalb nicht kontrollieren, weil sich Red Bull nicht kontrollieren lassen will. Das ist ungefähr so, als würde man von Charlie Whiting verlangen, die Autos auf Legalität zu prüfen, ohne dass man ihm das Auto zeigt.

Hätten unabhängige Finanzprüfer den gleichen Zugriff wie ein Steuerprüfer und würde jedes Team einen permanent installierten Ingenieur als FIA-Aufpasser akzeptieren, dann ist die Chance des Betrugs verschwindend gering.

Reglement mit zwei Limits: Geld und Benzin

Vor allem könnte man dann das Reglement so ändern, wie es sich Adrian Newey erträumt. Ein Reglement ohne Limits. Wie einst die gute, alte CanAm. Das Auto muss in eine Kiste passen und die Crashtests bestehen, meinetwegen noch mit einem komplett flachen Unterboden zwischen den Achsen. Gefahren wird auf Einheitsreifen.

Es gibt pro Trainingstag und für das Rennen jeweils ein Fass Benzin pro Auto. Das muss reichen. Wir hätten keine Diskussionen mehr über F-Schächte, Doppeldiffusoren, Vier- oder Sechszylindermodus, oder ob die Karosseriekrümmung um ein Zehntel Grad über oder unter dem Limit liegt.

Der Sport wäre simpler, leichter zu verstehen und doch viel interessanter. Weil es viele Wege zum Ziel gäbe. Im Prinzip ist die Lösung ganz einfach. Die Formel 1 macht sich aber lieber selbst das Leben schwer.

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