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Schmidts F1-Blog

Die Formel für Weicheier

F1-Teamchefs - GP Türkei 2011 Foto: xpb 36 Bilder

Die Formel 1 ist sprachlos geworden. Keiner traut sich seine Meinung zu sagen. Vor lauter politischer Korrektheit verbiegt man sich bis zur Lächerlichkeit. F1-Experte Michael Schmidt klagt über die Formel für Weicheier.

27.05.2011 Michael Schmidt

Beispiel Motoren: Cosworth, Ferrari und Mercedes sind gegen die Einführung der Vierzylindermotoren ab 2013. Die einen, weil ihnen das Geld fehlt, die anderen, weil sie aus Prinzip gegen Schmalspurtriebwerke sind, die dritten, weil sie nicht mehr als drei Teams beliefern können. Aber glaubt jemand, dass die Beteiligten den Mut aufgebracht hätten, FIA-Präsident Jean Todt bei der Motorensitzung in Barcelona ihre Meinung ins Gesicht zu sagen?

Alle haben Angst vor Repressalien des Weltverbandes. Die Vorstände der Motorenhersteller haben zwar einen Brief an die FIA geschrieben, doch offenbar fehlt dem Schreiben die Schärfe. Egal wie man zur der Frage ob V8 oder Vierzylinder steht: Wenn die neue Motorenformel nicht verschoben wird, ist Cosworth am Ende. Die Formel 1 kann es sich aber nicht leisten, auf private Motorenlieferanten zu verzichten. Dann sind wir wieder so weit wie vor zwei Jahren. Die Formel 1 ist in der Hand der Automobilhersteller.

Kosten-Vereinbarung wird nicht eingehalten

Beispiel Red Bull: Hinter vorgehaltener Hand beschwert sich fast jedes Team darüber, dass Red Bull den Kostenreduzierungsplan nicht einhält. Die Weltmeister blockieren jede Entscheidung, wollen sich nicht kontrollieren lassen, akzeptieren keine Strafen bei Missbrauch, verlangen stattdessen Amnestie.

Es handelt sich hierbei nicht um eine FIA-Regel, sondern um eine Selbstbeschränkung der Teams. Wenn sich wirklich einer partout nicht an die Regeln halten will, dann wäre es für die anderen Teams das Einfachste, ihn an den Pranger zu stellen. Ansonsten sagt man besser gar nichts. Stillhalten birgt die Gefahr, dass ab 2013 wieder jeder macht, was er will. Dann läuft der Kostenreduzierungsplan aus.

Für die Formel 1 wäre ein Zurück zur alten Verschwendungssucht der Anfang vom Ende. Bis auf Red Bull, Ferrari, McLaren, Mercedes und Sauber steht jedem Team das Wasser bis zum Hals. Selbst Renault. Dann kommt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo bestimmt wieder mit seinem unseligen Vorschlag des dritten Autos pro Team. Willkommen in der DTM. Wie beliebt Deutschlands angebliche Vorzeigeserie ist, sieht man ja an den Zuschauerzahlen. Die liegen mittlerweile zwischen 10.000 und 15.000.

Keine Kritik an Pirelli

Beispiel Hamilton: Der Engländer bezeichnete in Barcelona den extraharten Reifen im ersten Ärger als "Desaster". Als er später in einer Pressekonferenz zur Rede gestellt wurde, eierte der Weltmeister von 2008 herum. Seine Aussage habe sich auf die Balance seines Autos bezogen und nicht auf die Reifen. Keine Frage: Pirelli hat generell einen guten Job gemacht. Doch es sollte erlaubt sein Kritik zu üben, wenn Kritik angebracht ist. In Bezug auf Pirelli gibt es für die Fahrer einen Maulkorberlass.

McLaren-Technikchef Martin Whitmarsh sagte kürzlich, dass die größte Errungenschaft der Teamvereinigung FOTA sei, die Polemik aus dem Fahrerlager verbannt zu haben, Man spielt jetzt lieber nette Familie. Dabei weiß jeder, dass die Formel 1 gar keine nette Familie sein kann. Ein bisschen ehrlicher wäre besser. Und ein bisschen mehr Mut, eine eigene Meinung zu haben. Man kann die Zuschauer nur bis zu einem gewissen Maß für dumm verkaufen.

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