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Schmidts F1-Blog

Elektro-Formel 1 - Was soll das?

KERS Schild Foto: xpb 12 Bilder

Die Pläne der EU-Kommission zu einer Formel 1 mit Elektro-Rennern bezeichnet auto motor und sport-F1-Experte Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog für blinden Aktionismus.

06.04.2011 Michael Schmidt

Der Motorsport will sich einen grünen Anstrich geben. Schön und gut. Doch was ist grün? Eine Formel 1 mit Elektromotoren ist es bestimmt nicht. Genauso wenig wie eine Formel 1 mit KERS. Die EU-Politiker, die dieses Thema anschieben wollen hier wieder mal populistisch die grüne Flagge hissen, obwohl Elektromotoren bei Licht betrachtet gar nicht grün sind.

Batterie-Technik auf Dauer keine Lösung

Schauen Sie mal auf die Energiebilanz. Irgendwo muss der Strom für die Elektromotoren ja herkommen. Aus der Steckdose, völlig richtig. Für die Stromproduktion braucht es Kraftwerke. Wenn mal sämtliche Autos am Netz hängen, wird alternative Energieproduktion nicht mehr ausreichen. Also doch wieder die Kohlekraft-Dreckschleudern oder gar Kernenergie. Und was passiert mit den Milliarden von Batterien, die irgendwann entsorgt werden müssen? Die Welt wird riesige Endlager brauchen, um den Sondermüll zu deponieren.

Okay, die Formel 1 ist ein Mikrokosmos, dessen Energieverbrauch im Vergleich zum Gesamtkonsum noch nicht mal in der 50. Stelle hinter dem Komma messbar ist. Das bisschen Strom, das dabei benötigt würde und die paar Batterien, die irgendwann ihr Leben aushauchen, sind ein vernachlässigbares Übel. Doch warum muss sich der Motorsport mit einer Technologie abgeben, die auf lange Sicht keine Lösung sein kann, auch wenn die gesamte Automobilindustrie im Moment darauf setzt. Das tut sie ohnehin nur, weil es die Politik in blindem Aktionismus so will.

Sinnvolle Hybrid-Lösungen sind gefragt

Gerade der Motorsport mit seinem überschaubaren Energieverbrauch sollte sich um sinnvolle grüne Technik kümmern. Zum Beispiel die Schwungradtechnik von Williams, wie sie in einem Porsche 911 GT3 R Hybrid beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring erfolgreich eingesetzt wurde. Das ist ein mechanischer Energiespender, der weder Dreck produziert, noch Benzin verbraucht, noch auf Batterien zurückgreift. Das gleiche System wäre auch in einem Formel 1-Auto denkbar, wenn man das Platzproblem lösen könnte. Das könnte die FIA aber schnell mit einer Reglementsänderung lösen.

Auch hydraulische Hybridlösungen sind mittelfristig denkbar. Im Moment eigenen sie sich nur für Lastwagen und Busse, weil die herkömmlichen Systeme zu voluminös sind. Aber daran könnte man arbeiten. Das wäre Zukunftstechnologie. Mit Elektroautos hechelt man nur den Serienautos hinterher.

Kurzfristig könnte die Formel 1 auf alternative Kraftstoffe umsatteln. Ich meine nicht den unsäglichen Biosprit, der uns mit E10 schon an der Tankstelle nervt. Da setzt man sich der Kritik aus, dass Raubbau an der Natur betrieben wird, weil man die Pflanzen erst mal anbauen muss, die später zu Sprit destilliert werden.

Vorschlag: Formel 1-Sprit aus Bioabfall

Warum fährt die Formel 1 nicht schon morgen mit Kraftstoff, der aus Bioabfällen produziert wird? Bei den kleinen Mengen, die in einer GP-Saison verfeuert werden, wäre das absolut machbar. Es würde der Industrie die Möglichkeit geben, die noch ziemlich aufwendigen Herstellungsverfahren zu vereinfachen. Und es wäre ein Anreiz für die in der Formel 1 vertretenen Mineralölhersteller wieder ins Gespräch zu kommen.

Mal ehrlich: Wer interessiert sich heute noch dafür, ob das Benzin im Siegermotor von Shell, Total oder Mobil kommt? Würde der Motorsport auf Sprit aus Abfällen umsatteln, gäbe es Gesprächsstoff. Dann würde unter den Kraftstoffherstellern auch wieder echter Wettbewerb entstehen und sie hätten etwas Handfestes zu kommunizieren.

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