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Schmidts F1-Blog

Es gibt kein Sicherheitsproblem

Safety-Car - GP Japan 2014 Foto: Pirelli 63 Bilder

Die Formel 1 diskutiert wieder über einen schweren Unfall. Den ersten seit Felipe Massa 2009 am Hungaroring. Beide Unfälle haben eines gemeinsam. Außergewöhnliche Umstände führten zu einem Ausgang mit schweren Verletzungen. Die Formel 1 hat deshalb kein Sicherheitsproblem, meint Michael Schmidt.

06.10.2014 Michael Schmidt

Die Formel 1 steht seit dem GP Japan wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Der schwere Unfall von Jules Bianchi heizte altbekannte Diskussionen wieder an. Hat sie vielleicht doch ein Sicherheitsproblem? Ist eine Strecke wie Suzuka noch zeitgemäß? Hätte das Rennen nach dem Unfall von Adrian Sutil nicht neutralisiert werden müssen?

Die Antwort ist einfach: Die Formel 1 ist so sicher wie sie nur sein kann. Ein Restrisiko gibt es immer. Doch das ist heute viel kleiner als vor 10, 20 oder gar 30 Jahren. Wer sich heute in einem Formel 1-Auto schwer verletzen will, braucht das Zusammentreffen außergewöhnlicher Umstände. So wie bei Jules Bianchi.

Ein Rennauto gegen einen Bergekran: Welcher Regisseur denkt sich so eine verrückte Konstellation aus? Oder wie bei Felipe Massa 2009 in Ungarn. Eine Feder, die sich aus einem vorausfahrenden Auto löst, tanzt vier Sekunden über den Asphalt, bis sie den unglücklichen Fahrer trifft. Das ist kein Problem des Motorsports. Das ist Schicksal. So wie man aus heiterem Himmel von einem Dachziegel getroffen werden kann.

Bianchi-Crash ein Beweis für die Sicherheit

Wer die Fotos von Bianchis Unfall oder den auf der linken Seite völlig zerstörten Marussia gesehen hat, der kann nur eines sagen: Es ist ein Dokument für Sicherheit in der Formel 1, dass Bianchi überhaupt lebend in ein Krankenhaus transportiert werden konnte. Eigentlich ist so ein Crash nicht überlebbar. Trotz des massiven Einschlags in ein tonnenschweres Fahrzeug blieb die Sicherheitszelle intakt.

Auch Suzuka steht zu Unrecht in der Kritik. Wäre Bianchi an der gleichen Stelle mit der gleichen Geschwindigkeit abgeflogen und hätte nur die Reifenstapel getroffen, dann wäre er wie Adrian Sutil ohne einen Kratzer ausgestiegen.

Beim Aufprall auf den Kran traf er ein Hindernis, das keinen Millimeter nachgab. Und das auch noch seitlich, an der Stelle, an der die Knautschzone des Autos am kleinsten, der Fahrer also am verwundbarsten ist. Nicht der physische Zusammenstoß war Bianchis Problem, sondern die augenblickliche Verzögerung von rund 140 km/h auf null.

Safety-Car zu spät im Einsatz?

Auch die Rennleitung musste sich Vorwürfe gefallen lassen. Hätte man nicht ein Safety-Car auf die Strecke schicken müssen, als Sutils Sauber im Reifenstapel steckte und ein Bergekran in der Auslaufzone rangierte? Die Antwort lautet nein. Dann müsste man bei jedem Unfall unterbrechen.

Es hätte ja theoretisch auch ein anderer Fahrer unmittelbar nach Sutils Abflug direkt in den Sauber fliegen können, noch bevor überhaupt ein Bergefahrzeug auf die Strecke geht. So schnell kann man die Safety-Car-Taste gar nicht drücken. Rennleiter Charlie Whiting war in Suzuka sogar übervorsichtig. In der Anfangsphase des Grand Prix ließ er das Safety-Car trotz Protesten der Fahrer vielleicht ein, zwei Runden zu lange auf der Strecke, um auf der sicheren Seite zu sein.

Verhalten bei Gelbphasen in der Diskussion

An der Unfallstelle wurden doppelt geschwenkte Flaggen gezeigt. Der Fahrer bekommt die Information zusätzlich ins Cockpit gespielt. Die Teams haben ihre Fahrer über Funk gewarnt. Es gibt also keine Entschuldigung, von der Gefahr in Kurve 7 nichts gewusst zu haben. Doppelt Gelb heißt: Fertigmachen zum Anhalten. Man muss den Fahrern genug Eigenverantwortung zutrauen, dass sie sich auch daran halten. Die meisten haben auch den Fuß vom Gas genommen. Und kamen sicher an der Unfallstelle vorbei.

Doch in einem Sport, in dem es um Hunderstelsekunden geht, gibt es immer ein paar, die sich nur halbherzig an die Regeln halten. In der deutschen VLN-Serie wurde das zu einem existenziellen Problem. Am Nürburgring wird wegen der Streckenlänge fast gänzlich auf ein Safety-Car verzichtet. Stattdessen gibt es lokale Gelbzonen, an denen Tempo 60 gilt. Trotzdem kam es immer wieder zu Folgeunfällen, weil viele Fahrer erst in letzter Sekunde das Tempo reduziert haben.

Motorsport wird nie hundertprozentig sicher sein. Irgendwann wird es wieder einen tödlichen Unfall geben. Weil man sich nicht gegen alle Launen des Schicksals absichern kann. Beste Beispiele sind die Kollision zwischen Michael Schumacher und Vitantonio Liuzzi 2010 in Abu Dhabi oder die Startkarambolage von Spa 2012, als Romain Grosjeans Lotus haarscharf an Fernando Alonsos Kopf vorbeiflog. Ein paar Zentimeter in die falsche Richtung, und es ist passiert.

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