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Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Fall Petrov - Bitte keine eigene Meinung!

Vitaly Petrov - GP Abu Dhabi - 10. November 2011 Foto: xpb 22 Bilder

Vitaly Petrov hat es gewagt, sein Team zu kritisieren und musste sich prompt dafür entschuldigen. In seinem Blog prangert Formel 1-Experte Michael Schmidt den Maulkorb für Rennfahrer an - nicht nur bei Renault. Das Recht auf freie Meinungsäußerung sollte auch für Formel 1-Piloten gelten.

23.11.2011 Michael Schmidt

Die Formel 1 macht sich zum Gespött. Fahrer mit einer eigenen Meinung sind verboten. Der Kontrollwahn greift immer mehr um sich. Sind die Ergebnisse auch noch so schlecht, die Berichterstattung wird bis ins Lächerliche auf positiv gedreht. Heile Welt bis an die Schmerzgrenze.

Wenn Fahrer es wagen, Kritik zu üben, werden sie von ihren Teamchefs oder Pressesprechern umgehend dazu gezwungen, alles Gesagte zu bedauern und zurückzunehmen. Egal zu welchem Thema. Kritik am eigenen Team, an einem Politikum wie Bahrain, an einer bestimmten Rennstrecke, an den Reifen, am Reglement, und an Entscheidungen der Rennleitung sind tabu. Die Meinungsfreiheit im Fahrerlager ist begrenzter als in totalitären Staaten. Der Kreml oder das Politbüro in Peking könnten von der Königsklasse noch etwas lernen.

Petrov kritisiert Renault

Der jüngste Vorfall betrifft ausgerechnet einen Russen. Vitaly Petrov hatte nach dem GP Abu Dhabi, der für ihn genauso punktelos ausging wie die zwei davor, seinen Rennstall für eine unglückliche Rennstrategie, langsame Boxenstopps und fehlende technische Weiterentwicklung gerügt. Man muss sich nur die Ergebnisse anschauen, um nachvollziehen zu können, dass Petrov in allen Belangen Recht hat. In der zweiten Saisonhälfte ging es mit Renault rückwärts statt vorwärts.

Dabei kann man dem Technikbüro in Enstone nicht einmal vorwerfen, untätig zu sein. Im Gegenteil: Obwohl die WM gelaufen ist, haben die Renault-Techniker eine schlankere Motorabdeckung und einen neuen Frontflügel ausprobiert. Ohne Erfolg. Bei den Boxenstopps liegt das Team im hinteren Feld. Weil die Startplätze zuletzt meistens zweistellig waren, wurden die Fahrer mit riskanten Strategien ins Rennen geschickt. Petrov und Senna vertrauten in Abu Dhabi nicht wie der Großteil des Feldes auf die Reifenfolge soft-soft-medium, sondern bauten den Einsatz des härteren Reifen in den ersten oder mittleren Turn ein.

Petrov muss sich entschuldigen

Man musste nicht lange warten, bis Renault ein Entschuldigungsschreiben von Petrov an die englische Presse lancierte. Ja glaubt denn in der Presseabteilung des Teams wirklich jemand, dass die Fans so dumm sind und der Verlautbarungskosmetik Glauben schenken? Ehrlich ist nur die Meinung, die der Fahrer äußert, wenn er aus dem Auto steigt.

Renault ist da kein Einzelfall. Ähnliches haben wir auch schon bei McLaren (Hamilton) und Mercedes (Rosberg) erlebt. Ferrari lässt sich auf Extratouren der Fahrer erst gar nicht ein. Die Paranoia ist so groß, dass Medienvertreter ohne Begleitung eines Pressereferenten nicht einmal einer Einladung des Fahrers zum Mittagessen folgen dürfen.

Keine guten Sprüche mehr

Die selbst ernannten Medienfachleute der Formel 1 sägen an dem Ast auf dem sie sitzen. Der Sport vermeldet rückläufiges Interesse. Auf den Tribünen und am TV-Schirm. Das liegt auch daran, dass die Stars der Branche immer gesichtsloser werden. Sie überbieten sich an Gefälligkeitsäußerungen und Allgemeinplätzen.

Graham Hill durfte noch sagen: "Wenn mich ein Rad überholt, weiß ich, dass ich in einem Lotus sitze." Berühmt wurde auch Jochen Rindts Warnung an sein Team: "Wenn noch einmal etwas bricht, bringe ich euch alle um." Oder Nigel Mansells Klageruf in seinem Williams-Jahr 1987: "Ich spüre, wie man mir von den Boxen aus Power abdreht." Oder Alain Prosts ketzerischer Ausspruch nach dem Japan-Grand Prix 1991: "Mein Ferrari fuhr sich heute wie ein Lastwagen." An wie viele Sprüche der Fahrer von heute wird man sich wohl in 20 oder 30 Jahren erinnern? Ich wage mal eine Prognose: An keinen.

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