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Schmidts F1 Blog

Fall Sauber ist systembedingt

Sauber - GP Deutschland 2013 Foto: xpb 32 Bilder

Das Sauber Formel 1-Team kämpft ums Überleben. Es ist fünf vor Zwölf. Das Schicksal von Sauber ist symptomatisch für ein System, das sich selbst auffrisst. Hier steht nicht nur der viertälteste Formel 1-Rennstall auf der Kippe, sondern der ganze Sport, meint Michael Schmidt.

12.07.2013 Michael Schmidt

Peter Saubers Auftritt beim Schweizer Fernsehen war beklemmend. "Wir haben nicht mehr viel Luft", antwortete der Teamchef im Ruhestand auf die Gerüchte, seinem Rennstall ginge es schlecht. Und dann die brutale Aussage: "Wir hangeln uns gerade von Ast zu Ast." Endlich redet mal ein Klartext zum einem Thema, das wehtut. Im Fahrerlager erzählt man sich: Wenn bis zum Ende des Monats nicht die Verträge mit den russischen Sponsoren in spe unterschrieben werden, gehen in Hinwil die Lichter aus.

Ein Domino-Effekt droht

Es sieht nicht gerade so aus, als würde sich im Zirkus ein besonderes Unbehagen darüber breit machen. Dabei sollte der Fall Sauber alle wachrütteln. Sauber war immer ein grundsolides Team. Hat Löhne und Lieferanten pünktlich bezahlt. Ging nie bei Bernie Ecclestone betteln. Spielte seine Rolle im Mittelfeld gut. Eidgenössische Exoten in einer von Engländern dominierten Welt. Was Sauber möglicherweise das Genick gebrochen hat, war der Rückkauf des Teams von BMW. Angeblich musste das mit 35 Millionen Schweizer Franken finanziert werden. Peter Sauber hat es gemacht, um 300 Arbeitsplätze zu retten. BMW hätte sie über die Klinge springen lassen. Vier Jahre lang haben die Bayern Hinwil als Basis für ihr Formel 1-Abenteuer genutzt. Und als es einmal nicht lief, zog der Vorstand den Stecker und wollte auch noch unverschämt viel Geld für das, was man selbst angerichtet hat. Der Misserfolg war hausgemacht. Honda hat Ross Brawn seinen Rennstall für einen Nuller überlassen und noch 80 Millionen Pfund Startkapital gegeben. Die Japaner haben ehrlich kapituliert. Das sagt viel über die Firmenkultur aus.

Wenn Sauber zusperren muss, dann hat das mehr Signalwirkung als würde es Caterham oder Marussia treffen. Sogar Force India würde man eine Pleite eher zutrauen. Das Team ist durch viele Hände gegangen, nachdem Eddie Jordan ausgestiegen ist. Mit Sauber würde auch ein Stück Formel 1 sterben. Andere Teams könnten mitgerissen werden und wie die Dominosteine umfallen. Ersatz ist nicht in Sicht. Eigentlich sollten die großen Teams spätestens jetzt merken, dass irgendetwas schief läuft in diesem Sport.

Wie kann es sein, dass Ferrari und Red Bull aus dem Topf der TV- und Startgelder weit über 100 Millionen Dollar abkassieren, die kleinen aber nicht mehr bekommen als vorher? Dass die Rechteinhaber die Ausschüttung erhöhen, ist reine Augenwischerei. Bevor verteilt wird, gehen die Boni an die sogenannten privilegierten Teams ab. Ein nachhaltiges System würde 80 Prozent der Einnahmen zu gleichen Teilen ausschütten und die restlichen 20 nach Erfolg und Zugehörigkeit.

Fast hat man den Eindruck, als wäre es Ferrari, Red Bull, Mercedes und McLaren Recht wenn Sauber verschwindet. Dann hätte man ein Argument mehr für Kundenautos. Im Moment verbietet es das Reglement ganze Autos an Teams zu verkaufen. Es gibt eine Liste von Komponenten, die so genannte "listed parts", die festlegt, welche Teile ein Team selbst bauen muss. Dazu gehören das Chassis, das Fahrwerk und aerodynamische Anbauten. Doch wenn das neue Concorde Abkommen einmal unterzeichnet ist, dann ist diese Regel schnell ausgehebelt. In den Entscheidungsgremien sitzen nämlich wieder jene Teams, die unverhältnismäßig mehr Geld von Ecclestone kassieren. Und die wollen ihren großen Apparat nicht aufgeben, stattdessen zwei Teams beliefern. Dazu brauchen sie mehr Geld. Ein klassischer Interessenskonflikt. 

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