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Schmidts F1-Blog zum Quali-System

Fehler ohne Not

Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 19. März 2016 Foto: Wolfgang Wilhelm 58 Bilder

Das neue Qualifikationsformat wurde von der Kritik in der Luft zerrissen. In der Theorie ist der Modus nicht dumm. In der Praxis kann er aber nur funktionieren, wenn es entweder langlebigere oder mehr Reifen gäbe. Dazu wurde das System noch unnötig verkompliziert, meint F1-Experte Michael Schmidt in seinem Blog.

19.03.2016 Michael Schmidt

Das war der klassische Schuss in den Ofen. Ein Schnellschuss, der nicht bis ins Detail durchdacht wurde. Jetzt gibt es die Quittung dafür. Das neue Qualifikationsformat wurde von der Kritik vernichtet. Es könnte ein einmaliger Auftritt gewesen sein. Wenn die Macher der Formel 1 über den eigenen Schatten springen und ihren Fehler einsehen.

Es begann schon damit, dass sie das Format falsch erklärt haben. Die Maßnahme sollte nicht die Qualifikation verbessern, sondern das Rennen. In der Hoffnung, dass Zeitdruck Fehler provoziert und die Startaufstellung durcheinandermischt.

Rahmenbedingungen für K.O.-Quali fehlen

Die Tragik liegt darin, dass der Modus im Prinzip das Potenzial für maximale Spannung und Überraschung liefert. Doch es fehlen die Rahmenbedingungen dafür, dass er wie beabsichtigt funktioniert. Wenn die Reifen stabil wären und mit jeder Runde mit abnehmenden Benzingewicht schnellere Zeiten zuließen, dann ginge es auch auf der Strecke drunter und drüber. Die Fahrer müssten ständig fahren, um sich davor zu retten, auf dem letzten Platz zu landen.

Wir alle wissen: Mit Pirelli wird es diese Reifen nie geben. Doch selbst mit den aktuellen Minutenbrennern könnte das Prinzip Spannung liefern. Hätte man es nicht ohne Not komplizierter gemacht als nötig. Warum haben Q1, Q2 und Q3 unterschiedliche Einstiegszeiten von 7, 6 und 5 Minuten? Wenn die erste Eliminierungsphase in allen drei Segmenten fünf Minuten betragen würde, würde der Zeitdruck die Fehlerquote erhöhen. Bei Regen könnte man diese Phase um eine Minute verlängern, damit jeder eine faire Chance hat, eine fliegende Runde zu fahren.

Noch unverständlicher ist, dass die Eliminierungsphasen von 90 Sekunden nicht immer gelten. Wenn der letzte Fahrer im Q1 und im Q2 aussortiert wird, dann darf er die angefangene Runde zu Ende fahren. Auch wenn die 90 Sekunden längst abgelaufen sind. Vorher gilt: Steht die Uhr auf Null, ist für den gerade Letztplatzierten Feierabend. Egal, ob er sich noch auf einer schnellen Runde befindet. Diese Diskrepanz versteht kein Mensch.

Information der Zuschauer mangelhaft

Eigentlich sollte es auch nicht so schwierig sein, den Zuschauer am TV-Schirm auf einen Blick zu informieren. Doch hier haben die Software-Experten zu oft um die Ecke gedacht. Oder den Modus nicht kapiert. Das einzige, was den Zuschauer interessiert, ist die Restzeit, die Rangliste am unteren Ende des Feldes und ob die potenziell gefährdeten Fahrer in der Box stehen, auf einer Aufwärmrunde oder einer schnellen Runde sind.

Die Restzeit muss auf den ersten Blick erkennbar sein, zum Beispiel durch eine große Zahl in einer Ecke des Bildschirms. Sie muss nicht einem bestimmten Fahrer zugeordnet werden, weil der schon in der nächsten Sekunde nicht mehr relevant sein kann. Das Beispiel Felipe Nasr hat gezeigt, wie schnell aus einer vermeintlich sicheren Position ein Abstiegsplatz wird.

Q3 ist nur durch zwei Maßnahmen zu retten. Entweder man kehrt im Top 8-Finale zurück zum alten System. Oder man gibt denen, die es bis in die letzte Runde geschafft haben, soviele Garnituren weiche Reifen, dass sie bis zum Ende des Trainings theoretisch immer frische Gummis zur Verfügung haben. Das war zum Beispiel ein Vorschlag von Lewis Hamilton. Dann könnte auch nicht mehr taktiert werden. Die Teams wären gezwungen, die Autos so schnell wie möglich wieder mit frischen Reifen und ausreichend Sprit im Tank fahrbereit zu machen. Und es gäbe bis zum bitteren Ende einen Showdown.

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