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Schmidts F1 Blog

Ferrari & Red Bull haben nichts kapiert

Marco Mattiacci & Christian Horner - Formel 1 2014 Foto: xpb 23 Bilder

Es ist Bewegung in die Formel 1-Krisenbewältigung geraten. Bernie Ecclestone und seine Auftraggeber haben verstanden, dass ihr Produkt bald nichts mehr wert ist, wenn die Kosten nicht gesenkt und die Einnahmen nicht gerechter verteilt werden. Nur Ferrari und Red Bull haben nichts kapiert, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

06.11.2014 Michael Schmidt

Die Daumenschrauben ziehen sich immer fester zu. Das Fernbleiben von Caterham und Marussia beim GP USA hat ein mittleres Erdbeben erzeugt. Jetzt wehren sich die, die es als nächstes trifft: Lotus, Force India und Sauber. Sie wollen mehr Geld vom Kuchen und verlangen sinnvolle Kostensenkungsmaßnahmen.

Ecclestone bei Einstimmigkeit verhandlungsbereit

Bernie Ecclestone hat zum ersten Mal eine Mitschuld an dem Niedergang der Königsklasse eingestanden und Verhandlungsbereitschaft gezeigt. Seine Auftraggeber haben ihn aufgefordert, ihr Produkt zu retten. Hier geht es um Milliarden, die auf dem Spiel stehen. Und Bernie weiß, dass er sich gegen die Heckenschützen aus den eigenen Reihen nur absichern kann, wenn er den Sport rettet, den er groß gemacht hat.

Ecclestone stellte allerdings auch klar, dass sich ohne Einstimmigkeit nichts ändert. Und genau daran könnte das Projekt scheitern. Mercedes zeigt erste Ansätze von Gesprächsbereitschaft. Dort hat man verstanden, dass keiner etwas davon hat, in Schönheit zu sterben. Ferrari und Red Bull stellen sich dagegen taub. Mit Argumenten, die an Ignoranz und Kurzsichtigkeit nicht zu überbieten sind.

Dass die Teams mit Privilegien ihre Sonderstellung verteidigen ist zunächst einmal legitim. Doch was hilft es Ferrari und Red Bull, wenn ihnen die Basis entzogen wird? Nehmen wir einmal an, dass Ende 2015 Lotus, Force India und Sauber die Luft ausgeht. Dann bleiben sechs übrig. Plus Haas F1, die 2016 neu dazustoßen.

Renault und Mercedes haben mangels Kundschaft 40 Millionen Euro weniger in der Kasse, Ferrari 20 Millionen. Alle müssten ein drittes Auto einsetzen. Die Rechteinhaber sollen das bezahlen. Macht sieben Mal 35 Millionen Dollar. In Summe 245 Millionen.

Durch den Wegfall von netto vier Teams spart sich Ecclestone 147 Millionen. CVC müsste also die Brieftasche öffnen. Doch die werden sich genauso auf ihre Verträge berufen wie die Hardliner unter den Teams.

Formel 1 auf verrückte Milliardäre angewiesen

Das Geschäftsmodell für die neuen Kellerkinder wird noch weniger aufgehen als jetzt, weil das Verlieren immer teurer wird. Damit greift das Sterben der Teams umso rasanter um sich. Die Top-Teams argumentieren, dass es in der Formel 1 schon immer ein Kommen und Gehen gegeben hat. In welcher Zeit leben die? Zurzeit gibt es mehr Gehen als Kommen. Weil die Einstiegshürde zu hoch ist.

Ein Jordan oder Sauber könnte heute nicht mehr anfangen. Es braucht im positiven Sinne verrückte Milliardäre wie Dietrich Mateschitz und Gene Haas. Doch wie viele davon gibt es mit Motorsport-Interesse? Und wie viele davon haben ein seriöses Business in der Hinterhand? Mit irgendwelchen verrückten Russen oder Arabern ist der Formel 1 nur kurzfristig geholfen.

Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci sei verziehen, dass er neu in diesem Sport ist. Aber wenn er Red Bull als leuchtendes Beispiel für ein neues Team nennt, das sich von unten nach oben gearbeitet hat, dann ist das einfach dummes Zeug. Er sollte sich mal anschauen, zu welchem Preis. Die Budgets sind im englischen Handelsregister einzusehen. Wir stehen im Fall von Red Bull bei 220 Millionen Pfund. Auch auf Hersteller ist nicht Verlass. Sie verschwinden, wann es ihnen passt. Die Formel 1 braucht gesunde Privatteams, die eine faire Chance haben, erfolgreich mitzufahren.

Mattiacci wehrt sich gegen eine Neuverteilung des Geldes und mahnt die Rechteinhaber an, mehr Geld einzunehmen. Wo bitte soll das herkommen? Bernie Ecclestone quetscht die Veranstalter und die TV-Anstalten jetzt schon wie eine Zitrone aus. Teilweise zum Schaden des Sports, wenn man bedenkt in welchen Ländern der Sport tourt. Wenn Ferrari neue Quellen über die sozialen Netzwerke erschließen will, dann brauchen sie viel Geduld. Bis da Geld hereinkommt, ist die Hälfte der Teams tot.

Mattiacci verteidigt die hohen Kosten damit, dass die Formel 1 die Spitze der Technologie darstellen müsse. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Man kann auch mit begrenzten Ressourcen die schnellsten Autos der Welt bauen. Der Entwicklungsprozess dauert vielleicht ein bisschen länger. Glaubt irgendeiner ernsthaft, dass das draußen als negativ wahrgenommen würde? Das sind Phrasen, die nur vom Thema ablenken.

Standard halten wird immer teuerer

Red Bull-Teamchef Christian Horner kritisiert die Teams, die mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Auch das ist Unsinn. Marussia und Caterham wurden mit falschen Versprechungen in die Formel 1 gelockt. FIA-Präsident Max Mosley hatte ihnen eine Budgetdeckelung avisiert, und wäre er nicht von den großen Teams abgesetzt worden, hätten wir heute auch keine Krise.

Caterham und Marussia haben deshalb über ihre Verhältnisse gelebt, weil das Überleben zu teuer ist. Es kostet 70 Millionen Pfund. Lotus hat deshalb Schulden angehäuft, weil man den Standard des Teams halten wollte, das man übernommen hat. Nämlich Renault. Das Problem ist, dass dieser Standard heute viel mehr Geld kostet als noch vor fünf Jahren. Das gleiche gilt für Force India und Sauber im Mittelfeld.

Wenn man Horners Argumenten folgt, dann hätten Caterham und Marussia längst aussteigen, hätten sich Force India und Sauber mit der Rolle der Hinterbänkler zufriedengeben und Lotus freiwillig ins Mittelfeld absteigen müssen. Damit Ferrari, Red Bull und Mercedes noch mehr Geld ausgeben können, um zu gewinnen. Wie krank ist das denn?

Und ist dem Sport geholfen, wenn von vornherein nur noch drei Teams gewinnen können? Williams ist nur auf den ersten Blick ein Gegenbeispiel. Der drittälteste Rennstall profitiert auch davon, dass er auf Mercedes gesetzt und einen besseren Job gemacht hat als die anderen Mercedes-Kunden. Wenn Renault und Ferrari mehr Power finden, wird Williams nicht mehr Red Bull und Ferrari vor der Nase herumfahren.

Die großen Teams pochen jetzt auf ihre Verträge. Das einzige, was sie am Ende in der Hand haben ist ein Vertrag, der ihnen kein Geld mehr auszahlt.

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