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Schmidts F1-Blog

Formel 1 auf Clubsport-Niveau

Impressionen - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2015 Foto: ams 102 Bilder

Die neue Formel 1-Saison beginnt vor Gericht. Das Thema in Melbourne ist nicht, wer das schnellste Auto hat. Es geht um den Fall Sauber gegen Giedo van der Garde. Außerdem haben wir ein Auto im Feld, das peinlich langsam sein wird. Das ist Clubsport-Niveau, meint Michael Schmidt in seinem Blog.

11.03.2015 Michael Schmidt

Die Vorfreude auf die 66. Formel 1-Saison der Geschichte ist getrübt. Eigentlich sollten wir uns folgende Fragen stellen: Wie überlegen ist Mercedes? Was kann Sebastian Vettel auf Ferrari ausrichten? Packt Red Bull noch die große Wunderwaffe aus? Kriegt McLaren-Honda seine Probleme in den Griff?

Wir diskutieren stattdessen: Wie lange überleben die Patienten Lotus, Force India und Sauber? Gewinnt Giedo van der Garde seine Klage gegen Sauber und was passiert, wenn er Recht bekommt? Muss Sauber dann gleich dichtmachen? Um wie viel langsamer werden die Autos des wieder auferstandenen Manor-Marussia Teams sein? Man muss befürchten, dass es mit einem in einer Nacht- und Nebelaktion umgebauten 2014er Auto und 2014er Ferrari-Motor peinlich wird.

Vorfreude auf F1-Saisonstart getrübt

Wohin ist dieser Sport abgedriftet, dass wir uns solche Fragen schon vor dem ersten Rennen stellen? Normalerweise erreichen uns die Hiobsbotschaften erst im letzten Saisondrittel. Manche von Ihnen werden einwerfen, dass Bernie Ecclestone die Hungerleider doch mit einem Vorschuss von jeweils 10 Millionen Dollar aus der Krise rettet. Ich frage Sie: Für wie lange? In einem halben Jahr werden wir er erneut mit diesem Problem konfrontiert.

Im Fahrerlager gibt es nicht wenige, die sagen, dass van der Garde mit seiner Klage Recht hat. Vertrag ist Vertrag. Und wenn Sauber dabei draufgeht, dann müssen sie sich das selbst zuschreiben. Absolut einverstanden. Doch wir sollten auch das größere Bild sehen. Warum kam Sauber überhaupt in die Notlage, drei Fahrer unter Vertrag zu nehmen? Weil sie ohne eine Finanzspritze von Felipe Nasr schon beim GP Brasilien 2014 tot gewesen wären.

Auch selber schuld, lautet ihr nächster Einwand. Stimmt nicht ganz. Wenn wir nach diesem Grundsatz handeln, dann gäbe es heute Lotus, Force India und Sauber nicht mehr. Marussia wäre niemals wiederbelebt worden. Und Williams käme übernächstes Jahr in die gleiche missliche Lage.

Formel 1 gibt erbärmliches Bild ab

Ich sage es immer wieder, auch wenn es vielleicht keiner mehr hören will: Das System ist faul. Es zwingt die Teams in der zweiten Hälfte des Feldes dazu, Lieferanten spät oder gar nicht zu bezahlen, Fahrer an Bord zu nehmen, die Irrsinnssummen für ein Cockpit bezahlen, finanzielle Klimmzüge zu machen, nur um zu überleben.

Ich bleibe dabei: Das Geld wird ungleich und ungerecht verteilt. Und die Kosten sind ohne Not zu hoch. Die Top-Teams wehren sich mit Händen und Füßen gegen jede Reform, in der irrigen Meinung, dass es ihren Interessen schadet. Doch keiner kann so doof sein, sich nicht auszumalen, was passiert wenn die überlebenden Teams mit drei Autos antreten. Dann wird Mercedes das Podium komplett besetzen.

Das Bild, das die Formel 1 in Melbourne abgibt, ist mehr als erbärmlich. Welche Signale senden die Sauber-Posse, Bernies Notgroschen und Marussias Bastelversuch nach draußen? Kein Sponsor, kein Investor nimmt diesen Zirkus noch ernst. Das ist nicht die Königsklasse. Das ist Clubsport-Niveau.

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