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Schmidts F1 Blog

Formel 1 vor der Spaltung?

Christian Horner & Bernie Ecclestone - Formel 1 Foto: xpb 41 Bilder

Warum hat Red Bull so offensichtlich eine Disqualifikation in Australien provoziert? Formel 1-Experte Michael Schmidt befürchtet in seinem aktuellen Blog, dass ein kühner Plan hinter der Aktion steckt. Droht der Formel 1 eine Zerreißprobe?

26.03.2014 Michael Schmidt

Eigentlich klingt es ganz harmlos. Daniel Ricciardo wurde vom GP Australien ausgeschlossen, weil die erlaubte Durchflussmenge überschritten wurde. Red Bull legt dagegen Berufung ein. Ein normaler Vorgang? Formal ja, politisch mitnichten. Der Fall birgt mehr Sprengstoff als alle anderen zuvor. Die Androhung von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz, dass es eine Schmerzgrenze gibt, ist nur der Anfang. Die Schmerzgrenze bestimmt natürlich Red Bull. Und die endet bei Freispruch.
 
Ich werde das Gefühl nicht los, dass es die Weltmeister mit voller Absicht auf eine Disqualifikation und eine anschließende Berufungsverhandlungen ankommen ließen. Es musste ihnen klar sein, dass die Sportkommissare gar nichts anderes tun konnten, Ricciardo anhand der Faktenlage aus der Wertung zu nehmen. Auch wenn Red Bull vermutlich Recht hat mit seiner Behauptung, dass Ricciardo nach eigenen Messungen immer im grünen Bereich lag.

Red Bull mit neuer Formel 1 unzufrieden

Red Bull riskiert doch nicht ohne Grund einen zweiten Platz in einer Phase, in der man um jeden Punkt froh sein muss, weil Renault noch schwächelt. Hier soll ein Exempel statuiert und ein Reglement bloßgestellt werden, das Red Bull nie wollte. Nicht weil es eine Sparformel und der Sound so enttäuschend leise ist. Nicht, weil der Motor sechs Zylinder und das Getreiebe acht Gänge hat. Nein, weil diese neue Formel Parameter ins Spiel bringt, die Red Bull nicht kontrollieren kann. Jetzt bestimmt nicht mehr nur die Aerodynamik den Sieger, sondern auch eine höchst komplizierte Antriebseinheit. Und da ist Red Bull auf Renault und andere Partner angewiesen.
 
Der österreichische Brausehersteller ist nach vier WM-Titel zum Erfolg verdammt. Das Wort Niederlage kommt im Wortschatz von Dietrich Mateschitz nicht mehr vor. Seine Marke hat sich längst vom Statussymbol einer hippen Fun- und Abenteurer-Gemeinde zu einem Erfolgsmodell gewandelt. Die Message lautet heute: Wo Red Bull draufsteht, ist ganz vorne. Die Formel 1-Dominanz hat das in den letzten vier Jahren alle zwei Wochen unterstrichen. Immer wenn äußere Einflüsse die Siegesserie störten, hat Red Bull Politik in eigener Sache gemacht. Beim Verbot des angeblasenen Diffusors, bei den wachsweichen Pirelli-Reifen.
 
Jetzt ist es wieder so weit. Doch diesmal ist der Fall ernster. Die V6-Turbos kann man nicht einfach so durch die alten V8-Motoren ersetzen, wie das Pirelli im Vorjahr mit seinen Reifen getan hat. Neue gegen alte. Red Bull wird nicht aussteigen, auch wenn Mateschitz damit droht. Das wäre nicht sein Stil.

Planen Red Bull und Ecclestone eine eigene Serie?

Mein Gefühl sagt: Red Bull will umsteigen, mit Bernie Ecclestone und Gefolge aber ohne die FIA und eine Piratenserie ins Leben rufen. Mit Cosworth-Motoren, Kundenautos, freier Aerodynamik und Michelin-Reifen die kleben und ewig halten. Man wird die kleinen Teams damit locken, dass es die alten V8-Motoren fast zum Nulltarif gibt, dass man nicht unbedingt sein Auto selbst bauen muss, und man wird die Fans damit umgarnen, dass es wieder nach Benzin riechen und Reifengummi stinken darf.

Zugegeben, das ist einfach so ein Bauchgefühl, wohin die Reise gehen könnte. Aber es gibt genug Indizien dafür, dass sich im Hintergrund etwas zusammenbraut, das die Formel 1 spalten könnte. Red Bull und Bernie Ecclestone haben die FIA mit ihrem Öko-Trip und der Absicht einer Budgetdeckelung schon lange satt.

Mit der Einführung der Strategie-Gruppe wurde der Verband in seiner Macht geschwächt. Die sechs Teams entscheiden, und Bernie sorgt eifrig dafür, dass er ein Übergewicht bekommt. Bestes Beispiel ist McLaren. Ecclestone hat den Staatsstreich von Ron Dennis unterstützt, obwohl der nicht zu seinen Freunden zählt. Er ist ihm aber immer noch lieber als Martin Whitmarsh, der zu offensichtlich auf der FIA-Welle geschwommen ist.

Es fällt auf, dass Red Bull und Ecclestone die neue Formel 1 im Gleichklang schlechtreden, was man bei Red Bull noch verstehen kann, bei Ecclestone schon nicht mehr, denn es ist das Produkt, das er verkaufen muss. Melbourne-Promoter Ron Walker drohte mit Klage, weil ihm der leise Sound die Fans vertreibt. Walker gehört zu Bernies Claqueuren. Der macht nichts ohne Absprache mit dem großen Chef.

Drei neue Teams haben sich um eine Lizenz bei der FIA beworben, doch die Rechteinhaber zögern eine Entscheidung hinaus, obwohl zumindest der Antrag von Gene Haas über jeden Zweifel erhaben ist. Vielleicht, weil man diese Teams lieber bei sich haben will, wenn es zu einer Abspaltung kommt. Klingelt da was?

Was macht Ferrari?

Was würde passieren, wenn die Separatisten den Weg zurück zur alten Formel 1 fordern? Renault und Mercedes wären sofort raus. Sie investieren nicht 100 Millionen Euro in eine neue Technologie, die nur ein Jahr Bestand hat. Die FIA müsste die Preise für die Motoren auf zehn Millionen Euro maximal drücken und sofort eine Kostendeckelung einführen, um sich die kleinen Teams bei Laune zu halten. Denn in der Red Bull-Formel würde auf der Auto-Seite weiter hemmungslos Geld ausgegeben.

Somit wäre Ferrari das Zünglein an der Waage. Wie so oft. Luca di Montezemolo hat sich immer für das entschieden, was gut für Ferrari war. Und das waren Privilegien und die meiste Kohle vom Kuchen.

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