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Schmidts F1-Blog

Geheimnistuerei nicht von dieser Welt

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - Test - Bahrain - 21. Februar 2014 Foto: ams 94 Bilder

Die Formel 1 beklagt sinkende Zuschauerzahlen. Man muss sich nicht wundern, dass das Interesse immer weiter sinkt. Die PR-Arbeit der Teams und Hersteller ist einfach erbärmlich. Aus jedem technischen Problem wird ein Geheimnis gemacht. Stattdessen verkauft man Allgemeinplätze. Wenn die Formel 1 so weitermacht, verliert sie noch mehr Fans, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

22.02.2014 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone begründet seine unsinnige Idee mit den doppelten Punkten mit sinkenden Zuschauerzahlen am TV-Schirm. Auf den Tribünen sitzen auch immer weniger Fans. Man sollte meinen, dass in Krisenzeiten wenigstens die PR-Arbeit forciert wird. Doch die passt sich dem allgemeinen Zustand der Formel 1 an. Man versucht Allgemeinplätze zu verkaufen statt Informationen.

Für das Fernsehen mag das funktionieren. Die TV-Fritzen sind froh um jeden O-Ton. Und wenn er noch so nichtssagend ist. Was die PR-Experten vergessen: Das Fernsehen bekommt durch die neuen Medien immer mehr Konkurrenz. Während der Testfahrten herrscht auf den Internetseiten mehr Verkehr als am Fernsehschirm. Doch die schreibende Presse lässt sich nicht mit Sätzen abspeisen wie: "Ich hatte heute ein mechanisches Problem."

Mehr technische Details für die Fans

Die neue Formel 1 treibt die Fans um. Sie wollen so viel wie möglich von ihr erfahren, doch sie werden von den Teams und Herstellern alleingelassen. Alles unterliegt der Geheimhaltung. Es gibt kaum Fotos, kaum Daten, kaum handfeste Information. Früher war es üblich, dass die Teams die Abmessungen ihrer Autos und die Motorenhersteller Bohrung, Hub, Verdichtungsverhältnisse, Motorgewicht, Höhe, Breite und Länge bis auf das Zehntel genau angaben.

Die Formel 1 ist ein technischer Sport. Wenn man die Fans für die Technik begeistern will, muss man offen sein. Der Witz ist: Die Konkurrenz kennt die Daten sowieso. Wetten, dass Mercedes via Foto-Analyse den Radstand und die Spurweiten des Red Bull kennt. Und umgekehrt. Also kann man es gleich in die Pressemitteilung schreiben.

Stereotype Ausreden statt Fakten

Wenn ein Auto auf der Strecke liegenbleibt oder Stundenlang in der Garage steht, heißt es stereotyp: "Wir haben technische Probleme." Welche? Was genau? Fehlanzeige. Keiner will, keiner darf etwas sagen. Mit ein paar löblichen Ausnahmen. Renault ist so eine. Angesichts der massiven Schwierigkeiten, die die Franzosen haben, gehen sie erstaunlich offen damit um.

Der Rest gefällt sich in Geheimniskrämerei. Wenn ein Mercedes auf der Strecke stehenbleibt, weil ein Sensor sinkenden Öldruck anzeigt, warum darf man das nicht offen kommunizieren? Wenn Ferrari wegen Telemetrie-Ärger den halben Tag in der Box steht, warum erzählt Technikkoordinator Pat Fry am Abend: "Wir hatten ein paar dumme, kleine Probleme“? Wenn Sauber den Vormittag in der Garage verbringt, warum lautet dann die Antwort: "Ein Technikproblem. Mehr können wir nicht sagen."? Warum darf Daniel Ricciardo nur von einem "mechanischen Schaden" sprechen, wenn das Getriebe Ärger macht. Oder war es vielleicht das Differential oder die Antriebswelle?

Mehr Informationen für gute Werbung

Glaubt man bei Ferrari oder Mercedes ernsthaft, dass es Renault weiterhilft, wenn man den genauen Grund über einen Schaden bekanntgibt. Oder dass Red Bull davon profitiert, wenn sie wissen, warum McLaren stundenlang nicht auf die Strecke geht? Sorry, das ist echter Kindergarten. Da reisen zwei Handvoll Journalisten um die halbe Welt, um Werbung für diesen Sport zu betreiben, und als Dank dafür gibt es so einen erbärmlichen Service.
 
Da müssen die Marketingmenschen der Formel 1 ihre Hausaufgaben besser machen. Wäre ich Sponsor, würde ich meinem Werbepartner für jede verhinderte Geschichte Geld abziehen. Interesse wird nur durch möglichst authentische Geschichten erzeugt. Nicht durch Rezitieren von Dingen, die offensichtlich sind. Irgendwie ist dieser Zirkus nicht von dieser Welt.

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