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Schmidts F1-Blog zum Hülkenberg-Wechsel

Ist die sichere Lösung die bessere?

Nico Hülkenberg - GP China 2016 Foto: sutton-images.com 59 Bilder

Beide Force India-Piloten hatten ein Angebot von Renault. Nur Nico Hülkenberg hat zugegriffen. Sergio Perez bleibt seinem Team treu. Hülkenberg entschied sich für die sichere Lösung, Perez für die riskante. Doch sie bietet größere Chancen, meint Michael Schmidt.

18.10.2016 Michael Schmidt 7 Kommentare

Es ist schon komisch. Force India fährt seine beste Saison und befindet sich auf gutem Weg Vierter in der Konstrukteurs-WM zu werden. Und trotzdem dachten beide Piloten über den Absprung zu Renault nach. Nico Hülkenberg geht, Sergio Perez bleibt. Wer hat besser gepokert?

Das ist eine Frage, die sich noch schwerer beantworten lässt als sonst. Weil 2017 mit einem weißen Blatt Papier beginnt. Und wer weiß schon welches Designbüro für 2017 den goldenen Schuss landet und welches einen Flop abliefert. Nichts ist riskanter als ein Teamwechsel vor einem technischen Neubeginn. Zumindest für das erste Jahr.

Force India bei Regelreformen immer stark

So hat sich das auch Sergio Perez gedacht. Er bleibt lieber bei dem Team, das er kennt. Force India hat bei allen Regelreformen in den letzten Jahren richtig reagiert. Und Technik-Coups der Konkurrenz oft schneller und besser kopiert als die direkten Gegner. In diesem Punkt steht er auf einem sicheren Gleis.

Kollege Hülkenberg weiß nicht, was ihn im nächsten Jahr erwartet. Prinzipiell ist die Technikmannschaft von Enstone nicht schlecht. Es sind noch viele dabei, die 2005 und 2006 mit Fernando Alonso Weltmeister wurden. Und mit Lotus 2012 und 2013 zwei Siegerautos bauten.

Doch einige der einstigen Führungskräfte sind auch verschwunden. James Allison und Dirk de Beer seilten sich zu Ferrari ab. Mike Elliott zu Mercedes, Ayao Komatsu zu HaasF1. Das Designbüro von Force India ist seit Jahren stabil.

Der bescheidene Auftritt von Renault in diesem Jahr zeichnet das falsche Bild. Einen Vorjahres-Lotus von einem Mercedes- auf einen Renault-Motor umbauen, das konnte nicht gut gehen.

Es muss aber auch gesagt werden: Während bei Force India jedes Upgrade den Fortschritt brachte, den es versprach, brauchte Renault manchmal den zweiten oder dritten Anlauf. Die größere Treffsicherheit bietet das Team, das Hülkenberg verlässt.

Hülkenberg mit vorzeitigem Absprung

2017 gibt es keine Ausreden mehr. Dann werden Bob Bell und Nick Chester beweisen müssen, dass sie ihre Truppe gut aufgestellt haben. Dem Gefühl nach würde ich sagen: Technisch hat Perez im nächsten Jahr noch die besseren Karten. Auch weil er Mercedes-Motor fährt.

Und nur um dieses eine Jahr geht es Perez. Danach ist er frei. Der Mexikaner will Ende 2017 endlich den Absprung zu einem Top-Team schaffen. Einzig möglicher Landeplatz ist Ferrari. Das wollte auch Hülkenberg. Auch er hätte 2017 frei entscheiden können. Wobei seine Chancen bei Ferrari geringer sind als die von Perez. Weil schon ein Deutscher im Team ist, und weil im Gefolge von Perez Sponsor-Millionen aus Mexiko winken.

So erscheint es logisch, dass Hülkenberg seinen Absprung bereits um ein Jahr vorgezogen hat. Ein Platz bei einem Werksteam erschien im verlockender als die ewige finanzielle Gratwanderung bei Force India, die ein Finanzloch nach dem anderen überbrücken müssen.

Die Geldnöte können schnell mal technisch zum Bumerang werden. Wie 2015, als Force India die Saison mit einem halbfertigen Auto begann. Auch diesmal ist das Geld wieder knapp. Force India hat mit dem 2017er Auto nur einen Schuss, und der muss sitzen.

Druck auf dem Renault-Kessel

Hülkenberg wollte endlich mal pünktlich bezahlt werden und die Existenzängste um sein Team loswerden. Da ist der bei Renault richtig. Doch in dem französischen Nationalteam sind andere Bomben versteckt. Ein ungeduldiger Präsident, der schnell Erfolg sehen will. Kompetenzgerangel zwischen Sportchef Cyril Abiteboul und Teamchef Frederic Vasseur. Irgendwo dazwischen Markenbotschafter Alain Prost.

Dazu kommt der hohe Erwartungsdruck. Wenn die Erfolge ausbleiben, kann das schöne Revival schnell ins Gegenteil kippen. Welche unheilvolle Dynamik eine Durststrecke bei einem Werksteam entwickeln kann, erlebt Sebastian Vettel gerade bei Ferrari.

Und wie lautet das Fazit? Wenn der Plan von Perez mit Ferrari für 2017 klappt, dann hat der Mexikaner die bessere Wahl getroffen. Wenn nicht, hat Hülkenberg besser gepokert.

Neuester Kommentar

Hallo Herr Schmidt,

vielen Dank für ihre rasche Antwort.

Ich gebe Ihnen sogar grundsätzlich Recht, dass Force India eines der effizientesten Teams in der Formel 1 ist und folge Ihnen auch bei der Behauptung, dass Force India mit einem Budget von 150 Mio Dollar vor Ferrari landen würde. Allerdings entspricht das (leider) nicht der Realität.

Fehlt noch der Wetteinsatz. Wenn ich gewinne, hätte ich gerne ein digitales Jahresabo der Auto Motor und Sport. Falls Sie gewinnen, würde ich der Formel 1 Redaktion einen Kasten Augustiner aus München vorbeibringen. Einverstanden?

Beste Grüße,
Peter Schlosser

PeterSchlosser 19. Oktober 2016, 15:15 Uhr
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