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Schmidts Formel 1-Blog

Ingenieure wichtiger als Fahrer

Nico Hülkenberg - Sauber - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 10. Oktober 2013 Foto: ams 23 Bilder

Nur vier der elf Teams verpflichten ihre Fahrer nach Leistung. Alle anderen fragen zumindest bei einem ihrer Piloten nach Geld. Dafür boomt der Markt der Ingenieure. Der dekadente Fahrermarkt zeigt, dass in der Formel 1 derzeit viel schief läuft, meint F1-Experte Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

17.10.2013 Michael Schmidt

Es ist ein Gespräch unter Rennfahrern. Nico Hülkenberg fragt Mercedes-Ersatzfahrer Sam Bird, ob er für 2014 schon ein Cockpit gefunden hat. Der Zweite der GP2-Meisterschaft zuckt bedauernd mit den Schultern. "Ich rede mit vielen Teams. Aber wo ich hinkomme, gibt es nur eine Frage: Hast du Geld? Aber ich habe leider gar nichts."

Bird wird auch dann keine besseren Chancen auf ein Formel 1-Cockpit haben, wenn er beim GP2-Finale in Abu Dhabi den Schweizer Fabio Leimer im Kampf um die Meisterschaft schlägt. Erfolge und Talent alleine reichen heutzutage nicht.

Früher war der Titel in der höchsten Nachwuchskategorie fast automatisch die Eintrittskarte in die Formel 1. Alle Formel 2-Meister bis auf einen haben es in die Königsklasse geschafft. Und 16 von 20 Formel 3000-Champions.

Von den acht GP2-Meistern blieben zwei sitzen: Giorgio Pantano und Davide Valsecchi. Es steht zu befürchten, dass auch der diesjährige Meister keine Eintrittskarte in die höchste Spielklasse erhält. Außer er bezahlt. Und dann Minimum acht Millionen Dollar.

Lotus hätte Hülkenberg schon längst verpflichten müssen

Schon Romain Grosjean und Pastor Maldonado, die Meister von 2010 und 2011 schafften nur den Aufstieg wegen einer bekömmlichen Mitgift. Grosjean wurde von Total unterstützt, Maldonado vom kolumbianischen Ölkartell PDVSA.

Manche sagen: Gehörten Bezahlfahrer nicht schon immer zum Geschäft? Ja, aber es war noch nie so schlimm. Zurzeit wird mehr für Ingenieure bezahlt als für Rennfahrer. Die großen Teams werben sich die Hochkaräter aus den Technikbüros für mehr Geld ab, als die kleinen Teams für ihre Fahrer ausgeben würden.

2014 wählen nur Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren beide Fahrer nach Qualitätsmaßstäben aus. Toro Rosso bedient sich aus dem Red Bull-Pool. Bei allen anderen Teams ist Geld bei zumindest einem der beiden Piloten ein Auswahlkriterium.

Wenn Lotus eine Verpflichtung von Pastor Maldonado in Erwägung zieht, dann nur weil mit dem Venezolaner 35 Millionen Euro ins Team kommen könnten. Da stimmt doch etwas nicht in der Formel 1.

Der viertbeste Rennstall muss die beiden Cockpits mit den besten verfügbaren Fahrern besetzen. Nico Hülkenberg hätte bei seinen Leistungen eigentlich schon vorgestern bei Lotus unterschreiben müssen. Er wird eines bekommen. Doch die Warterei nervt.

Und dann ist immer noch die Frage, ob er auch Geld für seinen Job bekommt. Hülkenberg wartet immer noch auf einen Teil seiner Gage von 2012 von Force India. Und von 2013 bei Sauber. Er würde zur Not auch gratis fahren, wenn das Auto gut ist und er Privatsponsoren hat, erklärte der Rheinländer kürzlich sogar.

Selbst ein Ex-Weltmeister wie Kimi Räikkönen hat noch Rechnungen offen bei Lotus. Mindestens sechs Fahrer fahren unbezahlt. McLaren könnte Force India zwingen, Kevin Magnussen zu nehmen, weil Force India angeblich noch sieben Millionen Pfund Schulden bei McLaren für Technik-Support hat. Max Chilton soll mit zwölf Millionen an der Force India-Tür anklopfen. Was sind das für Zustände?

Finanzielle Sorgen treiben Teams zu Pay Drivern

Schuld sind die finanziellen Sorgen der betreffenden Teams. Erst wenn bei Lotus, Force India, Sauber und vielleicht auch noch McLaren die Finanzen geklärt sind, rückt Hülkenberg in seine Position. Und dann Felipe Massa, Adrian Sutil, Paul di Resta, Esteban Gutierrez, Pastor Maldonado und all die anderen. Hülkenberg resigniert: "Vielleicht bin ich einfach in die falsche Zeit hineingeboren."

Die Lage ist viel ernster als sie aussieht. Der Technikwettlauf frisst den Teams die Kasse leer. Das wird 2014 mit den neuen Motoren noch schlimmer. Auch die von Red Bull und Ferrari vehement geforderten Kundenteams würden die Lage nicht verbessern. Man darf doch nicht im Ernst glauben, dass es ganze Autos dann zum Nulltarif gibt.

Die Kunden werden sich genauso schwer tun, das Geld dafür aufzutreiben wie sie sich jetzt abstrampeln eigene Autos zu bauen. Wie sonst kann es sein, dass Force India Schulden bei McLaren hat? Und dort kauft man nur Getriebe und Hydraulik ein, nicht das ganze Auto.

Die Königsklasse gibt derzeit ein trauriges Bild ab. Offiziell ist die Formel 1 eine Fahrer-Weltmeisterschaft. Hier ist der Verband gefragt. Die FIA hätte schon längst eingreifen müssen. In den letzten Jahren ist zu viel aus dem Ruder gelaufen.

Es ist einfach schlecht für das Image der höchsten Spielklasse, dass die Hauptdarsteller zu einer Spielmasse degradiert werden, die man einfach so hin und herschieben kann. Es darf auch nicht sein, dass Geld wichtiger ist als Talent.

Da muss man Red Bulls Aufbauarbeit loben. Talentförderung ist nicht nur ein Lippenbekenntnis. Die eigenen Nachwuchsfahrer kommen tatsächlich in die Formel 1. Auch das McLaren-System funktioniert. Von Ferrari und Mercedes kam bis jetzt nichts.

Kampagnen wie die von Red Bull oder McLaren dürfen aber nicht der einzige Weg bleiben, um nach oben zu kommen. Ein Talent muss es auch ohne Unterstützung von Sponsoren, Teams oder Herstellern schaffen können.

Was meinen Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung. Wie sieht der Weg aus der Krise der Formel 1 aus?

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