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Schmidts F1 Blog

Kurzes Gedächtnis im Quali-Streit

Mercedes - GP Bahrain 2016 Foto: Wolfgang Wilhelm

Die Diskussionen um das Qualifikationsformat nehmen kein Ende. Und das alles nur, weil Bernie Ecclestone die überlegenen Mercedes ausbremsen will. Viele tun so, als sei das Regel-Chaos eine Krankheit der modernen Formel 1. Dabei ist es alles schon mal dagewesen, erinnert sich Michael Schmidt in seinem Blog.

07.04.2016 Michael Schmidt

Wie viele Qualifikationsformate haben wir in den vergangenen Monaten diskutiert? Zwischen 20 und 30 sagt Bernie Ecclestone. Gefühlt waren es mehr. Die Teams stimmen auch hin und wieder mal über einen neuen Modus ab, weil der aktuelle nicht so funktioniert, wie es sich seine Erfinder gewünscht haben.

Inzwischen bekommt der Streit eine politische Dimension. Die Teams wollen zurück zum alten System. Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt wollen etwas, das die Teams nicht wollen. Nur um zu zeigen, wer im Fahrerlager die Hosen anhat. In Bahrain wurde 90 Minuten gestritten. Am Donnerstag schickten die Teams auch noch einen bösen Brief an die F1-Bosse hinterher.

Doch warum schaltet Ecclestone auf stur? Er selbst gibt die Antwort: "Nicht um die Qualifikation zu verbessern. Wir wollen, dass die Rennen unberechenbarer werden. Das geht nur, wenn die Schnellen beim Start auch mal weiter hinten stehen."

Mit anderen Worten. Bernie will die überlegenen Mercedes ausbremsen. Das Ganze wirkt nicht sonderlich professionell. Und doch ist es keine Ausgeburt der aktuellen Führungsschwäche, wie es Sebastian Vettel ausdrückt.

Gleicher Qualifying-Streit vor 13 Jahren

Manche in diesem Sport haben ein kurzes Gedächtnis. Wir hatten exakt die gleiche Komödie vor 13 Jahren aus exakt den gleichen Gründen. Ferrari und Michael Schumacher siegten die Formel 1 zu Tode. Zwischen 2000 und 2004 startete Ferrari 51 Mal von der Pole Position und räumte 57 Siege in 85 Rennen ab.

Das wurde selbst denen zu viel, die in der Ära davor alles getan haben, damit Ferrari wieder einen Titel gewinnt. Und was haben Bernie Ecclestone und Max Mosley seinerzeit gemacht, um die Ferrari-Dominanz zu brechen? Richtig. Sie haben das Qualifikationsformat geändert.

Und zwar über 3 Jahre immer wieder neu. 2003 löste ein Einzelzeitfahren das 60-minütige Abschlusstraining ab. Zuerst in 2 Teilen. Am Freitag in umgekehrter Reihenfolge des WM-Standes. Die Rangliste vom Freitag bestimmte dann, wer im eigentlichen Zeittraining wann auf die Strecke musste. Der Langsamste vom Freitag zuerst, der Schnellste zuletzt.

Hat nicht funktioniert. Also Kehrtwende 2004: Beide Einzelzeitfahren fanden direkt hintereinander statt. Der erste Teil in umgekehrter Reihenfolge des letzten Rennresultats. Der zweite mit dem Tankinhalt, mit dem der Fahrer im Rennen losfahren sollte.

2005 wurde es noch konfuser. Zunächst wurden die beiden Zeitläufe addiert. Der erste Akt fand am Samstag statt, der zweite Sonntagfrüh. Mitten in der Saison waren alle schlauer. Addierte Zeiten funktionieren nicht. Ab dem GP Europa gab es nur noch ein einziges Einzelzeitfahren. Das bestimmte die Startaufstellung.

Weil auch das bei den Fans keine Gnade fand und der gewünschte Effekt ausblieb, erfanden die Regelhüter 2006 das Ausscheidungsfahren in 3 Akten. Mit dem wir bis zum letzten Jahr glücklich waren. Bis Ecclestone und Todt der Mercedes-Alleingang auf die Nerven ging. Dieses System war gut, aber es hat die Guten auch nur ganz selten bestraft.

2006 bekam Ferrari Konkurrenz. Was nichts mit dem neuen Qualifikationsformat zu tun hatte. Schon eher, weil die Formel 1 den Zehnzylinder gegen V8-Motoren eintauschte, weil Michelin bessere Reifen als Bridgestone baute, weil die Konkurrenz aerodynamisch aufgeschlossen hatte und weil Michael Schumacher mit Fernando Alonso und Kimi Räikkönen auch fahrerisch wieder echte Gegner bekam. Vielleicht sollte man aus der Geschichte seine Lehren ziehen.

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