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Schmidts F1-Blog

Lehrstunde für GP-Veranstalter

Fans - GP Österreich 2014 Foto: Red Bull 66 Bilder

Das Comeback des GP Österreich war ein Highlight in jeder Hinsicht. Es war Motorsport pur. Eine Lehrstunde für all jene Veranstalter, die uns nur noch Dutzendware bieten. Red Bull bot den Fans eine Grand Prix-Party, die an frühere Zeiten erinnerte. Genau der richtige Weg, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

24.06.2014 Michael Schmidt

Red Bull polarisiert. Die einen finden den Limonade-Hersteller aus Österreich cool, den anderen ist er zu protzig. Manche sagen, Firmenchef Dietrich Mateschitz kaufe sich mit seinem Geld alles. Erfolg, Sympathie, die Gunst einer ganzen Region.

Im Fall des Revivals des GP Österreich ein ungerechter Vorwurf. Mateschitz tut etwas Sinnvolles mit seinem Geld. Er bringt es unter die Leute. Renoviert eine Rennstrecke, organisiert eine riesige PS-Party, schafft Arbeitsplätze. Er hätte auch Aktionäre, Investoren, Banken oder sich selbst noch reicher machen können. Wie es in seinen Kreisen so üblich ist.

Das Comeback der Formel 1 in Spielberg war eine Lehrstunde für alle Veranstalter, die immer nur jammern wie schwer es ist, Tickets an den Mann oder die Frau zu bringen. Und dann den Sound als Grund für den Zuschauerschwund vorschieben. Die Formel 1 war in Spielberg nicht lauter als anderswo.

Vergessen wir die 200 Millionen Euro, die Red Bull in die Strecke, die Hotels und die Infrastruktur gesteckt hat. Das ist sein Vorteil. Mateschitz hat die Kohle, und er ist bereit sie zu investieren. Hockenheim, der Nürburgring, Spa oder Barcelona haben sie nicht. Doch darum geht es nicht. Es geht um die Begeisterung, die Red Bull mit seinem Projekt im Land entfacht hat. Und das Programm, das den Besuchern geboten wurde. 220.000 waren es an drei Tagen, allein 95.000 am Sonntag.

Spielberg feiert F1-Party auf den Camping-Plätzen

Red Bull hat verstanden. Rennsport-Fans sind ein eigener Schlag. Die wollen nicht den ganzen Tag auf der Tribüne hocken, mit der Formel 1 und hundert Rahmenrennen zugedröhnt werden, um dann am Abend in ein viel zu teures Hotel 50 Kilometer von der Strecke entfernt zu fahren. Am Red Bull-Ring spielte sich alles im Umkreis von 10 Kilometern ab. Und das größte Fest fand am Streckenrand statt.

Die Camper-City zwischen den Ortschaften Spielberg und Flatschach nahm Ausmaße an, die an den alten Österreichring erinnerten. Vier Tage lang herrschte Ausnahmezustand, gab es in den Restaurants, Kneipen oder auf den Campingplätzen nur ein Thema: Die Rückkehr der Formel 1 nach Österreich. Die Fußball-WM lief im Beiprogramm ab. Man spürte auf Schritt und Tritt. Die Leute hatten Spaß an einem großen Fest.

Ich wette, 90 Prozent kommen wieder. Weil sie gut unterhalten wurden und am Montag so viel zu erzählen haben, die sie die anderen zehn Prozent auch noch motivieren. Man fragt sich unwillkürlich, warum wir das in Deutschland nicht hinkriegen?

Vielleicht liegt es an der Vergangenheit. Jochen Rindt hat Österreich 1970 mit Motorsport infiziert. Niki Lauda und Gerhard Berger versorgten die nächsten Generationen mit WM-Titeln und GP-Siegen. Natürlich heroisierte Österreich seine PS-Legenden, aber mit ihnen als Zugpferd wurde auch der ganze Sport verkauft. Man merkt es an den Fans. Die meisten sind fachkundig, fast so wie in England. Motorsport füllt die Schlagzeilen, obwohl es aktuell keinen Formel 1-Fahrer aus Österreich gibt.

Deutsche Fans trauern noch Schumi hinterher

Wir haben Vettel, Rosberg, Hülkenberg, Sutil und Mercedes. Doch die meisten trauern immer noch der Schumacher-Ära hinterher. So als hätte es vorher und nachher nie Motorsport gegeben. Der Personenkult überstrahlt den Sport. Und jetzt, wo der Superstar nicht mehr da ist, reichen die Interessierten nicht aus, die Tribünen zu füllen. Traurige Erkenntnis: Es sind nicht viele Motorsportfans hängen geblieben aus dieser Zeit.

Was die Formel 1 der Alpenrepublik bedeutet, zeigte ein Korso mit neun österreichischen GP-Piloten in ihren Originalautos. Da steckte jede Menge Geschichte und Emotion drin. Die Fans waren aus dem Häuschen, als sich die Museumsautos in Marsch gesetzt haben. Als die nationalen Legenden am Samstagabend zur Generalprobe sich in ihre etwas eng gewordenen Cockpits zwängten, da war der Platz so voll wie am Petersdom vor der Heiligen Messe.

Die alten Formel 1-Autos standen nicht irgendwo eingesperrt im Fahrerlager, sondern mitten im Zuschauerraum. Faszination zum Anfassen. Ohne gleich abkassiert zu werden. Auch Bernie Ecclestone hat es registriert. Man sollte das Erbe der Formel 1 öfter in das Unterhaltungsprogramm einbauen, meinte der Chef. Zurück zu den Wurzeln, tut manchmal ganz gut.

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