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Schmidts F1-Blog

Mit Schmerzmittel gegen Krebs

GP Italien - Parc Fermé - 2013 Foto: Wilhelm 23 Bilder

Die Teams, Bernie Ecclestone und Jean Todt haben gemerkt, dass die Krise in der Formel 1 angekommen ist. Jetzt regiert die Panik. Von Kundenautos oder acht Teams à drei Autos ist die Rede. Das wird die Krankheit nicht heilen, sondern nur die Schmerzen verlängern, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

23.11.2013 Michael Schmidt

Lotus steckt in Schwierigkeiten. Wenn Pastor Maldonado seine Öl-Millionen nicht mitbringt, muss der Rennstall möglicherweise schließen. Sauber führt seit einem Jahr einen Kampf ums Überleben. Die Teamleitung spricht zwar tapfer von russischen Partnern, aber man kennt sie nicht. Gerüchteweise war von der Ölfirma Rosneft zu hören. Für Williams könnte der Existenzkampf in einem Jahr beginnen, dann wenn die Abfindung von PDVSA aufgebraucht ist.

Plötzlich merken alle, dass die Formel 1 krank ist. Auch jene, die es lange nicht einsehen wollten: Die Top-Teams, Bernie Ecclestone, FIA-Präsident Jean Todt. Die Strippenzieher reagieren wie immer mit blindem Aktionismus. Es wird wieder nach Kundenautos gerufen. Oder, dass es nur noch acht Teams geben soll, die dann jeweils drei Autos einsetzen.
 
Es ist traurig, dass die Formel 1 aus ihren Fehlern nicht lernt. Das Problem von heute entstand vor ungefähr zehn Jahren, als noch sieben Hersteller in der Formel 1 vertreten waren und die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wurde. Leider wurden die Ausgaben mit dem Verschwinden der Hersteller nicht zurückgeschraubt.

Red Bull-Titel 2012 kostet 278 Millionen Euro

Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren geben immer noch so viel Geld aus wie in den so genannten goldenen Zeiten der Formel 1. Im englischen Handelsregister lässt sich nachlesen, wie viel der dritte WM-Titel 2012 Red Bull gekostet hat: 232 Millionen Pfund. In Euro hört sich das noch verrückter an: 278 Millionen. Allein der Entwicklungsetat beträgt 91 Millionen. So viel wie das Gesamtbudget von Sauber oder Force India.
 
Sämtliche Versuche, die Kosten zu reduzieren, sind fehlgeschlagen. Gescheitert am Veto der großen Teams, die ihren Vorteil nicht herschenken wollten. Max Mosley wollte eine Budgetdeckelung einführen und wurde mit Hilfe der großen Teams aus dem Amt gedrängt. Von Jean Todt hört man bis jetzt nur Lippenbekenntnisse. Bernie Ecclestone vertritt sowieso die Meinung, dass in der Formel 1 nur Teams sein sollten, die sich das auch leisten können. Das könnten bald schon verdammt wenige sein.

Kundenautos sind keine Lösung

Wäre die Formel 1 ein Patient, könnte man sagen: Es hat vor zehn Jahren mit einem kleinen Krebsgeschwür begonnen. Seitdem wirft sie Schmerzmittel ein, um den Tumor zu bekämpfen. Mit dem Ergebnis, dass der Krebs gewachsen ist. Auch jetzt greifen die Drahtzieher wieder zur Schmerzpille.
 
Kundenautos oder acht Teams à drei Autos sind keine Lösung. Sie verlängern nur die Schmerzen. Ist es so schwer zu verstehen, dass von acht Teams wieder einer Letzter und ein anderer Vorletzter sein wird? Und dass die Niederlage dann viel mehr Geld kostet als heute. Nicht nur wegen dem dritten Auto.
 
Wenn die kleinen Teams sterben, müssen sich die Verbleibenden noch weiter zur Decke strecken. Ferrari, Red Bull und Mercedes werden noch mehr Geld ausgeben, weil sie keiner mehr bremst. Und die anderen müssen mitziehen, bis ihnen die Luft ausgeht.

Einnahmen gerechter verteilen

Es gibt nur eine Lösung. Bernie Ecclestone muss die 840 Millionen Dollar, die zur Ausschüttung kommen, gerechter verteilen. Es geht nicht, dass Ferrari 171 und Red Bull 162 Millionen Dollar bekommen, ein Lotus aber nur 65 und ein Sauber 53. Und es muss endlich eine wirksame Kostenbremse her.
 
Man kann ja mit 150 Millionen Dollar einsteigen und schrittweise auf 100 Millionen runterfahren. Bekäme jedes Team von Ecclestone zwischen 60 und 90 Millionen Dollar könnte bei einer Budgetdeckelung von 100 Millionen jeder gut leben. Und der Beste würde gewinnen, nicht der Reichste.

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