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Schmidts F1-Blog

Montezemolo als klassische Fehlbesetzung

Luca di Montezemolo - Formel 1 Foto: xpb 54 Bilder

Luca di Montezemolo ist nicht zufrieden und fordert eine weitere Reform der Formel 1. Der Ferrari-Präsident will jetzt ein Krisentreffen. Aber als Krisenmanager wäre gerade er eine Fehlbesetzung, meint F1-Experte Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

14.07.2014 Michael Schmidt

Luca di Montezemolo vermisst den Charme der Formel 1. Er will die Reform der Reform. Ihm sind die Rennen zu langweilig und zu kompliziert. Er vergleicht die Grand Prix mit Taxifahrten, will Sprit- und Reifenlimits aufheben. Da fragt man sich: Warum gehörte Ferrari zu der Gruppe, die diese neuen Antriebseinheiten unbedingt wollten?

Es war allen bekannt, dass 100 Kilogramm Benzin für eine Renndistanz reichen müssen. Es hat auch keiner ein großes Problem damit. Außer Ferrari. Alonso war nach dem GP England der einzige, der vom Spritsparen sprach.

Spektakuläre Rennen mit aktuellem Reglement

Wenn Montezemolo von "Taxifahrern" spricht, hat er den letzten Grand Prix nicht gesehen. Was Fernando Alonso und Sebastian Vettel 13 Runden lang geboten haben, war alles andere als eine Taxifahrt. Der Ferrari-Präsident soll uns mal erzählen, wann er zuletzt zwei Überholmanöver in Copse Corner gesehen hat, einer Kurve, die mit 240 bis 250 km/h gefahren wird. Lange genug dabei ist er ja.

Die Rennen sind auch nicht langweilig. Im Gegenteil. Wir haben im Schnitt spannendere Grand Prix als im letzten Jahr. Und sicher spannender als 2001, 2002 und 2004, als Ferrari und Michael Schumacher die Formel 1 zu Tode gesiegt haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass Montezemolo damals auf die Barrikaden gestiegen ist.

Jetzt ist halt mal Mercedes an der Reihe. In den letzten vier Jahren war es Red Bull. Im Gegensatz zu Ferrari und zu Red Bull gibt es im Augenblick wenigstens noch ein richtiges Rennen zwischen den Mercedes-Fahrern.

Natürlich sind die Autos langsamer geworden. Aber nicht wegen der Motoren. Sondern weil man ihnen 15 Prozent Abtrieb genommen hat. Wenn sich die FIA endlich mal dazu durchringen könnte, nicht dauernd die Aerodynamik-Regeln zu ändern oder Entwicklungen zu verbieten, die Rundenzeit bringen (Fric), dann werden die Autos in ein, zwei Jahren auch wieder so schnell sein wie zuvor.

Ferrari geht es nicht im das Allgemeinwohl

Die Formel 1 ist zu kompliziert. Da hat er Recht. Das technische Reglement gehört nicht auf 88 Seiten geschrieben, sondern auf 8. Das hat aber seinen Preis. Nämlich, dass die Teams zu annähernd gleichen Teilen von den Einnahmen partizipieren, und dass es gewisse Grenzen bei der Entwicklung gibt, weil sonst das Wettrüsten zu teuer wird. Und das grenzt die aus, die weniger Geld haben. Ich fürchte, dass der Ferrari-Präsident da nicht zustimmen wird. Wäre aber dringend notwendig.

Die Rennen selbst sind nicht komplizierter als in den goldenen Ferrari-Jahren zwischen 2000 und 2004. Auch damals gab es Boxenstopps. Teilweise sogar mehr als heute. Wer übersichtlichere Rennen will, muss Reifenwechsel abschaffen. Am besten noch den ganzen Telemetrie-Kram.

Wahrscheinlich packt Montezemolo wieder seinen beliebten Vorschlag aus, die Grand Prix zu verkürzen. Weil sich die jungen Leute nicht mehr so lang konzentrieren können und vom Internet, von Twitter und Facebook zu sehr abgelenkt sind. Lieber Luca, das ist Humbug. Wenn es so wäre, dann dürfte ein Fußballspiel schon lange nicht mehr 90 Minuten dauern.

Formel 1-Probleme hausgemacht

Die Facebook-Generation wurde in Amerika geboren. Wenn Montezemolos Argument stimmt, hätten die vier großen amerikanischen Sportarten Football, Basketball, Baseball und Eishockey längst ihre Spieldauer ändern müssen. Haben sie aber nicht. Ein gutes Produkt ist ein gutes Produkt. Egal, welche Spielzeuge und Kommunikationsmöglichkeiten die jungen Leute haben.

Was ich damit sagen will: Es gibt im Motorsport bestimmt viele Dinge, die in den letzten Jahren schief gelaufen sind. Aber dafür sind ausschließlich die Drahtzieher des Sports verantwortlich. Nur sie hatten die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Deshalb sollte man die zweite Reform nicht von den Leuten machen lassen, die die erste verbockt haben und eigene Interessen verfolgen. Montezemolo ist für diese Aufgabe eine klassische Fehlbesetzung. Und viele andere auch.

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