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Schmidts F1-Blog

Panikreaktion in Maranello

Stefano Domenicali Foto: xpb 54 Bilder

Ferrari hat sich von Stefano Domenicali getrennt. Weil die Saison nicht so anläuft, wie geplant. Ferrari täte gut daran, nicht gleich bei jeder Niederlage in Panik zu verfallen, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

15.04.2014 Michael Schmidt

Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Ferrari kassiert eine schmerzliche Niederlage, und ein Kopf muss rollen. 2011 hieß das Baueropfer Aldo Costa. Der Technikchef büßte für einen vierten Platz von Fernando Alonso beim GP Spanien. Das Schlimme daran: Alonso wurde überrundet.
 
Damals soll der Präsident daheim in Maranello einen Fernseher durchs offene Fenster geworfen haben. Costa wurde vorgeworfen, seine Konstruktionsphilosophie sei zu konservativ. Drei Jahre später entstand unter der Leitung des gleichen Konstrukteurs das derzeit beste Auto der Formel 1 - nur nicht in Rot sondern in Silber.

Stefano Domenicali musste gehen, weil die beiden Ferrari beim GP Bahrain von zwei Mercedes, zwei Red Bull, zwei Force India und zwei Williams abgehängt wurden. Ferrari war nur die fünfte Kraft, und Präsident Luca di Montezemolo erlebte die Blamage auch noch live in der Box mit.

Domenicali als Ferrari-Bauernopfer

Man hätte fast darauf wetten können, dass Rennleiter Stefano Domenicali seinen Hut nimmt. Wieder musste ein Schuldiger her. Wieder eine Kurzschlusshandlung. Und dann kommt noch einer als Nachfolger, der den Motorsport nur vom Hörensagen kennt. Statt dass man sich in Maranello hinsetzt und die Gründe der Pleite analysiert.
 
Die Formel 1 wurde 2014 auf den Kopf gestellt. Alles ist neu. Das birgt die Gefahr 1.000 Fehler zu machen. Es gab keine Gewinngarantie. Ferrari hat ausnahmsweise ein gutes Auto gebaut und den Fehler beim Motor gemacht, was man öffentlich aber nicht zugeben darf, weil der Motor das Heiligtum ist.

Ist dies Domenicalis Schuld? Wohl kaum. Er hat im Chassisbereich mit James Allison und Dirk de Beer die richtigen Leute eingekauft. Er hat mit Fernando Alonso und Kimi Räikkönen zwei Weltmeister an Bord. Das mit dem Motor kann schieflaufen. Siehe Renault. Red Bull hat es aus dem gleichen Grund erwischt. Schmeißen die deshalb gleich Christian Horner raus?

Teamchef-Karussell hat bei Ferrari Tradition

Ferrari erinnert mich ein bisschen an die planlose Zeit nach dem Tod von Enzo Ferrari. Da wurden mit Piergiorgio Capelli und Pierguido Castelli auch zunächst branchenfremde Manager in den Chefsessel gehoben. Dann ging es mit Cesare Fiorio, Claudio Lombardi und Piero Lardi in rascher Abfolge weiter, bis mit Jean Todt endlich der Anker geworfen wurde.

Das Problem der Top-Teams in der Formel 1 von heute ist, dass sie nicht verlieren können. Mehr noch, dass sie glauben, nicht verlieren zu dürfen. Das trifft auf Ferrari genauso zu wie auf Red Bull oder Mercedes. Doch wer so denkt, sollte eigentlich keinen Sport betreiben. Auch Colin Chapman, Ken Tyrrell oder Frank Williams haben nicht gerne verloren. Sie haben aber wenigstens begriffen, dass es nur einen Sieger geben kann. Genau das ist die Gefahr einer Formel 1, die von den Teams gemanagt würde. Die Großen würden sich selbst zerfleischen.

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