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Schmidts F1-Blog

Perfektion schlecht für die Spannung

Felipe Massa - GP Kanada 2014 Foto: xpb 56 Bilder

Die letzten beiden Grand Prix haben uns in alte Zeiten zurückversetzt. Gemessen an den letzten Jahren war die Ausfallquote unheimlich hoch. Doch das hat beide Rennen so spannend und unberechenbar gemacht. So könnte es weiter gehen, meint Michael Schmidt.

12.06.2014 Michael Schmidt

Acht Ausfälle in Monte Carlo. Elf in Montreal. Das fühlt sich an wie Motorsport wie zu einer längst vergessenen Zeit. Bei jeweils 22 Startern ergibt das in den zwei Rennen eine Ausfallquote von 43,2 Prozent. Wollen Sie wissen, wann die zuletzt über eine Saison betrachtet so hoch war? Im Jahr 2002.

Für höhere Ausfallquoten muss man schon in die 80er und 90er Jahre zurückblättern. Der Rekord steht bei 63,6 Prozent für die Saison 1984. Seit 2007 lag die Quote ständig unter 27,3 Prozent. Das Vorjahr erlebte die zuverlässigste Formel 1 aller Zeiten. Nur 15,8 Prozent aller Starter fielen aus.

Mercedes-Probleme sorgen für Extra-Kick

Pessimisten prognostizierten für die neue Motorenformel wahre Ausfallorgien. Doch sie wurden enttäuscht. In China und Spanien kamen jeweils 20 der 22 Starter ins Ziel. Als hätte es die hochkomplexe neue Antriebstechnik nie gegeben. Monte Carlo und Montreal waren wahrscheinlich Ausreißer, auch durch diverse Unfälle bedingt. Und doch haben sie den Rennen gut getan. Weil sie einen Faktor zurückbrachten, der dem Motorsport immer mehr verloren geht, der aber eigentlich einen Teil seiner Attraktion ausmacht. Die Unberechenbarkeit.

So war es in Montreal. 36 Runden lang sah alles nach einem weiteren Mercedes-Doppelsieg aus. Und dann melden beiden Fahrer im Abstand von 20 Sekunden an die Box: "Ich verliere Leistung". Das hatte schon Slapstick-Charakter. Hat der Spannung aber einen weiteren Kick verpasst. Jetzt ging es nicht mehr nur um die Frage: Rosberg oder Hamilton? Alle haben auf den Zeitenmonitor geschaut und gerechnet: Wann holt der Zug mit der Lokomotive Perez an der Spitze die Mercedes-Fahrer ein?
 
Nach dem Schema lief der erste Grand Prix ab, den ich live am Fernseher verfolgt habe. England 1970. Spitzenreiter Jack Brabham geht zwei Kurven vor dem Ziel das Benzin aus. Jochen Rindt fängt ihn auf der Zielgeraden noch ab. So tragisch es für Brabham war: Dramen dieser Art waren in der Vergangenheit das Salz in der Suppe. Die Technik, die Schicksal spielt. Das Renngeschehen konnte sich von einer auf die andere Sekunden auf den Kopf stellen. Welch anderer Sport schafft das aus heiterem Himmel?

Perfektion killt die Spannung

Die moderne Technik hat uns dieses Spannungsmoment immer mehr geklaut. Weil alles analysiert, simuliert und vorausberechnet wird. Es ist schon ein Kunststück, dass überhaupt noch etwas schiefgeht. Der GP Kanada hat uns gezeigt, was wir dadurch verloren haben. Ich habe bis jetzt noch keinen getroffen, dem in diesem 100-Minuten-Krimi langweilig wurde. Dass die Teams die absolute Perfektion anstreben, ist verständlich. Aber vielleicht sollte man es ihnen so schwer wie möglich machen, diese Perfektion darzustellen.

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