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Schmidts F1-Blog

Renault wird Lotus wird Caterham

Lotus vs. Renault Foto: xpb 25 Bilder

Die F1-Kommission hat die Umbenennung von Lotus, Renault und Virgin abgenickt. Michael Schmidt will sich nicht ständig an neue Namen gewöhnen. In seinem aktuellen Blog kritisiert der F1-Experte, dass es keine Kontinuität gibt.

07.11.2011 Michael Schmidt

Die Formel 1 legt sich ihre faulen Eier selbst. Und das ohne Not. Eigentlich funktioniert ja alles ganz ordentlich. Hätte da nicht wieder irgendjemand eine Schnapsidee. Bei der Formel 1-Kommissionssitzung am Donnerstag (3.11.) wurde über die Anträge auf Namensänderung von drei Teams abgestimmt. Renault will 2012 Lotus heißen. Lotus tauft sich Caterham. Und Virgin will in Zukunft Marussia genannt werden. Von der russischen Sportwagenschmiede kommt das Geld. Und den Russen gehört ein gehöriger Teil vom Team.

Konkurrenz nickt Namensänderungen ab

Die anderen Teams haben die Namensänderungen einstimmig abgenickt, wie die FIA am Sonntag endlich offiziell mitteilte. Bernie Ecclestone bat darum. Hat es dem großen Zampano da den Blick vernebelt? Die Formel 1 ist in den letzten Jahren viel zu inflationär mit neuen Namen für alte Teams umgegangen. Eine Sportart braucht Kontinuität. Noch dazu eine, die naturgemäß kompliziert ist.

Reicht es nicht, jedes Jahr neue Regeln zu lernen? Jetzt nennen sich auch noch die Teams, wie sie wollen. Das wäre so, als würde sich im Fußball Real Madrid in AC Madrid, Bayern München in Borussia München und Manchester United in Manchester Hotspurs umbenennen.

Tradition ist ein Gut, das man bewahren sollte. Tradition verkauft sich. Warum wohl ist Ferrari der populärste Rennstall der Formel 1? Weil es ihn schon ewig gibt. Weil man mit diesem Namen bestimmte Dinge assoziiert. Die rote Farbe, die Siege und Niederlagen, die Fahrer, die in diesen Autos gewannen und starben.

Der Formel 1 fehlt die Kontinuität

Die Formel 1 stattdessen geht einen Weg, bei dem jeder Sportpromoter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Welche Teams außer Ferrari, McLaren, Williams und Sauber sind denn heute noch eine Marke, unter der man sich etwas vorstellen kann?

Red Bull ist nichts anderes als der Nachfolger eines Teams, das als Stewart geboren und dann in Jaguar umgetauft wurde. Toro Rosso entstand aus Minardi. Mercedes wurde aus den Ruinen des alten Tyrrell-Teams aufgebaut. Das wurde 1998 an BAR verkauft, von BAR in Honda umetikettiert, von Honda in Brawn GP und von Brawn GP in Mercedes.

Force India ist die Fortschreibung von Jordan, Midland und Spyker. Man muss schon dankbar sein, dass der neue Mitbesitzer Subrata Roy den Rennstall nicht in Sahara umtaufen will.

Ende des Lotus-Renault-Wirrwarrs?

Renault war einmal ein großer Name in der Formel 1. Die Turbo-Pioniere debütierten 1977 in Silverstone in der Königsklasse. Genaugenommen hat der aktuelle Renault-Rennstall nichts mit Renault zu tun. Die Basis des Teams aus Enstone ist Benetton. Die haben ihr Hab und Gut 2001 an Renault verscherbelt. Und Renault verkaufte im letzten Winter an den Luxemburger Finanzmakler Genii Capitals. Jetzt hat Lotus Cars die Finger drin.

Dummerweise gab es bereits einen Rennstall, der Lotus hieß. Der hat mit Colin Chapman so wenig zu tun, wie die Sportwagenfirma Lotus, die von Proton alimentiert wird und den Namen sogar vor dem Londoner Highcourt erstreiten wollte. Tony Fernandes hatte immerhin die Namensrechte für 'Team Lotus' von David Hunt gekauft. Und jetzt mit einer schönen Abfindung dem juristischen Kläger abgetreten. Dafür heißen die grünen Autos nächstes Jahr Caterham und die schwarzen Lotus. Wer soll da noch durchblicken?

Statistiker raufen sich die Haare. Wem soll man künftige Ergebnisse gutschreiben? Renault? Lotus? Caterham? Und was passiert, wenn Lotus Cars die Lust verliert oder das Geld ausgeht und seine Anteile an Lotus, pardon Renault, abstößt? Oder wenn Virgin übermorgen von irgendeinem anderen Investor gekauft wird? Das Namenskarrussell lockt unseriöse Geldgeber geradezu an. Weil sie nach ein paar Jahren ihre Teams wieder an andere Zocker mit Gewinn verscherbeln können.

Lotus und Caterham behalten historische Rechte

Wenn alle anderen Teams zustimmen, dann behalten die Antragsteller auch noch ihre historischen Rechte. Lotus, gemeint sind die schwarzen Autos, würden dann das Geld bekommen, dass sich Renault seit 1977 verdient hat. Caterham profitiert davon, dass Team Lotus am Ende des Jahres zum zweiten Mal in Folge in den Top Ten landet. Damit ist man Mitglied im Zehnerclub von Bernie Ecclestone. Die Transportkosten sind gedeckt. Und es gibt erstmals den Anteil an historischen Rechten.

Nur bei Virgin und Marussia spielte es keine Rolle, ob der Rest einverstanden war oder nicht. Der derzeit Zwölfte der Konstrukteurs-WM zählt weder mit dem altem noch mit dem neuen Namen zu den Auserwählten.

Ein Besitzerwechsel ist noch lange kein Grund, den Namen eines Teams zu ändern. McLaren gehört schon längst nicht mehr der Familie von Bruce McLaren. Trotzdem trägt der Rennstall aus Woking noch den Namen seines Gründers. Williams wird immer Williams heißen. Auch wenn das Team heute eine Aktiengesellschaft ist und von Adam Parr geleitet wird.

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